27.05.2014

Johnny Bottrop

"Wir wollen zeigen, dass Auflehnung Spaß macht."

Johnny Bottrop
Interview: Stefan Üblacker / Fotos: Virus Films

Berlin/Bonn. Johnny Bottrop von der Terrorgruppe ruft an. Wenn man den Namen zum ersten Mal hört mag man zunächst vielleicht an einen lokalpatriotischen Guerillakämpfer denken, doch so ist es nicht. Nach über zehn Jahren Dornröschenschlaf haben Archi Alert, Johnny Bottrop, Zip Schlitzer und die beiden neuen Mitglieder Kid Katze und Eros Razorblade die schmerzlich vermisste Terrorgruppe wieder zu neuem Leben erweckt. Johnny Bottrop verrät im Gespräch, wie es dazu kam, was noch kommen wird und warum die Welt die Terrorgruppe und ihren Aggropop überhaupt braucht.

Johnny, es ist wunderbar, dass es euch wieder gibt. Wie fühlen sich die ersten Schritte bislang an?

Der Anfang war zunächst etwas mühselig. Wir mussten unseren Proberaum aufräumen, neue Saiten aufziehen und so Sachen. Als dies erledigt war, haben wir aber schnell gemerkt, dass es super wird. Schon bei den ersten vier Stücken, die wir geprobt haben, wurde klar, dass es funktioniert.

Welche vier Stücke habt ihr dafür ausgewählt?

Das waren "Allein gegen alle", "Neulich Nacht", "Mein Skateboard ist wichtiger als Deutschland" und "Sonntag morgen". Die Auswahl war eher zufällig.

Habt ihr eigentlich die Terrorgruppe jemals offiziell beerdigt?

Eigentlich wollten wir ja ab Ende 2004 lediglich eine lange Live-Pause machen, da wir alle oder zumindest einige in der Band keinen Bock mehr auf das Touren hatten. Anschließend haben wir noch eine Zeit lang an der englischen Version unseres letzten Studio-Albums "Fundamental" ("Rust in Pieces", Anm. der Redaktion) rumgeschraubt und uns dann in einem langsam schleichenden Prozess immer mehr voneinander entfernt. Jeder hat sein eigenes Ding durchgezogen - Archi hat Platten von anderen Bands produziert. Irgendwann hat er offiziell seinen Ausstieg verkündet. Damit war Ende.

Mit der Doku-DVD "Sündige Säuglinge hinter Klostermauer zur Lust verdammt" habt ihr euch im letzten Jahr mit 7 Jahren Verspätung noch einen schönen Grabstein aufs Grab gestellt. Anfang diesen Jahres kam nun die Hand aus dem Grab mit der Meldung, dass ihr wieder aktiv werdet. Wie kam es dazu?

So wie du das sagst, klingt es voll zombiemäßig (lacht). Archi und ich haben zur DVD extrem viele Interviews gegeben und in fast jedem Interview kam die Frage auf, ob wir denn nicht mal so etwas wie nochmal Konzerte planen. Anfangs haben wir immer „Nö“ gesagt, aber als irgendwann der 30ste ankam, haben wir uns schon gefragt, ob es nicht vielleicht doch so ist, dass all diese Menschen vielleicht Recht haben und wir Unrecht, ob wir nicht doch noch mal zurückkommen sollten. Ich habe daraufhin Archi gefragt und nach ein paar Monaten mit Hin- und Her-Überlegen war es beschlossene Sache.

Wie wurde dann die Band zusammengestellt?

Archi hat unseren alten Freund und 1990er-Jahre-Bandmember Zip Schlitzer gefragt. Dieser hat Kid Katze, unseren neuen Drummer, angeschleppt und die Drei haben dann unseren neuen Keyboarder Eros Razorblade gefragt. Und alle haben "Ja" gesagt.

Habt ihr Zip Schlitzer wieder in die Band geholt, weil ihr sein Gesicht brauchtet? Er ziert schließlich zwei Albumcover von euch.

Nein, er ist von allen Besetzungen der Band einfach DER Bassist der Terrorgruppe. Er hat bei allen essentiellen Alben mitgewirkt und spielt immer noch fantastisch Bass. Zip bringt auch jede Menge Ideen an und kann zu jedem Song sofort neue Bass-Läufe raussuchen. Er spielt nicht einfach nur die vorgegebenen Akkordfolgen, sondern erfindet eigentlich immer eine eigene Dimension in der Basslinie dazu.

Hattet ihr in der Terrorgruppe-losen-Zeit Funkstille untereinander oder habt ihr euch immer wieder getroffen?

Archi und ich sind uns zwar sehr selten über den Weg gelaufen, aber wir hatten fast jede Woche miteinander zu tun. Seit 2005 habe ich mehrere Platten, die er produziert hat, auf Destiny Records veröffentlicht - insgesamt ungefähr 10 Scheiben, zum Beispiel Die Toten Crackhuren im Kofferraum, Scheisse Minnelli oder Inferno. Um die Terrorgruppe ging es bei unseren Treffen aber eigentlich nie, ausser bei der Wiederveröffentlichung der Alben "Musik für Arschlöcher“ und "Melodien für Milliarden". Den Zip hat man ständig getroffen, auf der Wiener Straße, im Wild at Heart, im Jail, auf Konzerten im SO36 oder im Clash ...

 

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