09.04.2014

Heisskalt

"Man sollte seine eigene Platte genauso abfeiern können, wie die seiner Lieblingsband."

Heisskalt
Interview: Bine & Stefan Üblacker / Foto: Ben Wolf

In den Steckbriefen, die der neuen Platte beilagen, wurdet ihr nach euren Lieblingsliedern gefragt. Ist es als Künstler nicht schwer klare Favoriten auf einem Album zu benennen? Letztlich sind es ja alles Kinder von einem.

Mathias: Ja, das stimmt schon. Ich habe das auch so angegeben.
Marius: Ich denke aber auch, dass es normal ist, wenn man zu manchen Songs eine stärkere emotionale Bindung hat.
Philipp: Ich finde es ganz wichtig, Fan von der eigenen Musik zu sein. Man sollte seine eigenen Platten genauso abfeiern können wie die der Lieblingsband. Aber auch bei der Lieblingsband gibt es eben Songs, die hervorstechen und Marius, Lucas und ich können uns auf gewisse Highlights einigen. Für Mathias ist das schwieriger.

Als Texter hast du auch sicher eine ganz andere Beziehung zu den Songs?

Mathias: Ja, ich sehe sie natürlich nochmal von einer anderen Ebene und ich mag das Album einfach im Ganzen. Ich bin aber sehr gespannt welche Songs beim Publikum am besten ankommen werden.

Es ist sicher auch spannend, welche Rückmeldungen einem die Hörer auf die Songs und die Texte geben.

Mathias: Wenn die Leute einem positive Rückmeldungen geben ist das ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Ich finde, dass ein guter Text den Leuten nicht immer alle Gedanken vorweg abnehmen muss. Es ist schön, wenn er den Leuten genug Interpretationsspielraum für eigene Gedanken bietet.
Philipp: Manchmal verstehen die Leute unsere Texte auch ganz anders (lacht).
Marius: Auf unserer letzten EP gibt es bei einem Song eine Stelle, wo Mathias „Die Zeit heilt alle Wunder“ singt und die meisten Menschen verstehen natürlich „Die Zeit heilt alle Wunden“. So etwas kann schon mal zu Fehlinterpretationen führen.
Mathias: Deswegen drucken wir auch immer alle Texte mit ab.

Spürt ihr, dass die Leute sich richtig mit eurer Platte auseinandersetzen? Man hat das Gefühl, dass die Menschen in dieser schnelllebigen Zeit sich immer weniger Zeit für ein Album nehmen.

Philipp: Diese Entwicklung ist da. Sie ist aber mit Sicherheit nicht nur unter unseren Fans verbreitet. Ich stelle sie auch bei mir fest. Trotzdem gibt es noch genügend Leute, die sich intensiv mit unseren Veröffentlichungen auseinandersetzen - manchmal vielleicht auch zu intensiv (lacht). Andererseits gibt es auch genügend Leute, die unser Album als Partysoundtrack sehen und einfach nur abfeiern wollen. Das ist auch völlig okay.

Eure Songs zeichnen sich durch eine gewisse Schwerelosigkeit und Weite aus. Ist dieser atmosphärische Klang einfach so passiert oder war das von vornherein eure Absicht?

Mathias: Die Atmosphäre ist uns bei unseren Songs ganz wichtig. Wir haben vor den Aufnahmen lange überlegt wie unser Klangbild aussehen soll und uns für eine Stimmung entschieden, die den Songs eine gewisse Weite und Schwere verleihen soll. Das Klangbild korrespondiert gleichzeitig mit den Texten, die auch nicht klar und direkt erscheinen.

Wie wichtig war in dieser Hinsicht die Wahl des Aufnahmeortes für euch?

Marius: Sehr, sehr wichtig. Wir haben im Toolhouse-Studio in Rothenburg an der Fulda das beste Schlagzeug der Welt in einem richtig guten Aufnahmeraum vorgefunden. Das Studio hat auch einen ganz inspirierenden Flur mit einer sehr hohen Decke und einem Steinboden. In diesem haben wir viele Gesänge und Intro-Samples aufgenommen. Wir mochten auch die Abgeschiedenheit des Studios sehr. Dadurch wird man nicht von anderen Dingen abgelenkt, sondern konzentriert sich ausschließlich auf die Musik.
Mathias: Wolfgang Mans, der Leiter des Studios, ist außerdem ein großer Instrumentensammler. Man findet dort fast alles vor, was man sich vorstellen kann. Wolfgang ist außerdem ein sehr interessanter Mensch und eine richtig gute Seele. Wir glauben sogar, dass er sich unsichtbar machen und durch Wände gehen kann (lacht).
Marius: Ich finde es immer gut, wenn man seine Kreativität von fremden Orten beeinflussen lässt. Das könnte auch ein Mietstudio auf Jamaica sein, von dem aus man ins Meer fällt. Der Kreativität tun solche neuen Eindrücke immer gut.

Ihr seid als erster Rock-Act auf dem Stuttgarter Chimperator-Label gelandet, das mit Künstlern wie Cro bisher eher Hip-Hop-lastig war. Welche Erwartungen hat das Label mit euch verknüpft?

Mathias: Wir sollten einfach eine geile Platte machen. Die vertrauen uns total, was schon fast beängstigend ist (lacht). Das hat uns für die Aufnahmen sehr viel Druck abgenommen und dieses Vertrauen wollten wir natürlich gerne zurückzahlen.
Marius: Der Umstand, dass wir dort die erste Gitarrenband sind, ist sehr glücklich für uns. Wir betreten dort keine ausgetretenen Wege, sondern machen zusammen etwas Neues. Das tut der Kreativität natürlich auch gut.

Ein Song auf der Platte heißt „Gipfelkreuz“. Wie könnte euer persönliches Gipfelkreuz aussehen?

Mathias: Darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch nicht viele Gedanken gemacht, denn ich lebe gerne im Moment. Natürlich kann man sich bestimmte Dinge wünschen, aber man hat es meistens nicht in der Hand. Es kann ja auch nicht nur ein Gipfelkreuz im Leben geben, denn sobald man es erreicht hat muss ein Neues her. Stillstand ist der Tod.
Marius: Wir haben interessanterweise genau darüber vor kurzem noch geredet. Für uns soll es keine Gipfelkreuze geben, für uns sollte es ein nie endender Berg sein. Wir wollen einfach immer weiter machen.

Danke an Mathias, Marius, Philipp und Lucas für das Interview.

Passend dazu haben wir auch das Album besprochen. Sehr empfehlenswert! Hier entlang bitte.

 

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