28.10.2013

Jupiter Jones

"Anscheinend darf man in gewissen Kreisen mit dem, was man macht, nicht erfolgreich sein."

Jupiter Jones
Interview: Bine + Stefan Üblacker / Foto. Sven Sindt

Hamburg. Sascha Eigner und Andreas "Becks" Becker haben uns in ihr Büro im Hamburger Schanzenviertel eingeladen, um über das neue Jupiter-Jones-Album "Das Gegenteil von allem" zu sprechen und die letzten Jahre aufzuarbeiten. Im Büro sieht es schwer nach Arbeit aus - schließlich will die Album-Veröffentlichung und die kommende Tour gut vorbereitet sein.

Was hat sich bei euch seit dem Erfolg von „Still“ und dem letzten Album geändert?

Sascha: Es hört sich vielleicht ein bisschen unromantisch an, aber uns ist vor allem ein großer, psychologischer Brocken von den Schultern gefallen. Wir wissen jetzt, wie wir die nächsten drei Monate unsere Miete bezahlen können. Das entspannt sehr. Vorher war es tatsächlich so, dass wir nicht immer wussten, wie wir unseren Kühlschrank voll kriegen. Heute sind wir Berufsmusiker und stehen auf der Bühne mit dem Bewusstsein, dass wir damit unseren Lebensunterhalt bestreiten können. Für mich fühlt sich das immer noch etwas seltsam an und ich ertappe mich immer noch dabei, dass ich mich bei Auftritten manchmal zwicken muss. Es ist ein sehr großes Geschenk, wofür ich wirklich jeden Tag dankbar bin.

Wie verhält es sich mit dem Privatleben? Eure Familien seht ihr sicherlich weniger als früher, oder?

Sascha: Das komplette Leben hat sich verändert. Wir sind viel mehr unterwegs und haben eigentlich kaum noch Privatleben. Die letzten drei Jahre waren wirklich sehr intensiv und spannend. Wir haben viele neue Sachen kennen gelernt und wir lernen immer noch weiter dazu. Wir sind jetzt Teil von diesen verrückten Musikzirkus (lacht).

Wurden dabei auch einige Illusionen zerstört?

Becks: Eigentlich nicht. Ich stelle aber natürlich fest, dass wir uns bei gewissen Dingen verändert haben. Waren wir beim ersten TV-Auftritt noch überaus nervös, so ist dies heute schon ein Stück zur Routine geworden.
Sascha: Es ist für uns auch sehr faszinierend gewesen hautnah mitzubekommen welcher Aufwand z. B. beim „Bundesvision Song Contest“ gefahren wird. Das kriegt man ja als normaler TV-Zuschauer gar nicht mit.

Habt ihr euch aufgrund des gesteigerten Interesses an euch Experten dazu geholt oder euch selber ins kalte Wasser geschmissen?

Sascha: Im Prinzip haben wir uns selber ins kalte Wasser gestürzt und vor dir sitzt der Experte, denn ich manage gleichzeitig die Band. Ich will mir da nicht selber auf die Schulter klopfen, aber es ist schon wichtig, dass man als Band jemanden hat, der einen durch die raue See des Musikgeschäftes lotst und darauf aufpasst, dass das Geschäftliche geregelt wird und die Band dabei nicht in irgendeine falsche Ecke manövriert wird. Ich mache das seit Anfang an und bin da förmlich herein gewachsen. Als wir die „Entweder geht diese scheußliche Tapete - oder ich“-Platte veröffentlicht haben, hatte ich kaum eine Ahnung von der Materie - ich wusste nicht, was ein Label so macht, wie Promotion, Vertrieb, GEMA usw. funktioniert.

Es ist schon eine gesunder Weg als Band zu wachsen.

