25.02.2015

Donots

"Man kann die menschliche Dummheit nie genug unterschätzen."

Donots
Interview: Stefan Üblacker / Fotos: Patrick Runte

Eine von uns beiden heißgeliebte Band wie die Beatsteaks hat es schon gut, dass sie auf Englisch singen. Wenn man deren Texte sinngemäß ins Deutsche übersetzt, würde man wohl an deren Geisteszustand zweifeln.

Ja, das habe ich mir auch schon mal überlegt. Die Beatsteaks sind wirklich eine ganz fantastische Band und wir mögen die alle sehr gerne, doch auf Deutsch würden sie so nicht funktionieren.

Ich finde es auch sehr lustig, dass eine Nummer wie „The Bad Touch“ von der Bloodhound Gang rauf und runter im Radio läuft. Wenn man sich die Mühe machen würde den Text zu übersetzen, würde das wohl kein Sender hier spielen.

Nee, definitiv (lacht), da gebe ich dir recht. Ich stelle aber keine Überlegungen an, ob unsere Platte nun häufiger im Radio läuft, da mache ich mich nicht nass. Ich glaube nämlich nicht, dass sie viel Airplay bekommt, weil einfach zu viel Attitüde und zu viel Ansage drin steckt. Das verkraften die heutigen Formatradiosender nicht. Ich bin aber auch nicht bange, denn selbst eine Band wie die Broilers laufen nicht rauf und runter im Radio und haben trotzdem eine Größe erreicht, die unfassbar ist.

Im Promoschreiben hast du gesagt, dass du auch Sachen wie Rosenstolz oder Pur gehört hast um das Shit-Barometer zu eichen. Was sind denn aber so die Sachen, außer Toten Hosen und Ärzte, die dich angespornt haben?

Ich habe viele alte Platten gehört, darunter Bands wie Slime, ...But Alive, Muff Potter, Dackelblut, die ich unfassbar gerne höre. Das sind gute Vorbilder.

Neben dem Umstand, dass ihr nun auf deutsch singt, muss ich feststellen, dass die neue Platte „Karacho“ auch musikalisch sehr vielschichtig ist.

Das ist ein großes Lob, vielen Dank. Wir finden auch, dass „Karacho“ unser bislang abwechslungsreichstes Album ist. So etwas mag ich auch an Alben. Alben, die mich kicken bestehen entweder aus einem Statement, dass sich durch das ganze Album zieht oder sind sehr facettenreich.

Besonders auffällig ist dies beim Song "Problem Kein Problem", einer Ska-Nummer. So etwas hat man von euch bislang noch nie gehört.

Das stimmt, es ist das erste Mal. Den Song singt auch Guido, was auch ein Novum ist, da er sonst eher für das Gebrülle bei uns zuständig ist (lacht). Aber genau das sind für mich auch die Highlights, die einen anspornen mit der Band weiterzumachen. Viele denken vielleicht, dass wir nicht so ernst sind, doch wir sind ganz gut darin, wenn es darum geht bei unseren Songs so lange zu diskutieren bis man schon nicht mehr weiß, worum es eigentlich noch geht. Umso schöner ist es dann, wenn alle Beteiligten nach einer Aufnahme mit einem Lächeln nach Hause gehen.

Kommen da vielleicht auch die berühmten deutschen Tugenden bei euch durch?

(lacht) Ich hoffe, dass wir ganz wenige davon besitzen. Ich muss dabei immer an die klassische Reihenhaus-Jägerzaun-Siedlung denken – ich glaube davon haben wir nichts abbekommen. Ich denke aber, dass wir schon eine gewisse Disziplin haben und auch eine recht wirtschaftliche Band sind. Über unsere Verhältnisse leben wir jedenfalls nicht. Wir nehmen uns selbst nicht so ernst, aber unsere Musik schon.

Der letzte Song eurer Platte schildert wie zwei Leute auf dem Heimweg von der Kneipe ihre Lieblingsbands imitieren. Welche Bands oder Künstler hast du als Kind denn imitiert, so mit Tennisschläger vor dem Spiegel?

(lacht) Das ist eine gute Frage. Ganz früh schon war Campino mein Held. Die Toten Hosen waren auch mein erstes Rockkonzert – mit 11 oder 12 Jahren. Meine Eltern haben aber, glaube ich, noch eine Super8-Aufnahme davon, wie ich als Kind im Schlafanzug zu Dschingis Khan in der ZDF Hitparade tanze (lacht). Das waren aber keine großen Jugendhelden. Bald kam dann schon meine Metalphase.

In "Das Ende der Welt ist längst vorbei" geht es um den Weltuntergang. Es gibt ja verschiedenste Szenarien an möglichen Apokalypsen. Welche bevorzugst du?

Ich denke die Welt geht durch Idiotie unter. Ich bin mir ziemlich sicher, dass schon irgendjemand dumm genug ist und auf den Knopf drückt. Ich glaube da nicht an Meteoriten oder Naturkatastrophen. Man kann die menschliche Dummheit nie genug unterschätzen. Es kann gar nicht sein, dass die Menschheit überlebt, denn es gibt jeden Tag genug Belege dafür, die zeigen wie dumm Menschen sind.

Eine Zeit lang war der Montag sehr gefragt bei dummen Leuten.

Ja, nimm dir nur diese unsäglichen Pegida-Demos. Da sieht man, wie weit verbreitet Dummheit eigentlich ist.

Eure Platte ist somit aktueller denn je, obwohl sie bereits letztes Jahr entstanden ist.

Und genau das ist auch gleichzeitig so erschreckend. Heutzutage kann man sich die "Schweineherbst"-LP von Slime anhören und könnte meinen, dass sie gestern geschrieben worden ist. Diese Texte passen perfekt auf die derzeitige Situation und das sagt mir wiederum, dass es niemals besser werden wird. Es muss also immer diese Anti-Haltung geben um das immer wieder gerade zu rücken und denjenigen, die genauso denken, eine Anlaufstelle zu bieten.

Bestes Beispiel ist für mich ein Song wie "Computerstaat" von Abwärts.

Ist es nicht krank, wenn man bedenkt, dass diese Songs 30 und mehr Jahre auf dem Buckel haben und man feststellt, dass nichts besser geworden ist? Da kann man schon an der Menschheit verzweifeln.

 

 zurück   

 
 





 
Dirk Darmstaedter
"Top Of The World"

„Diese Welt ist leider nicht für die Schwachen gemacht.“
Jan Plewka

Kraftklub
Nena
Jonny Two Bags
Donots
SWISS und die Andern
Jan Plewka
Farin Urlaub
Dr. Ring Ding
Niels Frevert
Bela B