27.02.2015

Oldschool

Nena
Foto: Ester Haase
   
Gründung 1983
Mitglieder 1
Heimat Hagen
Klingt wie Nena
WWW nena.de

Wie oft ich "Nur geträumt" schon gehört habe? Ich weiß es nicht. Wie oft ich schon an Nena gedacht habe, wenn ich auf der A1 das "idyllische" Hagen neben mir liegen gelassen habe? Ich weiß es nicht. Wie viele Textzeilen ihrer größten Hits mir schon ohrwurmmäßig durch die Gehörgänge geschossen sind? Ich weiß es nicht! Seitdem ich existiere, ist Nena schon da und sie ist es immer noch.

Die erste Nena-Platte ist bis heute einer meiner deutschsprachigen Favoriten. Ganz egal, was sie danach gemacht hat und wie sie später wurde. Das war und ist großes Kino und es gehörte zu dem ganzen, selbstbewussten Berlin-Spirit jener kulturellen Hochphase Ende der 1970er/Anfang der 1980er. Nena ist ein gutes Stück deutscher Kulturgeschichte. Und schon schwirren sie wieder alle im Kopf rum, diese Namen, die so untrennbar mit dieser Zeit verbunden sind: Einstürzende Neubauten, Spliff, Nina Hagen, Die Ärzte (die ja stets angaben Nena heiraten zu wollen), Jim Rakete. Doch Peter Hein von den Fehlfarben würde sagen: Das sind Geschichten. Nun gibt es also eine neue Platte von Nena. "Auweia!", denkt da der alte Freund Vorurteil, doch Freund Positiv Überrascht ruft laut "Nicht schlecht!" heraus. Waren die letzten Veröffentlichungen eher ein Aufguss ihrer alten Erfolge, so schlägt Nena nun neue Töne an. Diese wirken bis auf eine Ausnahme (der eher verzichtbare Opener "Oldschool") aber glücklicherweise nicht aufgesetzt, sondern harmonisieren hervorragend mit ihrem markanten Gesang. An der Produktion der Platte gibt es nichts auszusetzen. Sie klingt so wie guter Pop- und Club-Sound heute klingen muss. Verantwortlich dafür ist Samy Deluxe, der die neue Platte produziert hat und zusammen mit Nena den Brückenschlag von den 1980ern bis heute perfekt bewerkstelligt hat. Ihre neuen Songs stehen ihr sehr gut zu Gesicht - wie z. B. das elektropunkige "Berufsjugendlich", in dem Nena mit all den Kritikern abrechnet, die meinen es besser zu wissen, was gut für sie ist ("Na klar, kann man gut drauf sein, aber nicht mit 54"). Das Schwelgen in Erinnerungen findet zwar auch statt ("Ja das wars", "Lieder von früher") - aber nie im Stile von "den Becher hoch", sondern immer mit einem Transfer ins Hier und Jetzt. Die Frau hat Einiges zu erzählen und da stört dann auch nicht das ein oder andere deftige Wort.

Der Höhepunkt ist mit Sicherheit die Ballade "Bruder" - ein Lied über ihren verstorbenen Sohn Christopher. Jeder, der bereits einen geliebten Menschen verloren hat, wird Nenas wunderbare Worte nachvollziehen können - übrigens auch kein Lied übers Gestern, sondern über den Umgang mit dem Verlust im Alltag. Es geht nun mal weiter und Nena wird wohl immer weiter gehen. Ich muss sagen, dass mir der derzeitige Weg von ihr sehr gut gefällt. Das Oldschool-Baby hat es immer noch drauf. Glückwunsch, Nena!

Wärmstens ans Herz gelegt von Stefan Üblacker.
 

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