11.12.2003

Götz Alsmann

"Das, was einen in jungen Jahren zum Außenseiter macht, macht einen später interessant."

Götz Alsmann
Interview: Stefan Üblacker / Foto: www.goetz-alsmann.de

Düsseldorf. Vor dem Auftritt mit seiner fantastischen Götz-Alsmann-Band im Savoy-Theater im Dezember 2003 sprach ich mit Götz Alsmann über seine musikalischen Anfänge, den enormen Erfolg von "Zimmer frei?", seine Verachtung gegenüber dem Poserrock und seine Verehrung für die ärzte.

Du machst stets keinen Hehl daraus, dass Du aus Münster kommst. Wie bist Du in Münster aufgewachsen?

Münster war früher eigentlich eine sehr konservative, katholische und traditionsgebundene Stadt - wobei letzteres nicht immer schlecht sein muss. Ich habe zuhause jedoch nicht viel davon mitbekommen, denn ich bin sehr freizügig und tolerant erzogen worden. Meine Eltern haben schon sehr früh meine Begabung zur Musik gefördert und haben mich dahingehend sehr unterstützt. Sie haben mir keine Steine in den Weg gelegt, was für mich ein sehr schöner Umstand war. Ich kann mich eigentlich nur an glückliche Tage erinnern.

Wie entwickelte sich die Liebe zur Musik?

Die kam durch zwei Pole. Zum einen durch mein Elternhaus, wo immer Musik gehört wurde. Es waren zwar keine Musiker aber Musik hatte bei uns einen hohen Stellenwert und Musiker waren sehr anerkannt. Darüber hinaus war ich im Kindergarten und dort hatten wir eine Ordensschwester, die immer Klavier spielte. Das hat mich fasziniert.

Einer der ersten musikalischen Gehversuche war dann das Mitwirken in Skiffle-Groups, wenn ich richtig informiert bin?

Ja, es war zwar nicht das Erste, was ich musikalisch unternommen habe, jedoch das Erste, was einen professionellen Anstrich hatte. Das war im Prinzip eine Skiffle-Group bzw. eine Jug-Band. Eine Jug-Band ist eine anspruchsvollere Version einer Skiffle-Group und damit haben wir im Laufe der Jahre drei Platten gemacht und sind sehr viel auf Tournee gewesen.

Die musikalische Liebe war schon damals sicher der Rock'n'Roll der 50er Jahre oder Schlager ...

... ja genau, also eher altmodische Musik ...

... galt man mit dem Musikgeschmack eigentlich früher nicht als Außenseiter schlechthin?

Ja, klar. Man war schon der Außenseiter, doch irgendwann haben die Anderen dann auch gelernt damit zu leben. Man findet dann doch irgendwann mal auch Gleichgesinnte. Es ist jedoch sicherlich schwierig wenn man 14, 15, 16 ist und dann auf der gymnasialen Oberstufe wird's eigentlich immer leichter. Wenn man 17, 18, 19 ist wird man viel leichter damit akzeptiert. Das, was einen in jungen Jahren zum Außenseiter macht, macht einen später interessant. Das Traurige ist halt nur, dass man in den frühen Jahren der Pubertät leider nur die negativen Seiten dieses Außenseitertums erlebt (lacht).

Du hast auch Musikwissenschaft studiert und den Doktortitel erlangt. Welches Thema hatte Deine Doktorarbeit?

Es war eine Doktorarbeit über die amerikanische Schallplattenindustrie, weil ich noch nebenbei Publizistik studiert habe und so kam die Idee, so dachte man zumindest noch vor 20 Jahren, dass es irgendein Medienthema sein sollte. Damals war Medien ja auch noch ein neues, heißes Eisen. Es gab noch kein Privatfernsehen ...

... der Bildschirm war noch schwarz-weiß ...

... wir wollen mal nicht übertreiben (lacht). Jedenfalls horchte man dann bei dem Schlagwort "Medienthema" sehr auf. Jedoch habe ich nicht als Musikwissenschaftler gearbeitet, sondern habe direkt nach meinem Abschluss beschlossen als Freiberufler und "in den Medien" zu arbeiten (lacht). Ich habe 1985 promoviert und habe nebenbei sowieso immer schon Musik gemacht und dann kamen auch erste Arbeiten beim Hörfunk und danach das Fernsehen. Für mich war halt klar, dass mein Schaffen sich zwischen Rundfunk, Fernsehen und Musik bewegen sollte und nichts anderes habe ich bis heute gemacht.

Was bedeutet Dir der Doktor-Titel? Bestehst Du z. B. auf der Nennung des Titels?

In der Regel nicht. Nur z. B. bei Diskussionen fände ich es blöd, wenn dort alle mit ihrem Titel erwähnt sind und ich der Einzige bin ohne. Entweder alle oder keiner (lacht). Der Titel findet im normalen Alltag aber nicht statt.

Ein besonderes Markenzeichen von Dir ist mit Sicherheit die Frisur. An wen ist sie angelehnt bzw. eine Reminiszenz?

