07.10.2013

Frank Wormuth

"Es sind nicht unbedingt die Siege, die den Job am Schönsten machen."

Frank Wormuth
Interview: Bine + Stefan Üblacker / Foto: Frank Wormuth

Hennef. Die Sportschule liegt idyllisch in einem Talkessel. Das Areal ist weitläufig und beherbergt neben einem Swimmingpool, einem Beachvolleyball-Platz und diversen Fußball-Plätzen auch die Hennes-Weisweiler-Akademie, an der Frank Wormuth kommende Fußballlehrer ausbildet. Markus Feldhoff, angehender Fußballlehrer und ehemaliger Bundesliga-Spieler bringt uns zu seinem Büro, wo uns Frank Wormuth im DFB-Dress empfängt. Er nimmt sich ausgiebig Zeit für uns und erzählt mit großer Leidenschaft. Man merkt, dass er es gewohnt ist klar und präzise zu formulieren. Obwohl er sich von Dialekten befreit sieht, sind dennoch ein paar badische Floskeln zu hören.

Herr Wormuth, was finden Sie besonders spannend an Ihrem Job?

Es ist spannend mit 24 Wissenden zu arbeiten, die mir noch Wissen geben können. Ich nehme aus den Lehrgängen viel für mich mit. Außerdem finde ich es herausfordernd Wissen zu vermitteln und freue mich sehr, wenn ich merke, dass es bei den Leuten ankommt und ihnen weiterhilft.

Ihr Fußballlehrer-Lehrgang ist sehr begehrt. Wie viele Bewerbungen erreichen Sie für die 24 zu vergebenen Plätze?

Bei uns gehen im Jahr ca. 70 bis 80 Bewerbungen ein. Davon fallen ca. 20 weg, bei denen die Voraussetzungen nicht stimmen. Die restlichen 50 bis 60 Bewerber schleusen wir in zwei Gruppen durch ein dreitägiges Assessment-Center.

Wie dürfen wir uns so ein Assessment-Center vorstellen?

Wir testen die Bewerber als Trainer. Sie bekommen ein Thema von uns vorgegeben, dass sie in einer Stunde ausarbeiten und mit den Demogruppen, das sind die anderen Bewerber, vorführen müssen. Sie gehen dann in die mündliche Prüfung, denn wir wollen wissen, wie die Bewerber ticken und wie sie sich unbequemen Fragen gegenüber verhalten. Zudem gibt es noch eine schriftliche Prüfung. Hier kommt es nicht mal auf das Inhaltliche an. Uns interessiert vor allem wie der Bewerber an die Fragen herangeht und ob er überhaupt schreiben kann. Wir haben auch Bewerber mit Migrationshintergrund dabei, die zwar Deutsch sprechen, aber nicht unbedingt auch schreiben können. Während der gesamten Prüfung schauen wir natürlich auch auf die Sozialkompetenz der Teilnehmer. Das alles ergibt letztlich ein rundes Bild. Wir haben die Objektivität durch die Noten aus den Prüfungen und die Subjektivität durch die Wahrnehmung jedes Prüfers. Wir schauen dann, dass wir aus diesen Ergebnissen eine erfahrungsheterogene Gruppe zusammenstellen, denn es ist für den Lehrgang sehr nützlich mit Bewerbern aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammenzuarbeiten um deren jeweiliges Wissen anzuzapfen und in die Gruppe einzuspeisen. Das ist für die Prüfungskommission sehr anstrengend, denn die Assessment-Center gehen von 8.20 bis 21.20 Uhr und das sechs Tage lang.

Wie bei einem Fußballteam suchen Sie also auch die beste Mannschaft und nicht die besten Einzelkönner?

Ganz genau.

Mit welchem Zielen kommen die angehenden Fußballlehrer zu Ihnen?

