11.12.2003

Götz Alsmann

"Das, was einen in jungen Jahren zum Außenseiter macht, macht einen später interessant."

Götz Alsmann
Interview: Stefan Üblacker / Foto: www.goetz-alsmann.de

Du siehst Dich ja auch als ein Pendant zur Rockmusik ...

... ja, aber ich habe dabei eine spezielle Art von Rockmusikern dabei im Sinn. Punkrock war ja auch mal als Pendant zu einer gewissen Art von Rockmusik gedacht ...

... wobei es dann letztlich auch nur eine Art war Rockmusik schneller zu spielen ...

So wie ich Punkrock am Anfang erlebt habe, war das Beatmusik. Die spielten so einen 63er Beat - so was wie die erste Kinks-LP ...

... oder The Who ...

Ja, genau - so einen Sound halt. Ich war damals begeisterter Dixieland-Banjo-Spieler und bin dann bei jeder Gelegenheit nach London gefahren und habe im 100 Club in der Oxford-Street Banjo gespielt - das war ein Dixieland-Club. Und jeden Freitag war dort Reggae. Eines Tages komme ich dorthin und da lief dann weder Dixieland noch Reggae, sondern ...

... Punk ...

... ja, aber das stand dort eben nicht drauf. Das war Beat. Das Wort Punkrock habe ich dann erst so 1977 gehört - ein Jahr später.

Wie fandest Du denn die ersten Punkbands hier in Deutschland, wenn ich dabei z. B. an solche Bands wie Fehlfarben oder so denke?

Das fand ich gut. Wobei Fehlfarben ja dann schon zur Neuen Deutschen Welle zählten.

... aber vor dem ganzen Markus-Kram ...

... ja, ja klar. Vor der Hubert-Kah-Zeit meine ich damit. Aber auch an solche Bands wie Der Moderne Mann erinnere ich mich gern. So was habe ich alles mitbekommen. Münster stand dem damals, als Studentenstadt, auch sehr aufgeschlossen gegenüber. Punk war ja nicht nur in England so ein Studentending. Man braucht sich ja nur die Zentren damaliger Zeit wie Düsseldorf, Hannover oder Berlin ansehen. Die hatten alle Studenten- oder Kunstbackground. Nicht nur, aber weitestgehend. Jedenfalls gab es in Münster auch ein paar Gruppen, die aber nicht so bedeutend waren. Es gab auch viele Gastspiele wie z. B. Hans-A-Plast oder Deutsch-Amerikanische-Freundschaft, damals noch zu dritt. Es gab also schon einiges. Teilweise war es für mich fremd, teilweise war ich begeistert. Man konnte die Bands damals auch schwer vergleichen. Manchmal waren es Gitarrenbands wie Hans-A-Plast, manchmal elektronische Bands in Experimentierlaune wie Deutsch-Amerikanische-Freundschaft. Es war aber eben alles irgendwie eine Szene. Selbst solche Bands wie die Ace Cats oder gar unsere Band zählte man dazu. Es war eben eine Fraternisierung aller Bands, die nicht Hippie-Bands waren.

Bestand denn mal bei Dir der Wunsch Rockmusiker zu werden? Gitarre zu spielen?

Ich habe ja eine zeitlang Gitarre bei den Sentimental Pounders gespielt. Aber ich bin bis heute kein begeisterter Gitarrist. Ich wollte halt eher Jazzmusiker oder Rock'n'Roll-Musiker sein.

Du bist auch bekannt für die Vielfalt an Musikinstrumenten, die Du beherrschst. Was kannst Du denn nicht spielen?

Ich bin ganz schlecht bei Blasinstrumenten. Es muss schon Saiten oder Tasten haben, dann bin ich gut. Mit Blasinstrumenten hat es leider, leider nie geklappt. Vielleicht sollte ich das mal irgendwann anfangen, aber wahrscheinlich bin ich schon zu alt dafür.

Hast Du Dir die Instrumente alle selbst beigebracht?

Das Einzige, was ich richtig gelernt habe war Klavier. Den Rest habe ich mir selbst beigebracht. Aber es ist natürlich so, dass das Klavier eine fantastische Grundlage zum Musikmachen ist. Es ist sozusagen der Ursprung der Musik. Alles andere ist Handwerk bis zu einem entsprechenden Grad - irgendwann muss dann schon die Inspiration kommen (lacht). Wenn man jedoch die Musik erst einmal verstanden hat, dann kann man sich z. B. die Akkorde auf einem Banjo selbst zurecht fummeln. Zudem erfährt man bei einem Klavier die Musik auch optisch durch die Tonleitern und Tastenfarben.

Die Frisur hast Du also schon seit deiner Jugend?

Ja, ab dem 14. Lebensjahr - also mittlerweile schon seit 32 Jahren, wobei sie durchaus mal anders ausgesehen hat - mal mit längeren, mal mit kürzeren Haaren.

Die Liebe zur Rock'n'Roll Musik und zum Schlager - woher kam die?

Das würde ich zunächst gar nicht so eingrenzen. Ich habe viele dieser Lieder schon früh sehr gern gehabt. Aber ich habe erst später gemerkt, dass es die Tradition deutschsprachiger Swing- und Rock'n'Roll-Musik sehr schöne Lieder hervorbrachte, die man zwar kannte, jedoch nicht in diese Abteilung gepackt hätte und irgendwann ändert sich dann auch die persönliche musikalische Betrachtungsweise. Je nachdem, wie du Punkrock definierst, kannst du bei die ärzte auch drei Viertel davon nicht unter Punkrock fassen und so ist es eben auch beim Schlager oder Jazz. Deshalb habe ich auch gedacht, wir müssen diese Begriffe neu definieren, nennen das jetzt Jazzschlager und was dazugehört bestimme ich selber (grinst).

