03.06.2013

Katharina Wackernagel

"Ich lege großen Wert darauf, dass meine Rollen möglichst weit von mir weg sind."

Katharina Wackernagel
Interview: Stefan Üblacker / Foto: Sandra Schuck

Bonn/Hamburg. April 2013. Katharina Wackernagel gastiert aktuell an den Hamburger Kammerspielen mit dem Stück "Wir lieben und wissen nichts" von Moritz Rinke. Vor der Vorstellung am Abend nimmt sie sich am Telefon Zeit für unsere Fragen. Immer wieder schallt dabei ihr mitreißendes Lachen durch den Hörer.

Katharina, hast du schon zu Mittag gegessen?

Nein, oder hätte ich das besser vor dem Gespräch machen sollen?

Nicht zwangsläufig.

Ich habe im Moment einen ganz anderen Lebensrhythmus, da ich derzeit Theater spiele. Ich bin dann meistens noch bis 1 oder 2 Uhr nachts unterwegs und habe heute erst spät gefrühstückt.

Ich komme deswegen auf das Essen, da du zum Film „Die letzte Lüge“ ein Kochbuch veröffentlicht hast. In dem Buch hast du geschrieben, dass du dich beim Kochen eher nach deinem Kühlschrankinhalt als nach Rezepten richtest.

Ja, das stimmt schon. Natürlich muss ich trotzdem einkaufen, denn ein Kühlschrank füllt sich leider nicht von allein, aber ich schaue eher worauf ich Lust habe und was gut miteinander harmonieren würde, als dass ich die Zutatenliste für ein konkretes Rezept abarbeite. Das Schreiben des Kochbuchs war für mich auch eine neue Erfahrung, da ich privat nie nach Rezept koche. Als mein Bruder Jonas mit der Idee zu dem Kochbuch ankam, wusste ich auch erstmal nicht, wie ich das umsetzen sollte. Das war für mich schon etwas kompliziert, hat aber am Ende doch gut funktioniert.

Ist bei dir auch schon der Klassiker vorgekommen: Essen ist nichts geworden und am Ende doch den Tisch beim Italiener bestellt?

(lacht) Nein, dafür bin ich auch wohl zu unregelmäßig zu Hause. Mir kam schon mal die Idee, dass man mich als Köchin buchen kann. Interessierte Menschen können sich bei mir melden, die zwar für 10 Leute zu Hause etwas zu Essen machen möchten, aber selber keine Lust haben zu kochen. Die können mich anrufen und nach einem kurzen Vorgespräch, indem ich die Abneigungen und Vorlieben abklopfen würde, käme ich dann vorbei. Wie findest du das?

Klingt nach einer guten Geschäftsidee. Warst du eigentlich als Kind sehr mäkelig bei der Essensauswahl?

Nein, ich war schon immer ein absoluter Allesfresser (lacht). Es gibt nur ein paar Sachen wie Kümmel, die ich nicht so gerne mag. Womit man mich auch vergraulen kann sind Gerichte wie Schweinebraten oder Haxen mit dicken Soßen. Das ist nicht mein Fall.

Du spielst gerade in den Hamburger Kammerspielen bei dem Moritz-Rinke-Stück „Wir lieben und wissen nichts“ die Rolle der Hanna, die ausgebrannten Bänkern Atemübungskurse zur Entspannung gibt. Wie entspannst du dich privat?

Dazu muss man sagen, dass die Hanna mal als Yogalehrerin angefangen hat und nun diese Nische gefunden hat, die sehr ertragreich für sie ist. Ich selber habe vor ein paar Jahren das Joggen für mich entdeckt, dass mich am meisten entspannt. Ich glaube, dass das für mich vor allem ein Kopfding ist, denn in dieser Stunde bin ich ganz für mich allein und kann meine Gedanken in Ruhe kreisen lassen. Ich merke sehr, dass mir das gerade in den stressigen Drehzeiten viel gibt. Ansonsten bin ich aber eh kein Typ, der wie ein HB-Männchen sofort an die Decke geht.

Ist es dir am Theater nicht schwer gefallen dich mit den anderen Darstellern hinzusetzen und das Stück zu erarbeiten?

Das war tatsächlich nicht ganz leicht. Die Probenzeit war nicht immer einfach, was vielleicht auch daran liegt, dass wir vier total unterschiedliche Charaktere und Schauspielertypen sind. Letztlich hat es doch funktioniert, was auch dem Stück zu verdanken ist, denn auch dort sind die vier handelnden Personen komplett unterschiedlich. Ich glaube dadurch, dass wir vier im Stück selbst so viel Dampf ablassen konnten, kamen wir privat so prima miteinander aus.

Ist Hanna auch deine Lieblingsfigur in dem Stück?

Nein, ich mag die Figur der Magdalena noch mehr, denn sie ist sehr verrückt und in ihrer Art und Weise sehr weit weg von mir. Das macht für Schauspieler auch den meisten Reiz aus. Nichtsdestotrotz spiele ich die Hanna sehr gerne. Sie hat auch sehr viele Facetten und ich glaube, dass sie auch viele Ähnlichkeiten mit mir hat.

 

 weiterlesen 

 
 





 
Madness
"Never Knew Your Name"

"Flüchtlinge werden nicht als Subjekte, sondern als Objekte behandelt."
Günter Burkhardt

Kraftklub
Nena
Jonny Two Bags
Donots
SWISS und die Andern
Jan Plewka
Farin Urlaub
Dr. Ring Ding
Niels Frevert
Bela B