07.10.2013

Frank Wormuth

"Es sind nicht unbedingt die Siege, die den Job am Schönsten machen."

Frank Wormuth
Interview: Bine + Stefan Üblacker / Foto: Frank Wormuth

In der letzten Saison war es sehr beeindruckend zu sehen wie alle Spieler des FC Bayern München Trainer Jupp Heynckes für seine Ansprache an die Mannschaft gelobt haben – selbst die Ersatzspieler.

Ja. Die Sozialkompetenz ist auf so einem hohen Niveau fast noch wichtiger als die Fachkompetenz. Letztere kann ich noch durch einen guten Co-Trainer kompensieren. Jupp Heynckes hat das ganz hervorragend gemacht.

Welche Kompetenzen vermitteln Sie den Trainern in der Akademie?

Fach- und Vermittlungskompetenz, Sprach- und Sozialkompetenz, Führungs- und Medienkompetenz. In der Medienkompetenz gibt es beispielsweise als Unterkapitel Kommunikation und Rhetorik. Hierzu besuchen uns Jürgen Schmitz (Sky) und Jürgen Bergener (ARD/ZDF), Kerstin von Kalckreuth (WDR Radio) und Christian Oeynhausen (Kölner Stadt-Anzeiger), die Interviews mit den Trainern führen und sie versuchen in die Enge zu treiben.

Die Trainer werden oft von Ihnen in die Enge getrieben, oder?

Ja, gleich zu Beginn geht das schon los. Kurz nachdem die Trainer bei uns angekommen sind teilen wir sie in drei Gruppen ein. Sie kriegen von uns ein Thema, z. B. „Was war auffallend an der letzten Bundesliga-Saison?“ und haben dann fünfzehn Minuten Zeit um uns in max. zehn Minuten vor der Kamera etwas darüber zu erzählen. Danach analysieren wir das und können so schon sehen, wo Stärken und Schwächen liegen. Wir hatten hier schon gestandene Nationalspieler, die damit große Probleme hatten. Die waren es gewohnt ein Leben lang Fragen gestellt zu bekommen, aber nicht selber etwas zu präsentieren.

Was sind weitere Bestandteile des Lehrgangs?

Darüber könnte ich Stunden erzählen und das würde wohl etwas den Rahmen sprengen. Generell sieht es so aus, dass wir die Trainer von Montag bis Mittwoch hier in Hennef haben. Danach sind sie bei ihren Vereinen und können dort das bei uns erworbene Wissen direkt anwenden. Oberflächlich betrachtet haben wir drei Hauptfächer: Fußballlehre inklusive Methodik und Regelkunde, Sportpsychologie und Trainingswissenschaften, bestehend aus Konditionslehre, Sportbiologie und Ernährungslehre. Hinzu kommen Praktika in der Bundesliga, in einem U-Turnier und im Verbandssport. Wir arbeiten viel in Gruppen, die etwas erarbeiten und uns präsentieren müssen. Wir gehen dabei gerne auf aktuelle Geschehnisse der laufenden Saison ein um so nah wie möglich bei der Praxis zu sein.

Sie haben eben erwähnt, dass Sie in Ihrem Lehrgang die Trainer in Interviews und Pressekonferenzen schulen. Ist dieser ganze Journalismus um den Fußball nicht unerträglich geworden?

Ja, das ist er manchmal. Das können wir aber kaum verändern. Wir Fußballer kriegen schon von klein auf in die Wiege gelegt: Wenn der Schiedsrichter pfeift, müssen wir das akzeptieren - auch wenn es ungerecht sein sollte. Diese Mentalität nehmen wir auch mit in den Trainerberuf. Wenn die Presse „Trainer raus“ schreibt und seine Kinder in der Schule gemobbt werden, dann ist das brutal. Wir wissen aber vorher schon, dass solche Situationen entstehen können und man kann gewisse Vorkehrungen treffen und z. B. die Familie nicht am selben Ort unterbringen, wo man arbeitet.

Nach der EM 2012 prasselte auf die Nationalelf und Bundestrainer Jogi Löw teils haarsträubende Kritik ein, nachdem diese zuvor in den höchsten Tönen gelobt worden ist.

In Deutschland herrscht ein ziemliches Schwarz-Weiß-Denken. Wenn eine Mannschaft erfolgreich ist heißt es „wir“, wenn sie verliert wieder „die“. Die Medienlandschaft, insbesondere der Boulevard, geht dabei in eine Richtung, die uns allen nicht gefällt – übrigens auch der schreibenden Zunft selbst nicht. Die Journalisten haben oft noch mehr Druck als ein Trainer. Sie müssen immer neue Stories bringen und wenn es keine gibt, dann „übertreiben“ sie gerne. Wie ich so mitbekomme gibt es auch Journalisten, die mit Burnout-Syndromen auf der Strecke bleiben, was aber nicht öffentlich gemacht wird.

Was stört Sie besonders an der Presselandschaft?

Wir bekommen im deutschen Blätterwald langsam türkische Verhältnisse. Die Leute lesen die Story, haben dann Diskussionsstoff und am nächsten Tag haben sie es schon wieder vergessen. Als ich mit Jogi Löw in der Türkei gearbeitet habe war das teilweise haarsträubend. Da standen Interviews mit Jogi drin, die er gar nicht gegeben hatte. Ich habe das Gefühl, dass es bei manchen Zeitungen hierzulande ähnlich abläuft. Das macht viel kaputt und die Schreiber merken gar nicht, dass sie sich selber den Ast absägen, auf dem sie sitzen. Auch hier beziehe ich meine Gedanken auf den Boulevard, nicht auf die seriöse Presselandschaft.

Der Fußball verdrängt bei uns auch alle anderen Sportarten in die Bedeutungslosigkeit.

Das liegt aber auch an unserer Gesellschaft. Wir wollen die Spiele ja im Fernsehen sehen. Wenn keiner mehr einschaltet, dann wird auch nicht mehr gesendet. Die Leute regen sich auch immer über die BILD-Zeitung auf. Wenn jedoch alle einmal in der Woche keine BILD-Zeitung kaufen würden, dann würde sich etwas verändern. Der Fußball ist zudem eine Sportart mit einfachen Regeln, bei dem schnell jeder mitreden kann. Beim Volleyball oder Basketball wird es schon schwieriger. Fußball wird erst dann kompliziert, wenn sich Trainer untereinander unterhalten.

 

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