25.02.2015

Donots

"Man kann die menschliche Dummheit nie genug unterschätzen."

Donots
Interview: Stefan Üblacker / Fotos: Patrick Runte

Köln/Berlin. Im Ramones-Museum nimmt Sänger Ingo Knollmann alias Ingo Donot einen wahren Interview-Marathon auf sich, um sich den Fragen zur neuen Platte der Donots zu stellen. Es ist die erste Platte, die die Band in deutscher Sprache veröffentlicht. Ingo Donot ist überaus sympathisch, nur beim Thema "Die Dummheit der Menschen" will er sich nicht beruhigen.

Ingo, herzlichen Glückwunsch zu eurer neuen Platte. Mal was anderes von euch ...

Wir sind sehr oft gefragt worden, wo denn dieser Antrieb herkommt eine Platte mit deutschen Texten zu machen. Die Antwort ist, dass wir einfach Bock darauf hatten mal frischen Wind durch unsere Proberaumtür hereinzulassen.

Das ist mit Sicherheit auch die erste Frage, die euch Journalisten in diesen Tagen stellen.

Klar, es ist ja auch die offensichtlichste Frage. Wir haben auch schon intern überlegt ein Phrasenschwein aufzustellen und jedes Mal, wenn diese Frage kommt, ein Euro reinzustecken und das Ganze am Ende an „Kein Bock auf Nazis“ zu spenden. Aber im Ernst: Die Idee kam durch unser Bandjubiläum im letzten Jahr ins Rollen. Wir wollten dazu eine besondere 7“ Vinyl-Single rausbringen und kamen dann auf die Idee ein deutsches Stück zu schreiben. Wir haben dann noch den Tim von Rise Against gefragt, der seinen Part auch auf deutsch gesungen hat. Das Ganze hat so viel Bock gemacht, dass wir nun ein ganzes Album auf Deutsch eingespielt haben.

Sind die vorliegenden Songs wirklich die ersten deutschen Stücke von euch?

Nein, wir haben schon mal uns lieb gewonnene Deutschpunk-Klassiker, wie von den Kassierern, eingespielt oder auf Konzerten schon mal Songs von den Toten Hosen oder Ärzten gespielt. Ich habe aber zuvor noch nie auf Deutsch getextet. Zwar habe ich eine Menge Deutschpunk in meinem Plattenschrank, der mir auch über alle Maßen heilig ist, aber so richtig herangetraut habe ich mich an die Materie bislang nicht. Das liegt auch daran, dass ich ein ganz schlimmer Perfektionist bin und wenn ich das Gefühl habe, dass das was ich abliefere nicht halbwegs auf Augenhöhe ist, präsentiere ich es erst gar nicht. Diese Sorgen hatte ich aber jetzt nicht.

Warum habt ihr überhaupt angefangen auf Englisch zu singen?

Das war die Sprache unserer damaligen Lieblingsbands. Die ersten Shows, die wir gespielt haben, waren eigentlich nichts weiter als Covershows, wo wir Stücke von The Clash oder Bad Religion gespielt haben. So sind wir bei der englischen Sprache hängen geblieben und es war ja auch nicht schlecht. Wir konnten dadurch Japan, die USA und komplett Europa bereisen, aber das deutsche Ding gibt uns jetzt eben wieder einen kräftigen Impuls. So etwas braucht man eben als Band hin und wieder.

Man darf gespannt sein, wie die deutschen Stücke außerhalb des deutschsprachigen Raumes ankommen werden.

Wir werden die Platte sogar in Japan und den USA veröffentlichen, aber dann auf Englisch. Ich habe die letzten Wochen damit verbracht die deutschen Texte sinngemäß ins Englische zurück zu übersetzen und werde es bald einsingen, da wir schon im Mai die ersten Shows in Japan spielen.

Das japanische Publikum soll für seine Zurückhaltung bekannt sein.

Man muss zunächst einmal sagen, dass sich das Leben für die Leute in Japan seit der Katastrophe von Fukushima komplett geändert hat. Musik hat da im Moment verständlicherweise keinen großen Stellenwert. Nichtsdestotrotz geht auch dort das musikalische Leben weiter. Das Publikum ist in der Tat sehr anders als hier in Europa (lacht). Nachdem ein Lied verklungen ist wird drei Sekunden frenetisch applaudiert, danach ist es aber wieder mucksmäuschenstill. Sobald aber ein neues Lied erklingt drehen sie wieder auf als wären sie fünf Rock am Rings auf einmal. Nach dem Konzert nehmen sie sogar ihren Müll mit raus, so dass man eigentlich vom Boden essen könnte.

Jetzt stellt ihr euch hierzulande in eine lange Reihe von deutschsprachigen Bands an - früher wäre dies noch überschaubarer gewesen.

Ja, in unserer Karriere wurde von den Plattenfirmen oft der Wunsch an uns herangetragen, dass wir mal was auf Deutsch machen sollen. Daraus entwickelte sich schon eine Art Anti-Haltung bei uns, denn Trends waren uns immer schon egal. Wir wollten das nicht machen, weil es sich vielleicht besser verkaufen würde. Wir wollten das nur machen, wenn wir uns selber danach fühlen und das war jetzt der Fall. Dieses Mal hat also keine Plattenfirma uns gefragt, sondern wir sind dieses Mal zur Plattenfirma gegangen und haben gesagt: "Schaut mal, wir haben ein deutsches Album".

Du hast gerade diese Anti-Haltung erwähnt. Diese blitzt immer wieder auf der Platte auf, wie zum Beispiel bei „Ich mach nicht mehr mit“ oder „Straßenköter“. Ist diese Anti-Haltung ein fester Bestandteil der Donots-Kultur?

Ich glaube das ist der typische Punk-Ethos, mit dem ich groß geworden bin. Ich habe schon als 15-jähriger in er JZ Scheune in Ibbenbüren Konzerte gebucht. Da gab es immer viele Info- und Fanzinestände und dementsprechend intensiv war die Auseinandersetzung mit dieser Subkultur und das Hinterfragen von Autoritäten liegt dieser ja zugrunde. Wer uns nur von unseren Live-Auftritten her kennt, der unterschätzt vielleicht, dass wir sehr viel mehr Haltung haben als man uns gemein hin zutraut. Durch die deutschsprachige Platte ist das jetzt auch noch mehr in den Vordergrund gerückt, was uns sehr gut gefällt.

War das auch ein Antrieb dafür jetzt auf deutsch zu singen? Ihr hattet ja bislang eigentlich immer so das Image einer Partyband inne.

Nein, wir sind auch nicht so gut darin uns Dinge vorzunehmen, wir lassen lieber fließen. Mir war jedoch klar, dass ich keine Middle-of-the-Road-Texte schreiben wollte, die völlig belanglos sind. Das war die einzige Maßgabe, die ich mir gestellt habe.

Sobald man einen deutschen Text schreibt hat man eigentlich schon die Text-Polizei im Nacken. Deutsche Texte müssen immer einen Gewissen Gehalt haben. Kann man sich davon frei machen?

Um ehrlich zu sein, bin ich selber schon meine größte Hürde. Ich habe es mir echt nicht leicht gemacht und habe wohl in meinem ganzen Leben noch nie so wenig geschlafen wie im letzten Jahr. Ich habe jede Zeile drei Mal umgedreht, bis sie mir richtig gefallen hat. Am Ende bin ich jetzt sehr zufrieden damit, doch wer meckern will, der findet natürlich immer was.

 

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