21.05.2014

Christian Thiel

"Die meisten Partnerschaften scheitern nicht an zu viel Soll, sondern an zu wenig Haben."

Christian Thiel
Christian Thiel

Oft steht den Partnern dabei ihr eigenes Ego im Weg. Wie kann man das ausräumen?

Dazu muss man zunächst sagen, dass keiner als Egoist auf die Welt kommt. Menschen, die zuerst an an sich denken, sind auch als Prinz oder Prinzessin erzogen worden. Die verwöhnten Menschen sind auch die schwierigsten Partner, die man haben kann. Sie sehen einfach nicht ein, dass sie für den Anderen da sein müssen. Bei dem eben angesprochenen Beziehungskonto gibt es außerdem noch einen kleinen Haken. Von den 100 %, die ich als Partner auf das Konto einzahle kommt stets nur ca. 80 % beim Anderen an. Das ist ein ganz natürlicher Vorgang, denn wir haben über unser Handeln wesentlich mehr Informationen als unserem Partner zur Verfügung steht. Man muss also nicht nur 100 %, sondern 120 % geben - damit auch 100 % beim Partner ankommen. Das müssen beide Partner machen und deswegen ist eine Partnerschaft auch so schwierig - gerade für die Verwöhnten. Der Verwöhnte sagt nämlich immer: "Ich mache doch mehr als du", doch der andere Partner sieht das für sich genauso.

Man sagt Einzelkindern oft nach, dass sie verwöhnt sind. Können Sie das durch Ihre Beratungen bestätigen?

Nein, das kann ich nicht. Ich sehe nur, dass Männer mehr verwöhnt werden als Frauen. Es können aber auch ganze Familien schrecklich "gebe-unfreudlich" sein. Das hat oft kulturelle Hintergründe. Männer aus Rheinland-Pfalz sagen beispielsweise ihrer Frau viel öfters "Ich liebe dich" als dies Männer aus Baden-Württemberg tun. Das liegt in der lokalen Mentalität begründet.

Sie widerlegen in Ihrem Buch außerdem die Annahme, dass Streit wie ein reinigendes Gewitter wirken kann. Warum ist dies ein Trugschluss?

Mit Streit meine ich zunächst keine Meinungsverschiedenheiten, sondern Vorfälle wie laute Stimmen, Beschimpfungen oder knallende Türen. Das ist für mich kein reinigendes Gewitter, sondern schlichte Unhöflichkeit. Mir will nicht einleuchten, warum eine Partnerschaft der Ort sein soll, wo wir uns auf die unhöflichste Weise verhalten. So verhalten wir uns schließlich nicht gegenüber Arbeitskollegen oder Freunden. Wenn diese Höflichkeit nicht da ist, ist es logisch, dass sich das Paar sehr oft schlecht miteinander fühlt und sehr viel Plus aufwenden muss um eine stabile Partnerschaft zu führen.

Ich habe mal ein schönes Zitat von Johnny Cash gelesen, der offenbart hat, dass er sich angeblich nie mit seiner Frau June Carter gestritten habe, dafür aber jede Menge gute Spaziergänge hatte.

Das ist die allerbeste Strategie. Man sollte sich mit seinem Partner in Ruhe über strittige Themen unterhalten. Wut ist kein Grund dafür den Anderen zu beleidigen oder die Türen zu knallen. Das hat keinen Sinn, denn es kommt nichts Positives dabei heraus.

Streiten Männer anders als Frauen?

Nein. Es gibt aber Unterschiede innerhalb der Partnerschaften. Es gibt den ruhigen Typ oder den aufbrausenden Typ. Die gibt es aber sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Diese krassen Typunterschiede innerhalb einer Beziehung sind auch nicht unbedingt die günstigsten Voraussetzungen für eine Beziehung. Oft stellt sich dann neben dem eigentlich Streitthema auch die Frage, auf welche Art man sich denn nun streiten soll (lacht).

Frauen wird oft mehr Emotionalität nachgesagt.

Das stimmt so auch nicht. Auch Männer können sehr emotional sein, wenn man Wut als Emotion betrachtet. Ich würde Wut aber eher als Affekt ansehen. Emotionen ziehen uns zu anderen Menschen hin, Affekte trennen voneinander.

Ein weiterer Krisenherd in Partnerschaften sind die Macken des Einen, die dem Anderen nicht gefallen. Sie sagen in Ihrem Buch, dass man den Partner nicht ändern kann. Was also tun?

Den Charakter des Anderen können wir nicht ändern – sein Verhalten schon. Das geht mit höflichen Strategien am leichtesten. Man sollte also nicht sagen: "Du machst etwas verkehrt. Bitte ändere das.“ Das ist grob unhöflich. Der Eine ist ja nicht verkehrt, nur weil er etwas macht, was dem Anderen nicht gefällt.

Welche zum Beispiel?

Indem man um Verständnis beim Partner wirbt und z. B. sagt: "Es geht mir nicht gut mit der Macke, die du hast. Bitte ändere die doch mir zuliebe." Nette Strategien versprechen wesentlich mehr Erfolg. Mit unhöflichen Strategien erreicht man gar nichts, sondern begibt sich nur in Grabenkriege, die man nicht gewinnen kann. Darin unterscheiden sich übrigens Männer und Frauen nicht.

 

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