28.01.2014

Dietmar Wischmeyer

"Ich kotze stellvertretend für die Menschen."

Dietmar Wischmeyer
Interview: Stefan Üblacker / Foto: Ralf Vielhauer

Ich hatte vor kurzem ein Gespräch mit Thomas D von den Fantastischen Vier, der auf dem Land lebt. Er hat erzählt, dass er sich oft dabei ertappt, wie er den Leuten in der Stadt unaufgefordert "Guten Tag“ sagt.

Das kenne ich. Das hatte ich auch als ich damals in der 5. Klasse auf das Gymnasium in der Kleinstadt gewechselt bin. Mittlerweile habe ich das aber nicht mehr. Er hat das noch?

So sagt er. Er sucht auch oft den Augenkontakt, was ihn in den Augen der meisten Menschen wie einen Irren erscheinen lässt.

(lacht) Das kann ich mir gut vorstellen und passt auch zu meinen Erfahrungen.

Sehen Sie sich denn eigentlich eher als Optimist oder Pessimist?

Aquarist ginge auch noch (lacht). Ich kann mich da nicht konkret einordnen. Wenn man darüber nachdenkt, dass das Leben endlich ist, wäre man ja bescheuert, wenn man Optimist wäre. Optimismus ist letztlich eine andere Form von Beklopptheit, aber Pessimismus bringt einen auch nicht weiter.

Der amerikanische Journalist George Will hat mal gesagt, dass man als Pessimist entweder ständig Recht behält oder angenehme Überraschungen erlebt. Teilen Sie diese Meinung?

Da hat er nicht ganz unrecht. Das ist der große Vorteil des Pessimisten. Ständig Recht zu behalten macht einen aber auch nicht froher.

Sätze wie "Ich habe es euch doch gesagt“ kommen im Freundeskreis auch nicht immer gut an.

Nein, das ist auch ätzend. Es gibt auch so etwas wie die selbsterfüllende Prophezeiung. Davor hätte ich auch Angst.

Also glauben Sie noch an das Gute im Menschen?

Ja, aber es kommt mittlerweile in so geringen Spurenelementen vor, dass ich es immer seltener spüre. Neid, Häme und Ekel drängen sich mehr und mehr in den Vordergrund. Um die Menschheit wäre es mir nicht wirklich schade (lacht).

Sind Sie denn jemand, der sich mit größtem Vergnügen in Cafés setzt um die Menschen zu beobachten?

Das mache ich schon gerne, aber ich bin nicht so ein magischer Ethnograph wie Harry Rowohlt, der sein halbes Leben damit verbringt Menschen so zu beobachten wie Professor Grzimek es einst mit den Tieren gemacht hat. Ich merke schnell, dass mich die Menschen so sehr nun auch nicht wieder interessieren. Manchmal gehe ich jedoch gerne zu Sachen, die ich nicht so kenne und für die ich mich eigentlich auch überhaupt nicht interessiere. So war ich schon bei Taubenzüchter- oder Harley-Fahrer-Treffen. Dort finde ich es dann ganz interessant die Leute zu beobachten. Ich gehe auch gerne einkaufen, obwohl ich gar nichts einkaufen muss - nur um die Leute zu sehen. Wenn man nicht dazu gehört macht es eigentlich immer Spaß.

Macht man es sich aber mit dieser Grundhaltung "Alle doof außer ich“, über die ein Buch mit gleichem Titel von Ihnen existiert, nicht ein bisschen zu einfach?

Das ist die typisch deutsche Grundhaltung. Besonders im Straßenverkehr denkt das wirklich jeder. Ich glaube diese Haltung ist auch ein Stück weit gesund, denn wir tun uns sicher keinen Gefallen, wenn wir uns auch noch in die Reihe der Bekloppten und Bescheuerten einreihen würden.

Wo Sie gerade die Bekloppten und Bescheuerten erwähnen: Bietet die deutsche Sprache nicht einen großen Pool an Schimpfwörtern, aus denen Sie bei Ihren Ausführungen schöpfen können?

Nein. Ich habe wohl schon jedes Schimpfwort gebraucht, das mir gefällt. Das Gute an der deutschen Sprache ist aber die Möglichkeit zusammengesetzte Hauptwörter zu bilden. Das geht im Französischen gar nicht und im Englischen nur bedingt. Daraus kann man eine Menge machen. "Pissetrinker“ z. B. klingt auf Französisch sicher nicht so kräftig (lacht). Ich bin aber ständig auf der Suche nach neuen Schimpfwörtern. Ein harter Frühstyxradio-Fankreis aus Aachen hat sich einmal die Mühe gemacht und einen Thesaurus an Schimpfwörtern gebildet mit dem Kurt, die Arschkrampe das Ferkel schon beschimpft hat. Sie kamen auf 187 verschiedene und da sind ganz viele dabei, die neu erfunden wurden.

 

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