03.06.2013

Katharina Wackernagel

"Ich lege großen Wert darauf, dass meine Rollen möglichst weit von mir weg sind."

Katharina Wackernagel
Interview: Stefan Üblacker / Foto: Sandra Schuck

Welche Rolle musstest du dir in deinem bisherigen Schaffen am meisten erarbeiten?

Ich lege großen Wert darauf, dass meine Rollen möglichst weit von mir weg sind. Ich habe z. B. in „Contergan“ oder „Herbstkind“ schon Mütter gespielt. Das waren für mich neue Erfahrungen, da ich selber keine Mutter bin. Hier musste ich mich sehr vorsichtig herantasten. Ich suche in meinen Rollen immer etwas, das mich reizt. Das kann sowohl die Story als auch der Charakter sein. Ich schaue dabei nie nach Ähnlichkeiten zu meiner Person.

Um auf die Mutterrolle zu kommen. Was würdest du deinen möglichen Kindern gerne einmal mit auf den Weg geben wollen?

Mir sind natürlich Werte wie Toleranz und Ehrlichkeit sehr wichtig. Sie sollten aber unbedingt ihren eigenen Weg finden und dabei nicht krampfhaft jeder Norm entsprechen müssen. Ich finde es grauenhaft, wenn derzeit durch Fernsehformate wie den unsäglichen Casting-Shows ganzen Generationen von Leuten das Gefühl vermittelt wird, dass sie sich unbedingt gewissen Anforderungen anpassen müssen.

Hattest du meist das Glück, dass du dir deine Rollen selber aussuchen konntest oder hast du auch mal nur für die Miete gespielt?

Letzteres gab es auch. In den letzten Jahren war mir bislang aber immer das Glück beschieden, dass ich selber entscheiden konnte, was ich machen möchte. Gerade am Anfang meiner Karriere habe ich aber auch viele Rollen angenommen um des reinen Drehens willen. Ich wollte einfach meine Erfahrungen machen. Da waren sicher auch manche Auftritte bei, auf die ich im Nachhinein gerne verzichtet hätte. Doch selbst wenn ich während einer Arbeit merke, dass es nicht so wird, wie ich es mir vorgestellt habe, bleibe ich an Bord, denn verletzter Stolz oder falsche Eitelkeiten schaden einem als Schauspieler oft nur selber und ich hake das am Ende lieber innerlich als weitere Erfahrung in meinem Leben ab.

Kannst du dir vorstellen einmal selber Regie zu führen?

Das kann ich mir grundsätzlich gut vorstellen und ich hätte sicher große Lust dazu. In meiner Familie gibt es aber bereits mit meinem Bruder Jonas einen super Regisseur, der gerade für sein noch sehr junges Alter einen außergewöhnlich guten Job macht. Die Zusammenarbeit mit ihm empfinde ich als großen Glücksfall, denn wir verstehen uns sehr gut und funken auf einer Wellenlänge. Ich habe seinen letzten Film „A Silent Rockumentary“, einen Stummfilm über Mardi Gras.BB, wieder mit produziert und kann mir mit ihm in Zukunft sowieso alle möglichen Konstellationen vorstellen. So könnten wir z. B. bei einem Film zusammen Regie führen oder er schreibt das Buch und ich führe Regie – mal schauen was die Zukunft bringt.

Wie schwer ist es überhaupt heutzutage einen Film zu drehen?

Man könnte meinen, dass es einfacher wird, da man im Gegensatz zu früher, nicht mehr an das Filmmaterial gebunden ist. Leider wird es immer schwieriger. Ohne Fördergelder und Sender, die einen unterstützen ist es heutzutage nahezu unmöglich einen Film für das Kino zu produzieren. Unser letztes Projekt „Die letzte Lüge“ war da etwas Besonderes und wir wollen in dieser Richtung auch weitermachen. Die Gelder werden immer knapper, da die Menschen auch viel weniger ins Kino gehen. Die Filmförderungen unterstützen auch meistens eher die kommerzielleren Projekte, die eh oftmals schon ein gutes Budget haben. Hinzu kommt noch, dass auch die DVD-Verkäufe rückläufig sind. Das macht es den Filmemachern schwer damit Geld zu verdienen und die Leute, die für einen arbeiten, auch vernünftig zu entlohnen.

Wann warst du zuletzt in der Videothek?

Ich kann mich nicht erinnern. Ich habe meine Videothek zu Hause, da ich mit meinem Bruder Jonas zusammen in einer WG wohne, der ein Filmesammler vor dem Herrn ist und wahnsinnig viele DVDs hat, so dass ich mir kaum was ausleihen muss.

Was hältst du von den internetbasierten Streaming-Angeboten wie Apple TV, Watchever und Co.?

Ich sehe das Thema Internet immer zweischneidig. Zum einen ist die Vernetzung von Menschen weltweit eine tolle Errungenschaft, zum anderen hat das Thema der Musik- und Filmindustrie bislang großen Schaden zugefügt, da die Kunst durch die ständige Verfügbarkeit – oftmals sogar kostenlos – an Wert verloren hat. Das macht es den Künstlern natürlich um ein vielfaches schwerer von ihrer Kunst zu leben und darum geht es auch in Jonas' Film über Mardi Gras.BB. Kommerzielle Streaming-Anbieter finde ich gut, nur leider kam die Entwicklung dieser Dienste zu spät, denn diese Gratis-Mentalität hat sich zuvor schon breit gemacht. Durch das Internet ist auch einfach ein Riesen-Angebot entstanden, dass auf die Leute einprasselt und oft auch überfordert. Das senkt dann auch die Lust ins Kino zu gehen.

Da sind wir wieder bei der Schwierigkeit Filme zu machen.

Wie eben gesagt, kann man heute ohne Beteiligung eines TV-Senders kaum einen Kinofilm machen und das widerspricht eigentlich dem Kino-Gedanken, der eine eigenständige künstlerische Plattform darstellt. Man muss heute erstmal das Geld aufbringen und überlegen für wen man den Film überhaupt macht. Wer soll sich den Film im Kino anschauen?

Ist das aber nicht genau der falsche Ansatzpunkt. Man macht doch auch einen Film, weil man als Autor/Regisseur diesen Stoff unbedingt verfilmen möchte.

Das kann aber nicht der alleinige Antrieb sein. Wenn man ein bis zwei Jahre mit einem Projekt beschäftigt ist, möchte man auch, dass die Leute es sehen. Man macht keinen Film oder ein Album um ihn oder es später ins Regal zu stellen. Die Leute jedoch dazu zu bewegen sich mit dem Film zu beschäftigen ist aber genau das, was heutzutage sehr schwer geworden ist. Jonas und ich lassen uns zwar davon nicht einschüchtern, aber wir müssen auch über neue Wege nachdenken. Bei „Die letzte Lüge“ haben wir den Kinostart mit einer Kinotour begleitet, bei der neben dem Team auch die am Film beteiligten Musiker mit dabei waren. Das hat gut funktioniert und die Leute auch im Gesamtpaket überzeugt.

 

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