21.05.2014

Christian Thiel

"Die meisten Partnerschaften scheitern nicht an zu viel Soll, sondern an zu wenig Haben."

Christian Thiel
Christian Thiel

Köln/Berlin. Christian Thiel ist einer der bekanntesten Single- und Paarberater der Republik. Seit Jahren unterstützt er Männer und Frauen bei der Partnersuche, hat bereits mehrere Bücher zum Thema Beziehung und Partnersuche geschrieben und ist ein gefragter Experte in allen Medien. Am Telefon sprechen wir über sein neues Buch "Wieso Frauen immer Sex wollen und Männer immer Kopfschmerzen haben". Ein Werk, dass sich den verschiedenen Mythen rund um die Liebe widmet. Thiels Ausführungen sind überaus anschaulich und oft erschreckend naheliegend.

Herr Thiel, Sie möchten mit Ihrem neuen Buch Schneisen durch das Dickicht über die Irrtümer der Liebe schlagen. Brauchen wir dafür eine Machete oder eher eine Kettensäge?

Fakt ist, dass wir heute noch auf Mythen aus der Antike zurückgreifen. Viele glauben immer noch an die Erzählung von Amor und seinem Liebespfeil. Da kommen wir weder mit der Machete noch mit der Kettensäge weiter. Ein bisschen Nachdenken und Wissen würde mir schon völlig reichen.

Sollte man sich alleine durch das Dickicht wagen oder lieber mit einem Begleiter den Weg beschreiten?

Ich möchte mit meinem Buch der Begleiter sein. Seit 15 Jahren begleite ich nun schon Singles bei der Partnersuche. Gerade eben komme ich aus einer solchen Beratung, wo ich versucht habe einer Frau klarzumachen welcher Mann zu ihr passen könnte. Diese Frage hat sie sich bislang so nie gestellt. Die angesprochenen Mythen ziehen uns auf eine falsche Ebene hinab. Wir fragen uns viel zu oft nur welcher Mann oder welche Frau uns erotisch anzieht, aber 90 % der Menschen, die wir erotisch anziehend finden, passen überhaupt nicht zu uns. Die Gefahr ist also groß, dass wir bei der bloßen Berücksichtigung der Äußerlichkeiten am Ende mit einem Partner zusammen sind, der seelisch und charakterlich überhaupt nicht der oder die Richtige ist. Darüber spreche ich sehr oft in meinen Beratungen.

Welche Voraussetzungen müssen die Leute mitbringen, die Sie um Rat bitten?

Eine Grundvoraussetzung ist, dass man sich selber kennt. Man sollte z. B. akzeptieren, dass man mitunter ein komischer Kauz ist. Das ist nichts Schlimmes, denn im Grunde genommen ist doch jeder Mensch ein komischer Kauz.

Genau das kann einen auch liebenswert machen.

Stimmt. Man sollte darauf achten genau den Kauz zu finden, der selber zu einem passt und diejenigen auszusortieren, die nicht zu einem passen. Dazu brauchen wir Zeit und wir brauchen dafür inzwischen viel mehr Lebenszeit als früher gemeinhin dafür aufgewendet worden ist. In der Regel finden wir mit 30 erst den passenden Partner fürs Leben. Das Adjektiv „passend“ ist dabei von ganz zentraler Bedeutung. Es geht nicht um so lala. So-lala-Partner sind nur gut für ein bis zwei Jahre.

Welche Zeiträume gelten denn bei Ihnen als stabile Beziehung?

Alles unter vier Jahren ist eher ein Beziehungsversuch. Erst ab vier Jahren geht die Wissenschaft davon aus, dass es zum Aufbau einer stabilen Beziehung gekommen ist. Hier gehen Menschen eine innere seelische Bindung ein, die sie auch gravierend verändert. Wir alle werden durch Partnerschaften zum Positiven verändert. Wir werden umgänglicher und selbstsicherer. Das Schöne daran ist, dass diese positiven Eigenschaften erhalten bleiben, auch wenn es danach zu einer Trennung kommt.

Dazu passt ein Mythos, den Sie im Buch ausräumen. Dieser besagt, dass die Kurve des Begehrens in langjährigen Partnerschaften abnimmt.

Das muss überhaupt nicht so sein. Es ist zweifelsohne so, dass es in langjährigen Partnerschaften vorkommt, dass die Sexualität abnimmt. Das ist oft der Fall, wenn die innere Verbundenheit nicht gepflegt wird und wir all das unterlassen, was wir getan haben, als wir noch jeden Tag übereinander hergefallen sind. Wenn Sie Ihren Schwarm am Anfang Ihrer Beziehung treffen, dann sagen Sie doch nicht "Ach, hallo Schatz!", sondern Sie küssen sich - gerne auch etwas länger. Wenn wir nach Hause kommen und unseren Partner irgendwann nur noch flüchtig auf die Wange küssen, müssen wir uns auch nicht wundern, wenn die Intimität abnimmt.

Sie fragen sicher oft nach, wie die Partner im Alltag miteinander umgehen?

Ja, und es ist erschreckend, was man zu hören bekommt. Oft wird der Hund freudiger als der eigene Partner begrüßt. Die Intimität sinkt dabei ins Bodenlose und die Sexualität wird manchmal ganz eingestellt. Heute wissen wir, dass dies bei über 90 % der Paare das Ende der Partnerschaft bedeutet.

Man spricht bei der Pflege einer Partnerschaft gerne von einem Beziehungskonto. Wie kann man so ein Beziehungskonto ausgeglichen gestalten?

Dazu muss ich ein bisschen ausholen. Wir wissen, dass eine Bank hohe Überziehungszinsen nimmt, wenn sie mit ihrem Konto ins Minus rutschen -in der Regel sind dies 10 %. Beim Partnerschaftskonto liegt der Überziehungszins allerdings bei 500 %. Wenn sie also ausgesprochen unnett zu ihrem Partner waren, müssen sie dies nach der berühmten Formel 1:5 um das Fünffache wieder gutmachen. Diese Formel stammt vom Partnerschaftsforscher John Gottman. Wir brauchen das Fünffache an positiven Erlebnissen mit dem Anderen um negative Erlebnisse auszugleichen, um weiterhin eine stabile Beziehung führen zu können. Die meisten Partnerschaften scheitern also nicht an zuviel Soll, sondern an zu wenig Haben. Wenn beide Partner immer weniger auf das gemeinsame Konto einzahlen, müssen sie sich nicht wundern, wenn es irgendwann leer ist. Der Kern einer gemeinsamen Partnerschaft ist Positivität. Das bedeutet für den Anderen da zu sein - jeden Tag.

 

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