Weniger an eine bestimmte Person, sondern mehr an eine gewisse Ära. Ich wollte damals nicht mit den Langhaarigen und Hippies in eine Kiste gesteckt werden. Ich fand die alten Filme mit Son Garfield oder Cat Calloway toll - so wollte ich aussehen. Ich hoffe, das ist mir ganz gut gelungen.

Die Frisur hast Du also schon seit deiner Jugend?

Ja, ab dem 14. Lebensjahr - also mittlerweile schon seit 32 Jahren, wobei sie durchaus mal anders ausgesehen hat - mal mit längeren, mal mit kürzeren Haaren.

Die Liebe zur Rock'n'Roll Musik und zum Schlager - woher kam die?

Das würde ich zunächst gar nicht so eingrenzen. Ich habe viele dieser Lieder schon früh sehr gern gehabt. Aber ich habe erst später gemerkt, dass es die Tradition deutschsprachiger Swing- und Rock'n'Roll-Musik sehr schöne Lieder hervorbrachte, die man zwar kannte, jedoch nicht in diese Abteilung gepackt hätte und irgendwann ändert sich dann auch die persönliche musikalische Betrachtungsweise. Je nachdem, wie du Punkrock definierst, kannst du bei die ärzte auch drei Viertel davon nicht unter Punkrock fassen und so ist es eben auch beim Schlager oder Jazz. Deshalb habe ich auch gedacht, wir müssen diese Begriffe neu definieren, nennen das jetzt Jazzschlager und was dazugehört bestimme ich selber (grinst).

Du hast auf Deinen ersten Platten vorwiegend Englisch gesungen. Wie kam dann der Wechsel zur deutschen Sprache zustande?

Das fiel ungefähr zusammen mit dem Aufwind von "Zimmer frei?". Wir spielten mit der Band dann auch in besseren Häusern vor immer größeren Publikum und irgendwann fand ich es nicht mehr vermittelbar den Menschen zu erklären, warum ich viele meiner Lieder in einer anderen Sprache singe, als in der Sprache, in der ich meine Witze auf der Bühne mache. Dazu kam, dass ich meinen Musikbereich irgendwie neu erfinden musste und dann habe ich beschlossen nie wieder in Clubs zu spielen und nie wieder Englisch zu singen und beides war auch die richtige Entscheidung.

Auf den neuen Alben der Götz-Alsmann-Band finden sich größtenteils Fremdkompositionen wieder. Wie wählst Du die Stücke aus, die Ihr dann spielt?

Ich stelle eine Menge Stücke mit meinen Ideen für die Arrangements vor und dann gibt halt jeder seinen Kommentar dazu ab und wir reden über die Arrangements. Wir arbeiten aber eben schon ziemlich lange zusammen und merken halt schnell, ob das so hinhaut oder nicht. Manchmal dauert es auch so zwei Jahre bis ein Stück passt. Wenn du wartest, kommt das Stück zu dir (lacht). Ich wähle die Stücke aus nach Bedarf, z. B. für das aktuelle Programm eben Lieder über den Orient usw., oder manchmal auch den Text, selbst wenn dieser belanglos erscheint. Die Aufgabe ist es dann auch das Stück interessant zu machen und bisher ist es eigentlich ganz gut gelungen, wie ich finde.

Die beiden letzten Platten "Tabu!" und "Filmreif!" sind ja Konzeptalben. Bei "Filmreif!" war es der Filmsong, bei "Tabu!" ist es der Orient, Exotik usw., der thematisiert wird. Ist das eine alte Liebe zu Konzeptalben, der da Tribut gezollt wird?

Die Konzeptalben waren eigentlich eine Idee der Plattenfirma. Ich habe mich erst mit Skepsis, dann mit Begeisterung dem angeschlossen. Ich halte es durchaus für vernünftig mit einem Konzept an so eine Platte heranzugehen, wobei ich das in beiden Fällen auch nicht eisern durchhalte. Es geht ja mehr darum der Platte ein gewisses Flair zu geben und es auch für uns als Band abwechslungsreich zu gestalten. Wir spielen ja auf Tourneen meist immer die ganze Platte - da will man ja auch als Musiker nicht immer in eine Kerbe schlagen. Ich finde es z. B. auch großartig, wenn Künstler wie Udo Jürgens oder Reinhard Mey auf den Tourneen zu ihren aktuellen Alben zunächst die neuen Stücke spielen, bevor dann die altbekannten Songs kommen. Das beweist mir, dass sich diese Leute als Musiker sehr ernst nehmen.

Wenn Du vor die Wahl gestellt würdest, mit welchem Künstler Du zu Lebzeiten gern zusammen gespielt hättest, würdest Du Dich a) für Glenn Miller b) Elvis oder c) Miles Davis entscheiden?

Also Miles Davis würde gerne mit mir spielen, da bin ich schon mal ganz sicher. Glenn Miller wäre, glaube ich, der Interessanteste. Elvis hatte wohl mehr mit sich selbst zu tun. Aber Glenn Miller war ja, bevor er Orchesterchef wurde, ein hervorragender Posaunist und wenn ich mit ihm traditionellen Jazz hätte spielen können, wäre dies sicher ein sehr interessantes Erlebnis gewesen.

 

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