Du hast auf Deinen ersten Platten vorwiegend Englisch gesungen. Wie kam dann der Wechsel zur deutschen Sprache zustande?

Das fiel ungefähr zusammen mit dem Aufwind von "Zimmer frei?". Wir spielten mit der Band dann auch in besseren Häusern vor immer größeren Publikum und irgendwann fand ich es nicht mehr vermittelbar den Menschen zu erklären, warum ich viele meiner Lieder in einer anderen Sprache singe, als in der Sprache, in der ich meine Witze auf der Bühne mache. Dazu kam, dass ich meinen Musikbereich irgendwie neu erfinden musste und dann habe ich beschlossen nie wieder in Clubs zu spielen und nie wieder Englisch zu singen und beides war auch die richtige Entscheidung.

Auf den neuen Alben der Götz-Alsmann-Band finden sich größtenteils Fremdkompositionen wieder. Wie wählst Du die Stücke aus, die Ihr dann spielt?

Ich stelle eine Menge Stücke mit meinen Ideen für die Arrangements vor und dann gibt halt jeder seinen Kommentar dazu ab und wir reden über die Arrangements. Wir arbeiten aber eben schon ziemlich lange zusammen und merken halt schnell, ob das so hinhaut oder nicht. Manchmal dauert es auch so zwei Jahre bis ein Stück passt. Wenn du wartest, kommt das Stück zu dir (lacht). Ich wähle die Stücke aus nach Bedarf, z. B. für das aktuelle Programm eben Lieder über den Orient usw., oder manchmal auch den Text, selbst wenn dieser belanglos erscheint. Die Aufgabe ist es dann auch das Stück interessant zu machen und bisher ist es eigentlich ganz gut gelungen, wie ich finde.

Die beiden letzten Platten "Tabu!" und "Filmreif!" sind ja Konzeptalben. Bei "Filmreif!" war es der Filmsong, bei "Tabu!" ist es der Orient, Exotik usw., der thematisiert wird. Ist das eine alte Liebe zu Konzeptalben, der da Tribut gezollt wird?

Die Konzeptalben waren eigentlich eine Idee der Plattenfirma. Ich habe mich erst mit Skepsis, dann mit Begeisterung dem angeschlossen. Ich halte es durchaus für vernünftig mit einem Konzept an so eine Platte heranzugehen, wobei ich das in beiden Fällen auch nicht eisern durchhalte. Es geht ja mehr darum der Platte ein gewisses Flair zu geben und es auch für uns als Band abwechslungsreich zu gestalten. Wir spielen ja auf Tourneen meist immer die ganze Platte - da will man ja auch als Musiker nicht immer in eine Kerbe schlagen. Ich finde es z. B. auch großartig, wenn Künstler wie Udo Jürgens oder Reinhard Mey auf den Tourneen zu ihren aktuellen Alben zunächst die neuen Stücke spielen, bevor dann die altbekannten Songs kommen. Das beweist mir, dass sich diese Leute als Musiker sehr ernst nehmen.

Wenn Du vor die Wahl gestellt würdest, mit welchem Künstler Du zu Lebzeiten gern zusammen gespielt hättest, würdest Du Dich a) für Glenn Miller b) Elvis oder c) Miles Davis entscheiden?

Also Miles Davis würde gerne mit mir spielen, da bin ich schon mal ganz sicher. Glenn Miller wäre, glaube ich, der Interessanteste. Elvis hatte wohl mehr mit sich selbst zu tun. Aber Glenn Miller war ja, bevor er Orchesterchef wurde, ein hervorragender Posaunist und wenn ich mit ihm traditionellen Jazz hätte spielen können, wäre dies sicher ein sehr interessantes Erlebnis gewesen.

Wo wir gerade beim Klavier sind. Bei der ZDF-Show "Unsere Besten" hast Du für Johann Sebastian Bach als den bedeutendsten Komponisten des deutschsprachigen Raumes mit internationaler Bedeutung geworben. Ist er auch Dein Lieblingskomponist?

Eher nicht, aber es war der Einzige, den die ZDF-Zuschauer in die Top Ten gewählt haben. Es ging ja darum, dass wir als Prominente mit den Leuten was anfangen mussten, die das Publikum gewählt hatte. Aber es ist in Ordnung. Wäre es Beethoven oder Mozart geworden, hätte ich mich genauso in die Bresche geschlagen, zumal Bach mit Recht als Vorbild für eine Reihe von Komponisten nach ihm diente. Er ist dann am Ende auf dem sechsten Platz gelandet und ich bin sehr froh, dass nicht die Küblböcks dieser Nation dort gelandet sind.

Wenn wir bei der Klassik bleiben. Welche Lieblingskomponisten gibt es da?

Ich höre gerne Musik aus dem 19. Jahrhundert, aus der impressionistischen Phase wie Debussy oder ich höre gerne auch Jacques Offenbach. Den finde ich ganz großartig. Ist quasi ein Geburtshelfer der Popmusik. Ich höre auch sehr gerne Opern, z. B. von Puccini oder Verdi. Ich höre diese Opernstimmen sehr gerne.

 

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