26.12.2013

Karl Bartos

"Wenn Musik wirklich zu mir spricht, höre ich mit dem Analysieren auf."

Karl Bartos
Interview: Stefan Üblacker / Fotos: Katja Ruge

Köln/Hamburg. In Hamburg wütet der Orkan "Xaver". Karl Bartos hat jedoch keine große Angst davor. Er lebt inzwischen sehr gerne in der Hansestadt, obwohl er vom Sprachduktus und vom Herzen Rheinländer ist. Der Musikprofessor kommt bei seinen kurzen Ausführungen in die Musiktheorie immer wieder durch, wirkt aber dabei nie belehrend. Das Gespräch ist sehr herzlich.

Karl, ich war nach dem Hören deiner Platte „Off The Record“ etwas überrascht, dass die Songs meistens die klassische Dreieinhalb-Minuten-Popsong-Länge aufweisen. Ich war bei dem Kraftwerk-Hintergrund von dir auf längere Songlängen eingestellt. Wie kommt's?

Ich war ja zwischen 1975 und 1990 bei dem Verein, und damals waren die Titel auch nicht wirklich länger als dreieinhalb Minuten. Ich bin durch die Musik der 1960er Jahre initialisiert worden. Das erste Stück, was mir z. B. von den Beatles hängen geblieben ist, war "A Hard Day's Night". Von da an fing ich an, mich für Musik zu interessieren. Diese dreieinhalb Minuten entstanden durch die Radiokultur, denn wenn die Titel länger waren, fingen die Moderatoren meistens schon an, hinein zu sprechen.

Hörst du selber gerne Radio?

Hin und wieder. Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, zappe ich mich meistens durch die Kanäle. Das Radio ist heutzutage eher schwach aufgestellt - besonders hier in Deutschland. Die Musik ist durch das Formatradio nahezu gleichgeschaltet und von Werbeblöcken durchzogen. Richtig gute Radiosender gibt es leider kaum mehr. Das war früher einmal anders.

Du hast am berühmten Robert-Schumann-Institut in Düsseldorf studiert. Wie lief damals das Auswahlprocedere ab?

Ich habe dort vorgespielt, und mir wurde darauf hin ein Probesemester angeboten - so bin ich da rein gekommen. Ich hatte dann während meines Studiums das große Glück, sofort Anschluss an die Oper am Rhein zu finden. Mein Professor war der erste Solopauker bei den Düsseldorfer Symphonikern und hat mich dort als feste Aushilfe installiert. So habe ich parallel zu meinem Studium das Opernrepertoire kennen gelernt. Das geht heutzutage alles nicht mehr so einfach.

Was hast du aus deiner Zeit im Orchester mitgenommen?

Die Arbeit im Orchester vermittelt Ordnungsprinzipien. Man ist Teil eines Ganzen und spielt seine Stimme. Man muss sich dem Dirigenten unterordnen und lernt, auf die anderen Instrumente zu hören.

Fiel dir das Unterordnen schwer?

Eigentlich nicht, denn ich wollte genau dort hin und Teil der Musikkultur werden. Für mich als Anfänger war es eine tolle Erfahrung, in so einen Profibetrieb reinzurutschen. Ich konnte hören und sehen, wie die anderen Musiker arbeiten, und unglaublich viel lernen. Abgesehen von dem Opernengagement gab es auch noch das Orchester am Institut. Beide Orchester haben mich während meiner Studien dort begleitet.

Was wurde dir neben Schlagzeug noch vermittelt?

Klavier und Musiktheorie. Letzteres hat mir mit der Kontrapunkt- und Harmonielehre sehr viel Spaß gemacht. Das war keine Arbeit für mich, denn ich wollte wirklich wissen, wie es geht.

Einige Stücke auf deiner Platte sind sehr tanzbar. War das bewusst so angelegt oder eher positiver Nebeneffekt?

Als Schlagzeuger habe ich mich sehr mit der Musik von James Brown beschäftigt und später dann Rhythm&Blues und Jazz. So ein Track wie "Atomium", auf den du wahrscheinlich anspielst, bringt gleich mehrere Dinge unter einen Hut: Zum Beispiel eine Viertel-Bassdrum und einen 7/4-Takt. Damit bin ich sehr nah bei einem Igor Stravinsky, der mich mit seinem "Le Sacre du Printemps" schon ein Leben lang begleitet. In diesem ersten Track auf meinem neuen Album wollte ich ein paar Dinge zusammen bringen, und natürlich ist es toll, wenn das verstanden wird.

Das Atomium in Brüssel ist ein sehr beeindruckendes Bauwerk, dass man schon von weitem sehen kann. Welches Gebäude/Bauwerk hat dich zuletzt beeindruckt?

Mich beeindruckt die Elbphilharmonie in Hamburg sehr. Auch wenn es reichlich Gezeter um die Bauarbeiten dazu gibt, so hoffe ich doch, dass sie bald fertig wird. Schuldige wird man bestimmt nicht mehr finden. Wie auch immer, es wird mit Sicherheit das neue Wahrzeichen von Hamburg werden, und in 50 Jahren wird wohl keiner mehr an diese Bauschlappe denken.

 

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