30.06.2014

Armin Maiwald

"Lasst Kinder auch einfach mal nichts tun und doof in der Ecke rumsitzen."

Armin Maiwald
Interview: Stefan Üblacker / Foto: Flash Film

Sie haben Germanistik, Philosophie und Theaterwissenschaften studiert. Was wollten Sie damit werden?

Meine Mutter wollte immer, dass ich einen anständigen Beruf lerne. Ich sollte ihrer Meinung nach Lehrer werden. Ich wollte jedoch etwas Künstlerisches machen und habe ihr zu Liebe noch Germanistik und Philosophie mit dazu genommen um ggf. noch das Lehramt zu machen. Das war aber nicht mein erklärtes Ziel.

Wie sahen Ihre ersten künstlerischen Erfahrungen aus?

Ich hatte schon mit 17 Jahren als Statist in der Kölner Oper angefangen und dabei in großen Inszenierungen wie Aida oder Carmen mitgewirkt. Eigentlich musste man dafür erst gegen 21 oder 22 Uhr vor Ort sein, da der Auftritt oft erst beim Finale mit dem großen Chor anstand. Ich war aber meistens schon viel früher da und habe geschaut, was die Leute dort machen. Mich hat vor allem der Blick hinter die Kulissen interessiert. Mit der Zeit habe ich so einen guten Überblick darüber erhalten, wie ein Theaterbetrieb funktioniert. Das fand ich sehr spannend.

Wie kamen Sie dann zum Fernsehen?

Meine erste Fernseherfahrung hatte ich bereits mit 17 Jahren. Der Vorgänger des WDR suchte für eine Jugend-Diskussionssendung geeignete Leute und hat dafür die Gymnasien angeschrieben. Unser Direktor kam eines Tages mit dem Schreiben in unsere Klasse. Nachdem sich keiner freiwillig gemeldet hatte, wurde ich mit einem anderen Kameraden zwangsverpflichtet. Obgleich das Leben hinter der Theaterbühne mich schon sehr faszinierte, so fand ich den Betrieb in einem Fernsehstudio noch spannender. Die Sendung lief alle 2 Monate und wurde richtig gut bezahlt. Pro Sendung gab es damals 25 DM - das war unglaublich viel Geld. Zur gleichen Zeit habe ich im Tiefbau gearbeitet. Da gab es 1,70 DM Stundenlohn - und das war noch ein absoluter Spitzenlohn.

Der Aufwand im Fernsehstudio hielt sich gegenüber der Arbeit beim Tiefbau sicher in Grenzen?

Der Tiefbau war richtige Maloche. Ich habe Gräben für Telefonkabel gebuddelt oder auf der Kölner Severinsbrücke die Gräben für die Fundamente der Straßenbahnmasten gegraben. Das spannende Metier des Fernsehens haben bei mir schließlich gewisse Begehrlichkeiten geweckt. Während der zwei Jahre, in denen die Sendung lief, habe ich ich auch gefragt, ob es die Möglichkeit gebe dort einen Job zu finden. Mehr als Kabelhilfe wollte man mir aber nicht anbieten.

Der klassische Einstieg in die Branche.

Ja, genau. Ich habe mich direkt nach dem Abitur an der Uni eingeschrieben, bin mit meinem Studentenausweis zum Sender und habe für 90 Pfennig pro Stunde als Kabelhilfe angefangen. Etwas später habe ich in der Bühnen-Werkstatt und beim Aufbau der Ü-Wagen für Fernsehübertragungen mitgearbeitet. Erst danach kam ich wieder in ein Fernsehstudio und war dort Tongalgenfahrer bei diversen Fernsehspielen. Das war eine großartige Lehrzeit für mich. Ich habe mich während meines Studiums der Theaterwissenschaften später als Regieassistent beim WDR beworben und wurde tatsächlich auch eingestellt. Mit 25 durfte ich dann zum ersten Mal meinen eigenen kleinen Film drehen. Ich wollte auch auf die Filmhochschule im polnischen Lodz gehen.

Was hat Sie abgehalten?

Ich habe meinem Abteilungsleiter von meinen Plänen erzählt und er hat mir davon abgeraten. Er meinte, dass man mir dort nicht mehr viel beibringen könnte. Er wollte mir stattdessen beim WDR mehr eigene, kleinere Regiearbeiten zukommen lassen um mich so langsam an die großen Produktionen heranzuführen.

1968 haben Sie sich mit Ihrer ersten Firma selbstständig gemacht. Ein durchaus riskantes Unterfangen, oder?

Das war schon ein Sprung ins kalte Wasser, denn ich hatte kein Geld. Das hätte auch sehr gut schiefgehen können, aber der Drang zur Selbständigkeit war mir seit jeher in die Wiege gelegt. Ich habe mir stets alles selbst erarbeitet und auch mein Studium ohne staatliche Unterstützung finanziert.

Aus der Beziehungswissenschaft wissen wir, dass die meisten Männer mit 30 die Ehe eingehen. Sie haben mit 30 Jahren die Ehe mit der Maus begonnen.

Dazu muss ich aber sagen, dass ich die Ehe mit meiner Frau schon mit 21 eingegangen bin und wenn nichts dazwischen kommt sind wir nächstes Jahr 50 Jahre verheiratet. So etwas gibt es heutzutage kaum mehr.

War der spätere Erfolg mit der Maus damals schon abzusehen?

Nein, das Konzept war anfangs auch nicht erfolgreich. Da waren das zuerst Versuche, aus denen mittlerweile eine stabile Ehe geworden ist (lacht). Die Sendung lief zunächst nicht jeden Sonntag, sondern in unregelmäßigen Abständen. Erst nach zehn Jahren bekamen wir einen regelmäßigen Sendeplatz im ARD-Kalender. Das bedeutete natürlich auch, dass wir mehr Beiträge liefern mussten. So wurde die Anzahl der anderen Auftraggeber mit der Zeit immer weniger und die Maus, die zunächst von allen Aufträgen am erfolglosesten war, hat sich gehalten.

Glauben Sie, dass Sie auch hier noch die Goldene Hochzeit feiern können?

Ich habe keine Ahnung. Heutzutage kann man kaum noch Prognosen abgeben. Man weiß ja gar nicht, wie lang es dieses Medium Fernsehen in der bekannten Form überhaupt noch geben wird. Andererseits hat man damals mit dem Siegeszug des Fernsehens auch prognostiziert, dass es bald kein Radio und keine Bücher mehr geben wird und diese Prognosen waren erwiesenermaßen falsch. Ich möchte mich also nicht an solchen Spekulationen beteiligen.

 

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