19.06.2013

Jonas Grosch

"Mich fasziniert am meisten eine gut funktionierende Geschichte."

Jonas Grosch
Interview: Stefan Üblacker / Foto: Olaf Bredenförder

Bonn/Berlin. Wir haben uns Ende Mai mit Jonas Grosch zum Telefonat verabredet. Mit "A Silent Rockumentary" ist dem Jungregisseur eine bemerkenswerte Doku über die Mannheimer Formation Mardi Gras.bb gelungen, in dem die Band zwar zu Wort kommt, aber nicht zu hören ist. Klingt komisch, passt aber. Wie es dazu kam, erzählt Jonas im Gespräch.

Jonas, wie kommt man auf die Idee einen Stummfilm über eine Band zu drehen?

Das kann ich gar nicht genau sagen. Die Idee sprang mir bei Mardi Gras.bb einfach ins Auge. Zum einen, weil sie irgendwie zum Stil der Band passt. Zum anderen, erschien es bei einer Dokumentation über eine Band auch nahe liegend, denn eigentlich will ich keine Leute reden hören, sondern die Musik genießen. Als ich den Film geschnitten habe kam mir das auch alles ganz normal vor und Mardi Gras.bb eignen sich hervorragend für diese Idee, da sie etwas Verrücktes, nicht Alltägliches haben.

Bist du von Beginn an mit dieser Idee an den Film herangegangen oder entstand sie erst während der Aufnahmen?

Wir hatten zwei Drehphasen mit der Band. In der ersten Drehphase haben wir sie während der Studioaufnahmen gefilmt und in der zweiten Drehphase die Interviews geführt und Live-Aufnahmen gedreht - dazwischen lagen ein paar Monate. Vor der zweiten Drehphase kam ich auf die Idee mit dem Stummfilm und habe sie meinem Kameramann Matek Hofmeister erzählt. Er fand sie auch gut und so sind wir die restlichen Aufnahmen mit dieser Idee im Hinterkopf angegangen und haben natürlich trotzdem auch Ton aufgenommen (lacht).

Beim Stummfilm fällt der Kameraführung noch mehr Bedeutung zu. Hat sich die Herangehensweise dadurch bei dir verändert?

Ja, absolut. Man hat einen anderen Blick auf die Szenen und schenkt den Mimiken noch viel mehr Bedeutung. Die Gesichter müssen viel erzählen können.

Haben sich schon Zuschauer bei dir „beschwert“, dass du den Ton weggedreht hast?

Beschwert natürlich nicht, aber manch einer hätte schon gerne mal die Stimmen der Protagonisten gehört. Das finde ich auch legitim. Aber bei sowas muss man konsequent sein, sonst würde der Film nicht wirken.

Ich finde gerade der Aspekt, dass man die Band nicht hört weckt große Lust sie näher zu entdecken.

Ja, genau. Ich wollte keinen Fanfilm drehen, sondern einen Film machen, der auch Leute anzieht, die einfach generell gerne Musik hören und mit Mardi Gras.BB eine neue Band entdecken.

Die Doku über Mardi Gras.bb ist bereits deine zweite Arbeit über eine Band jenseits des Mainstreams. Was fasziniert dich an Künstlern, die nicht im großen Fokus der Öffentlichkeit stehen?

Das ist keine bewusste Entscheidung von mir und dennoch höre ich meistens Musik, die nicht so bekannt ist. Ich suche aber nicht konkret danach, sondern folge einfach meinem Geschmack. Vielleicht bin ich auch einfach skeptisch Erfolg gegenüber, denn den FC Bayern München mochte ich auch noch nie (lacht).

War der Schnitt des Films dieses Mal eine besondere Herausforderung für dich?

Ja, bei dieser Art Film liegt ein ganz anderer Fokus auf dem Schnitt. Wo ansonsten die handelnden Figuren die Handlungsstränge erzählen, leistet nun der Schnitt die Arbeit. Die Musik gibt den Rhythmus vor. Ich hatte viel Spaß daran Sachen auszuprobieren. Ich habe den Film selber geschnitten, da ich niemanden meine Vorstellung davon so richtig gut erklären konnte. Ich würde mich trotzdem nicht als Cutter bezeichnen.

Wie oft hast du zuvor Mardi Gras.bb live erleben dürfen?

Gar nicht so oft. Ich habe sie vor unserer Zusammenarbeit einmal in einem kleinen Club in Plauen gesehen und es hat mich sofort gepackt. Ich konnte zu diesem Zeitpunkt schon gar nicht verstehen, dass eine so tolle Band nur so wenige Zuschauer in den Club zieht. Dabei ist die Musik der Band sehr breit gestreut.

Woran liegt es deiner Meinung nach, dass nur so wenige Leute zu den Konzerten der Band kommen?

Das hat meines Erachtens viel mit Vermarktung zu tun. Mardi Gras.bb haben keinen großen Vertrieb und keine große Promotion in ihrem Rücken, die sie mal eben schnell in aller Munde bringen können. Hier gibt es wieder die Ähnlichkeiten zum Film, denn ein Film dessen Verleih mal eben 200 Kopien im Land verteilt, wird natürlich mehr gesehen als ein Film, von dem nur 10 Kopien durch das Land wandern. Und das hat mit der Qualität erstmal noch nichts zu tun.

Die Schwierigkeiten des heutigen Musikerdaseins sind ein zentrales Thema in dem Film. Am Ende kommt sogar etwas Wehmut auf, als man erfährt, dass das Studio in dem Mardi Gras.bb ihre Platte aufnehmen schließen muss.

Ja, das hat mich sehr berührt. Mardi Gras.bb machen trotzdem weiter, aber man weiß eben nicht wie lange. Das erzeugt eine gewisse Melancholie, die sich durch Film zieht.

Was möchtest du mit dem Film erreichen?

Ich möchte mit dem Film vor allem wieder mehr Empathie für Musiker wecken. Die Zuschauer sollen spüren, welche Leidenschaft und Arbeit hinter dem Musik machen steckt. Vielleicht denkt der ein oder andere durch den Film sogar über die negativen Folgen des Raubkopierens für die Künstler nach.

 

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