30.06.2014

Armin Maiwald

"Lasst Kinder auch einfach mal nichts tun und doof in der Ecke rumsitzen."

Armin Maiwald
Interview: Stefan Üblacker / Foto: Flash Film

Köln. Armin Maiwald ist eine wahre Fernseh-Institution. Seit über 40 Jahren erzählt er Kindern im Rahmen der "Sendung mit der Maus" unterhaltsame Sachgeschichten über banale wie komplexe Themen. Es gibt wohl kaum jemanden der seine markante Stimme nicht kennt, die seine Filme begleitet. Für unser Gespräch im Büro seiner Produktionsfirma Flash Film hat sich Armin Maiwald ausführlich Zeit genommen. Seine Schilderungen über seine Kindheit in Zeiten des 2. Weltkrieges, die Anfänge der "Maus" und Zuschauerreaktionen sind überaus spannend. Mit Sorge betrachtet er dabei die gestiegenen gesellschaftlichen Erwartungen an die Kinder. Während des ca. eineinhalbstündigen Gesprächs raucht er mehrere Zigaretten. Die stärker werdenden Einschränkungen für Raucher sind ihm ein Grauen.

Herr Maiwald, Loriot hat einmal gesagt: "Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.". Gilt bei Ihnen gleiches für die Maus?

Ja, das kann man so sagen. Man wird immer ein bisschen bereichert, wenn man "Die Maus" schaut.

Ein Augenmerk bei "Der Sendung mit der Maus" liegt darauf Kindern auf unterhaltsame Art und Weise Wissen zu vermitteln. Wie haben Sie sich als Kind Wissen angeeignet?

Ich bin in der Zeit während und nach dem 2. Weltkrieg groß geworden und als ich Kind war, gab es die ganze heutige Technik wie Fernsehen, Internet oder Handys noch gar nicht. Es gab im Prinzip auch keine Bücher, denn unsere Schulbücher wurden nach dem Krieg von den Alliierten verboten. Es gab noch nicht mal Bleistifte oder Schreibblöcke. Wir mussten uns mit Nottafeln und Holzstäbchen begnügen und in meiner Klasse waren damals ca. 66 Schüler.

Das alles erleichtert den Zugang zu Bildung nicht unbedingt.

Nein, überhaupt nicht. Ich musste mir meine Bildung regelrecht zusammenschnorren. Ich habe natürlich meine Mutter viele Sachen gefragt. Sie war sehr geduldig und hat meine Fragen so gut es ging beantwortet. Mein Vater ist leider im Krieg gefallen. Wir hatten damals auch kein Radio. Meine erste Radioerfahrung habe ich bei einem Schuster in unserem Dorf gesammelt. Dort lief die Übertragung der ersten Sitzung des Deutschen Bundestages und er hat mir erklärt, was es damit auf sich hat. Bonn war aber für mich ganz weit weg. Ich wusste nicht mal, wo das auf der Landkarte liegt.

Wenn Sie von Dorf reden, welchen Ort meinen Sie?

Meine Mutter und ich wurden damals nach Uffing am Staffelsee in Oberbayern evakuiert. Das war zu der Zeit ein kleines Dorf mit ca. 800 Einwohnern. Eigentlich bin ich in Köln geboren. Dort wurden wir aber während des Krieges dreimal ausgebombt. Wir sind dann zu meinen Großeltern väterlicherseits nach Schlesien, ins heutige Luba?, gezogen. Am 12. Februar 1945 sind wir dort vor den Russen abgehauen und sind dann am 13. Februar in Dresden gewesen als die Stadt von den schlimmen Bombenangriffen heimgesucht worden ist. Wir konnten aber mit dem letzten Zug aus dem brennenden Dresden fliehen und sind zunächst nach München gekommen. Kurze Zeit später wurde auch München evakuiert und irgendwann sind wir im besagten Uffing gelandet.

Wie lange sind Sie dort geblieben?

Ich bin dort zur Volksschule gegangen. Mein erster Heimatdialekt ist also Bayerisch (lacht). Von Uffing sind wir erst nach Neuss gekommen und 1953 sind wir wieder nach Köln gezogen. Ich war zu diesem Zeitpunkt 13 Jahre alt. Da gab es dann zwar Bücher und Radios, doch wir waren sehr arme Leute und Bücher oder Schallplatten waren für uns purer Luxus und nicht drin. Ich habe mir erst mit 18 Jahren meine erste Schallplatte beim Bertelsmann Lesering kaufen können. Das war somit das erste Medium, was ich mir selber leisten konnte.

Heutzutage unvorstellbar.

Absolut. Heute laufen die Leute lieber gegen einen Laternenmast als ihren Blick von ihrem Smartphone abzuwenden (lacht).

Wie ging es mit Ihrer schulischen Laufbahn weiter?

Ich hatte das große Glück gute Lehrer zu haben, die mir viel Bildung vermitteln konnten. Wir hatten in der Unterprima z. B. einen Lehrer, der uns die Klassiker der Literatur von Shakespeare, Goethe über Lessing, aber auch Sachen von Böll näher gebracht hat. Er hat uns ein halbes Jahr Zeit gegeben um uns das draufzuschaffen. Da bin ich schon ordentlich ins Schwitzen gekommen. Trotzdem habe ich nie mehr als unbedingt nötig gemacht und später mein Abitur auch mit einem 3er-Schnitt abgelegt. Ich war mit Sicherheit kein Überflieger, hatte aber eine große Klappe und habe mich viel eingemischt, was mir nicht nur Freunde gebracht hat.

Würden Sie trotz all der schrecklichen Erlebnisse behaupten, dass Sie eine glückliche Kindheit hatten?

Ja, das würde ich auf jeden Fall so sehen. Ich hatte eine tolle Mutter, die leider viel zu früh verstorben ist. Ich hätte mir so sehr gewünscht, dass ich ihr das Alter ein bisschen schön machen könnte. Diese scheinbar winzige Frau hat unglaubliche Dinge vollbracht und dabei riesige Entbehrungen auf sich genommen um uns Kinder über Wasser zu halten. Wir hatten zwar nichts, aber wir waren immer zusammen, denn die Gefahr, dass wir getrennt werden könnten, war einfach zu groß.

Waren Sie dabei immer schon so neugierig gewesen?

Ja, ich bin immer mit offenen Augen durch die Welt gegangen. Alles, was mich umgab, hat mich stets interessiert.

Befriedigen Sie mit Ihren Beiträgen zu den Sachgeschichten bei der "Sendung mit der Maus" auch Ihre eigene Neugier?

Die meisten Themen gehen tatsächlich auf Zuschauerfragen zurück. Dabei handelt es sich oft um Fragen von Kindern, die sich Erwachsene eigentlich gar nicht mehr stellen. Diese Fragen sind aber oft erschreckend naheliegend, so dass man sich manchmal ärgern könnte, dass man nicht selber darauf gekommen ist. Meine Neugier wird insofern befriedigt, indem ich mich bzgl. eines neuen Themas auch erst einmal schlau machen und einen Experten dafür finden muss. Die nächste Herausforderung ist eine unterhaltsame Geschichte daraus zu machen.

 

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