Sascha: Ja, aber sicher nicht der Einfachste. Es werden einem viele Steine in den Weg gerollt, die man nach und nach aus dem Weg räumen muss. Dafür hat man am Ende aber wirklich einen Plan, von dem, was man tut.
Becks: So wie Sascha in dieses Metier herein gewachsen ist, sind wir auch als Band in das ganze Musikgeschäft mehr und mehr herein gewachsen. Es kamen immer mehr Leute zu den Shows und wir konnten dann auch gut damit umgehen, dass uns auf einmal 1000 Leute und mehr sehen wollten. Ich glaube, es ist schwerer damit umzugehen, wenn man als Band mit dem ersten Album direkt von null auf hundert geht.

Um noch mal auf „Still“ zurück zu kommen: War es für euch abzusehen, dass dieser Song einmal so groß rauskommen würde?

Sascha: Nicht mal die Plattenfirma hat daran geglaubt, dass er mal so groß werden wird. Wir haben aber gemerkt, dass der Song etwas ganz Spezielles ist. Wir mussten auch für ihn kämpfen, denn er hat nicht sofort gezündet. Den Song gab es schon bevor wir eine Plattenfirma dafür gefunden hatten. Ich bin mit ihm und anderen Songs bei diversen Firmen vorstellig gewesen und nicht alle haben uns sofort die Türen eingerannt – genauso verhielt es sich anfangs auch mit den Radiostationen. Wir haben schließlich über ein halbes Jahr mit dem Song beim Radio gearbeitet, bevor er irgendwann eine Eigendynamik entwickelt hat und schließlich total durch die Decke gegangen ist.

Was ist es für ein Gefühl wenn man plötzlich auf allen Radiosendern mit seinem Song konfrontiert wird?

Sascha: Es ist ein komisches Gefühl.
Becks: Es hat ewig lange gedauert, bis ich den Song überhaupt zum ersten Mal im Radio gehört habe. Ich habe ihn dann in irgendeiner Tankstelle im Hintergrund gehört und von da an fast immer, wenn ich das Radio angemacht habe. Es ist schon sehr verrückt seine eigene Band auf einmal im Radio zu hören und wir haben es auch noch nie ausgemacht, oder?
Sascha: Nein, ich halte „Still“ immer noch für einen tollen Popsong.

Ihr reiht euch also noch nicht in die Reihe der Stars ein, die ihre größten Hits nicht mehr hören können?

Sascha: Nein, wir haben viele Songs, wie z. B. „Auf das Leben!“ oder „Kopf hoch – Arsch in den Sattel“ vom ersten Album viel, viel öfter gespielt als „Still“. Der hat also noch ein paar Jahre Zeit.
Becks: „Still“ gehört auch nicht zu den Songs, die wir nicht mehr so gerne spielen. Wir haben ihn seit der Veröffentlichung bei jedem Konzert gespielt und hatten wunderbare Erlebnisse mit ihm.

Hat sich durch den Erfolg der letzten Veröffentlichung für euch bei der Herangehensweise an die neue Platte etwas geändert?

Sascha: Die Herangehensweise ist gleich geblieben, nur der Druck ist wesentlich größer geworden. Vorher hatten wir auch Druck, es war aber ein existenzieller Druck. Beim „Holiday In Catatonia“-Album haben wir damals unglaublich viel privates Geld rein gesteckt. Wir haben Kredite bei der Bank aufgenommen, Privatkredite organisiert und unser Schlagzeuger Hont hat Haus und Hof verpfändet und seinen Fahrzeugbrief abgegeben um überhaupt noch irgendwie an Geld zu kommen. Wenn das damals schief gegangen wäre, hätten wir alle auf einem riesigen Berg Schulden gesessen. Jetzt ist eine gewisse Erwartungshaltung da - von der Plattenfirma, den Medien und vor allem von uns selber. Abgesehen von dem Song „Still“ hat sich auch das dazugehörige Album sehr, sehr gut verkauft. Das macht es nicht einfacher für uns, ist aber eine schöne Herausforderung.

 

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