28.01.2014

Dietmar Wischmeyer

"Ich kotze stellvertretend für die Menschen."

Dietmar Wischmeyer
Interview: Stefan Üblacker / Foto: Ralf Vielhauer

Bonn. Dietmar Wischmeyer und sein Kompagnon Oliver Welke lesen an diesem Tag im gut gefüllten Brückenforum aus ihrem Buch "Frank Bsirske macht Urlaub auf Krk. Deutsche Helden privat". Vor der Lesung nimmt sich Dietmar Wischmeyer ausführlich Zeit für das Gespräch. Oliver Welke meldet sich zwischendurch auch immer mal zu Wort. Amüsant sind im Nachgang des Gesprächs dessen Ausführungen über bereits eingegangene Unterlassungsklagen an die ZDF "heute Show", bei der Wischmeyer mit regelmäßigen Auftritten auch mit von der Partie ist. Das Gespräch mit Dietmar Wischmeyer verläuft in sehr amüsanten Bahnen.

Die erste Frage mag etwas salopp sein: Haben Sie sich heute schon aufgeregt?

Ich habe heute weder Zeitung gelesen, Nachrichten gesehen, noch die Post geöffnet und habe mich dadurch noch über gar nichts aufgeregt. Wenn ich das Weltgeschehen nicht wahrnehme, rege ich mich kaum auf, denn mein alltägliches Leben verläuft eher aufregungslos. Ich hatte daher leider bislang einen völlig entspannten Tag (lacht).

Die Autofahrt hat Sie auch nicht aufgeregt?

Über das Autofahren rege ich mich grundsätzlich nicht auf. Ich rege mich meistens über das auf, was Politiker so absondern und uns in irgendeiner Weise beeinträchtigt oder unter unseren Möglichkeiten zurücklässt. Oder ich rege mich auf, wenn sie ihre Versprechen mit einer Penetranz brechen, dass ich nur noch kotzen könnte. Gestern Abend habe ich mich aufgeregt, als ich erfahren habe, dass die Deutschen derzeit am meisten Angst vor der Einwanderung von Bulgaren und Rumänen haben. Danach kamen erst Inflation und Rente.

Also würden Sie sich privat als eher ausgeglichenen Menschen sehen?

(vehement) Nein! Ich bin ein gebremster Choleriker. Ich weiß natürlich, dass Cholerik weder einem selbst noch gegenüber den Menschen in meiner Umgebung sehr zuträglich ist. Deswegen wende ich enorme Willenskraft auf um mich im Zaum zu halten. Ich würde ansonsten ständig mit der Axt um mich herum schlagen und ich weiß, dass das Grundgesetz ein solches Verhalten nicht vorsieht (lacht).

Die öffentliche Figur, der Dampfablasser Dietmar Wischmeyer, ist also Ihr Ventil?

Ja, es ist ein großer Vorteil für mich, dass ich durch dieses Ventil all das rauslassen kann, was im Privatleben nicht angesagt wäre.

Liegt darin auch der Erfolg Ihres Wirkens begründet?

Ja, ich glaube, dass es auch für die Zuhörer und Leser genauso ein Ventil ist um nicht Gefahr zu laufen ihre Frauen oder Männer zu vermöbeln. Nach dem Motto (mit verstellter Stimme): "So ist es. Endlich hat es mal einer gesagt!“.

Man selber traut sich ja doch nicht immer die Worte in den Mund zu nehmen, die einem so manchmal durch den Kopf gehen.

Ich kotze stellvertretend für die Menschen. Das ist natürlich nicht physisch gemeint, sondern im metaphorischen Sinne (lacht).

Sie kennen sicher auch diese alltäglichen Erlebnisse, wenn Menschen einem unflätige Kommentare hinterherrufen und man selber eher selten spontan eine gute Gegenreaktionen auf Lager hat.

Es fällt einem in so einer Situation leider nie etwas Gescheites ein. Der Autoverkehr macht mich nicht so wahnsinnig wütend. Natürlich würde ich mir manchmal auch ein James-Bond-Gefährt wünschen mit dem ich per Knopf im Armaturenbrett dem Vordermann eine Sidewinder-Rakete in den Kopf jagen kann. Auch im Supermarkt bin ich sehr gelassen. Ich habe festgestellt, dass so ein Verhalten die Menschen tierisch verunsichert. Ich lasse z. B. oft einfach jemanden an der Kasse vor. Die Menschen sind mitunter völlig verblüfft, wenn man nicht wie ein egomanischer Irrer durch das Leben läuft.

 

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