Der primäre Gedanke ist wohl, dass sie in die große Fußballbranche reinkommen wollen und dazu den Fußballlehrer brauchen. Früher ging es oft nur um den Schein an sich, heute möchten sie vor allem das Wissen, dass wir ihnen hier vermitteln, mitnehmen. Das merkt man ganz deutlich. Sie kommen oft schon mit viel Wissen zu uns, aber etwas fehlt ihnen noch. Dieses gewisse Etwas kriegen sie hier auf der Akademie und das hat sich herumgesprochen. Wir spiegeln die Kandidaten sehr oft, sie kriegen noch mal ihre Persönlichkeit vor Augen gehalten. Das tut manchmal weh, doch sie wollen es so haben. Sie wissen, dass es die letzte Chance ist noch mal Fehler machen zu dürfen. Das Bewusstsein diese Chance zur Wissensvermittlung zu nutzen hat sich sehr gesteigert.

Das ist bei den Spielern heute nicht anders.

Richtig. Die ganze Generation hat sich verändert. Früher hat man den Spielern gesagt: „Mach diesen Weg!“. Heute fragt man die Spieler: „Was glaubst du, warum du diesen Weg machen sollst?“. Die Trainer müssen heute Argumente bringen um zu überzeugen. Deswegen ist der Bedarf nach mehr Detailwissen so gestiegen. Wir haben bei uns auch eine Art „Heißen Stuhl“, der sehr gut angenommen wird.

Das müssen Sie uns näher erläutern.

Die Trainer arbeiten hier an der Akademie unter realen Bedingungen mit Spielern des FC Hennef und der A-Jugend des Bonner SC. Diese kommen abwechselnd zu uns. Drei Trainer leiten jeweils eine Einheit. Diese Phase der Ausbildung (Heißer Stuhl) unterteilt sich in drei Teile: Selbstreflexion - Fremdreflexion - Shadowing. In der Selbstreflexion erklären die drei Trainer, die mit der Demogruppe gearbeitet haben, am nächsten Tag ihre Arbeit unter den Gesichtspunkten „Inhalt und Verhalten“. Inhalt heißt, wie das Thema bearbeitet worden ist und Verhalten bedeutet, wie sie die Arbeit vermittelt haben. Die Gruppe und der Dozent fragen am Ende nochmals nach. Im zweiten Teil, wenn alle einmal dran waren, kommt die Fremdreflexion, d. h., dass drei andere Trainer am nächsten Tag reflektieren. Alles wird mit Camcorder aufgenommen und für den nächsten Tag so zugeschnitten, dass zu den Worten auch die bildlichen Beweise kommen. Wenn man sich selbst sieht, dann lernt man viel schneller. Der dritte Teil ist das Shadowing. Hier stehe ich als Dozent immer während der Trainingsarbeit hinter dem Trainer und wir diskutieren die aktuelle Arbeit ad hoc, so dass der Trainer unmittelbar eingreifen kann. Er sieht somit die Veränderungsvorschläge sofort und lernt entsprechend. In allen Fällen, insbesondere aber in den beiden ersten Teilen, kommt der Trainer ob der Kritik sehr oft ins Schwitzen, so dass wir dieses Ausbildungstool „heißer Stuhl“ genannt haben.

Das ist schon ein ziemlicher Seelenstriptease für die Teilnehmer.

Ja, aber der Mensch möchte geschlagen werden (lacht). Im Ernst: Sie sind sehr dankbar für so eine detaillierte Sichtweise. Ein Beispiel: Die soziale Interaktion zum Spieler ist heutzutage sehr wichtig und es sind eben die Details, die über Erfolg oder Misserfolg allein schon in der Ansprache entscheiden können.

Haben Sie ein konkretes Beispiel für uns?

Wenn Trainer ständig komische Handbewegungen machen oder wild gestikulieren, kann das die Spieler verunsichern. Auch seltsame Satzkonstrukte wie „Sag ich mal“ oder solche Sachen lenken Spieler oft vom Wesentlichen ab. Wir alle haben irgendwelche Ticks und ich zeige den Trainern ihre Ticks. Das entscheidende dabei ist, dass ich es nicht bewerte. Die Trainer müssen letztlich entscheiden, ob sie diese behalten wollen oder nicht. Ich halte den Trainern nur den Spiegel vor Augen.

 

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