11.08.2014

Bela B

"Ich habe Drogen immer nur zum Spaß genommen."

Bela B
Interview: Bine & Stefan Üblacker / Foto: Konstanze Habermann

Du wirkst von allen drei Die Ärzte-Mitgliedern am Nahbarsten. Ist diese Nähe zu deinen Zuschauern etwas, was du bei den Die Ärzte vermisst?

Mir fehlt das schon. Selbst unsere letzten "Club-Touren" führten uns durch 1000er-Hallen. Wir haben in der Vergangenheit schon öfters Geheim-Gigs gespielt und Farin und ich fanden es immer sehr lustig in Clubs zu spielen, in denen wir schon zu Anfang unserer Karriere gespielt haben, wo dann all die Erinnerungen und Anekdoten wieder hochkamen. Ich habe mein neues Soloding aber nicht gemacht um bewusst wieder vor 100 Leuten zu spielen. Das hat sich einfach durch die musikalische Ausrichtung ergeben.

Wie erleben das deine neuen Mitstreiter, die in dieser Clubszene eher zu Hause sind?

Peta Devlin fand es unglaublich einen Backliner zu haben, der ihr alles abnimmt. Das war sie bislang in keiner ihrer Bands gewöhnt. Ich habe dann zu ihr gesagt: "Welcome to my world". Als wir die Barkassen-Konzerte auf der MS Hedi in Hamburg gespielt haben kamen unsere Backliner ordentlich ins Straucheln, denn es war sehr, sehr eng. Peta hat daraufhin gesagt: "Welcome to my world, Bela" (lacht).

(Ein grelles Geräusch ist auf einmal zu hören. Lichtmann Lui Helmig testet gerade eine Nebelmaschine).

Das ist ein echt fieses Geräusch. Wir wussten gestern auf der Bühne gar nicht, woher das kommt. André von Smokestack Lightnin' hat wie wild auf seinen Effektgeräte herum getreten. Erst später haben wir gemerkt, woher das kommt.

Mit Nebelmaschinen habt ihr's aber. Ich kann mich an ein Konzert mit Die Ärzte in Rottweil erinnern, bei dem eine kaputte Nebelmaschine und die Kälte in der Halle dafür gesorgt haben, dass ihr euer Publikum kaum gesehen haben müsst.

Das habe ich gar nicht mehr so auf dem Schirm. Ich kann mich aber an einen schönen Tourabschluss-Streich erinnern, dem ich unseren Lichtmann Lui gespielt habe, der uns auf den vorherigen Konzerten der Tour immer schön eingenebelt hatte. Ich habe mir am letzten Tag der Tour eine eigene Nebelmaschine gemietet, die ich unter seinem Lichtpult versteckt habe. Von dort aus habe ich mir ein Kabel durch die ganze Halle bis zu meinem Schlagzeug legen lassen mit dessen Hilfe ich dann Lui während des Konzertes immer schön eingenebelt habe. Der hat das aber gar nicht gecheckt und dachte es brennt. Ich konnte schön sehen, wie die wie blöd mit Feuerlöschern rumgesprungen sind. Das Konzert stand sogar kurz vorm Abbruch bis ich den Streich aufgeklärt habe. Es war vielleicht etwas exzentrisch, aber eine gute Aktion (lacht).

Du hast im letzten Jahr die neue Platte auf einer kleinen Clubtour vorgestellt, ohne dass die Leute einen einzigen Ton davon kannten. Eine ziemlich mutige Aktion.

Ja, aber das Publikum hat sich darauf eingelassen. In Nürnberg waren sogar viele Teddyboys im Publikum, denen die Show sehr gefallen hat. Die fanden auch Die Ärzte wohl gut, wobei man sagen muss, dass Die Ärzte nie wirklich unbeliebt in der Rockabilly-Szene waren.

Die erste Platte von euch damals stand ja sehr unter dem Einfluss von Rockabilly und Bands wie den Stray Cats.

Genau. Du bist einer der wenigen Interviewer, die informiert sind. Ich bin immer erstaunt, dass manche Journalisten so sehr über die Art meines neuen Albums überrascht sind. Country und Rockabilly waren schon immer Teil meines musikalischen Outputs. Das zieht sich durch viele Veröffentlichungen.

Gibt es eigentlich einen typischen Bela-B-Sound?

Einen typischen Sound gibt es wohl nicht, aber der Sound von meinen Soloplatten enthält schon sehr viel von den Zutaten, die ich gerne mag. Ein Song wie "Der Vampir mit den Colt" von meiner ersten Soloplatte fügt sich z. B. perfekt in das neue Programm ein. Die Melodie vom Song "Letzter Tag" habe ich schon mit 17-18 Jahren geschrieben und auch den spielen wir jetzt. Von daher denke ich, dass Country und Americana immer ein Teil meiner Musik waren und sein werden. Mir macht das großen Spaß.

Auf der neuen Platte finden sich bei Songs wie „Streichholzmann" auch wieder Textstellen auf Berlinerisch wieder. Das muss einfach sein, oder?

Das ist kein Dogma, sondern geschieht einfach aus dem Bauch heraus. Wenn wir mit den Ärzten unterwegs sind wissen Farin und ich, dass es immer gut ankommt, wenn wir „rumberlinern". Ich möchte aber mit meinem Soloprogramm dieses Ärzte-Dada-Ding gar nicht fortführen. Hier dient es lediglich dem Reim und nun ja, ich bin eben Berliner und kann das manchmal nicht verstecken.

Wir sind hier in Köln. Eine Stadt, die du auch sehr gut kennst. Dein Vater kommt z. B. hierher. Was schätzt du an der Stadt?

Ich komme immer gerne hierhin. Ich liebe die offene und herzliche Art der Menschen hier. Die Leute tragen ihr Herz auf der Zunge, was mir als Berliner sehr gut gefällt. Weiter Rhein abwärts Richtung Düsseldorf wird es gleich schon viel ernster (lacht).

 

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