10.07.2015

Kraftklub

Wir sind keine Herbert Grönemeyers.

Kraftklub
Interview: Bine Üblacker mit Nina Petschler / Foto: Christoph Voy

Wir haben auch ein paar Fanfragen: Es gibt ein Zitat aus dem Film Absolute Giganten: „Weißt du, was ich manchmal denke? Es müsste immer Musik da sein. Bei allem, was du machst. Und wenn's so richtig scheisse ist, dann ist wenigstens noch die Musik da. Und an der Stelle wo es am allerschönsten ist, da müsste die Platte springen und du hörst immer nur diesen einen Moment." Wie ist das für euch? Hilft Musik tatsächlich in allen Lebenslagen?

Ich selber habe nie Musik gehört und war auch nie der große Fan von irgendetwas. Zwar lief das Radio oder die Musik meiner Eltern, aber ich selber habe mich nie ernsthaft mit Musik beschäftigt. Meine ersten Musikerfahrungen habe ich im Klub gesammelt. Laute Musik. Livemusik. Das war das, wo ich auf einmal dachte „Das finde ich ja doch interessant!“.

Und heute? Gehst du in den Laden und kaufst dir Platten oder CDs?

Nicht so viel und auch weniger als die anderen. Es gibt immer so ein bis zwei Entdeckungen, die ich mache und bei denen bleibe ich dann meistens.

Und die laufen dann in Schleife?

Ja, und mir ist es auch egal, ob es andere gut finden oder nicht. Ich kann auch Taylor Swift total abfeiern, obwohl mir klar ist, dass die für viele eine No-Go ist. Wenn ich einen Song oder eine Band gut finde, dann ist es mir egal, ob die uncool sind oder grade von jedem gehypt werden.

Wie ist das bei deiner eigenen Musik?

Wir machen ja die Musik, die wir selber gerne hören würden und gut finden. Wir machen genau das, was uns gefehlt hat und wo man selber gerne Fan von wäre. Wir machen das nicht, weil wir wissen, dass sie gut funktioniert.

Gibt es eine Band oder einen Musiker, wo du wirklich Fan von bist?

Die gibt es auf jeden Fall. Aber was heißt schon Fan? Es gibt Musik, die ich richtig gut finde und mir gerne anhöre. Das löst in mir aber nichts Besonders aus. Ich finde es einfach nur richtig toll – Bands wie die Artic Monkeys oder The Smiths zum Beispiel. Ich finde Morrissey richtig gut, aber es ist jetzt nicht so, dass ich da … (stockt)

Du kannst damit keine schlechte Laune wegmachen?

Genau. Wenn ich schlechte Laune habe, würde ich nie auf den Gedanken kommen, mir Musik anzumachen um bessere Laune zu kriegen. Wenn ich gute Laune habe, dann höre ich auch gerne Musik. Wenn ich schlecht drauf bin, will ich mir keine Musik anhören, dann schreibe ich lieber. Dann mache ich selber Musik.

Und geht es dir danach besser?

Nein, aber ich habe dann eventuell einen neuen Song fertig.

Und so entstehen wirklich die Songs, die nachher auch auf dem Album landen? Das heißt wenn man ganz viele Kraftklub-Alben haben möchte, muss man dich irgendwie ärgern?

Ja, genauso ist das.

Kannst du dir vorstellen, dass die Gefahr besteht, dass Musik irgendwann nur noch ein Job ist?

Ja, das kann ich mir vorstellen. Aber wie soll das auch anders sein? Der Umkehrschluss wäre ja, dass wir jedes Mal wieder komplett durchdrehen und denken „Uah, im Backstage gibt es einen vollen Kühlschrank! Uah, wir müssen jetzt alles austrinken.“ (lacht). So ist es halt auch nicht.

Auf der Klubtour und ebenso auf der Konvoi-Tour wart ihr nach den Konzerten immer noch draußen bei den Fans zu sehen. Bei dieser Tour ist das nicht mehr zu sehen, beziehungsweise auch scheinbar nicht mehr möglich. Vermisst du das?

Wir machen das bei den Klubtouren, weil es da halt geht. In den großen Hallen funktioniert das nicht. Da machst du mehr Leute unglücklich, als du glücklich machst. Wir machen das gerne und es macht auch Bock und ist cool, aber auch nur, wenn es auch geht und nicht auf Teufel komm raus.

Macht ihr solche Promo-Sachen wie dieses Interview noch gerne oder fühlt es sich vielleicht nicht doch schon wie Arbeit an?

Nein, es ist immer noch keine Arbeit. Manchmal wünscht man sich nur, dass man ein bisschen mehr Zeit für alles hätte.

Wir haben noch eine Fanfrage: Welches Lied von euch spielt ihr denn besonders gerne und warum?

Da hat jeder seinen eigenen Song, den er irgendwie besonders toll findet. Ich weiß, dass die Jungs zum Beispiel „Zwei Dosen Sprite“ gut finden, weil er so anders ist und nochmal so ausbricht von dem Rhythmus her. Ich persönlich finde immer die Songs gut, wo das Publikum viel singt. Wenn so viele Leute deinen Song singen, ist das schon ganz schön ergreifend. Im Umkehrschluss denke ich immer an die armen Publizisten, Journalisten und Autoren, denen dieses Gefühl verwehrt bleibt. Es ist ein einmaliges Gefühl, wenn du etwas aufschreibst und später direkt das Feedback dafür bekommst und siehst, dass diese Zeilen den Leuten anscheinend auch etwas bedeuten. Das ist Gänsehaut pur.

Als Autor sieht man höchstens, wie oft dein Buch verkauft wird.

Wir sehen ja auch, wie oft die Platte verkauft wird, aber das ist nicht mit dem zu vergleichen, wenn Leute das mitsingen.

Studiomusiker könntest du also nicht werden?

Auf gar keinen Fall! Ich bin ja auch gar kein Musiker. Ich könnte gar nichts mit einem Studio anfangen. Ich würde mich wohl die ganze Zeit nur langweilen.

Du könntest ja nur noch schreiben oder für andere schreiben.

Ich würde wahrscheinlich eher ein Buch als Musik schreiben.

 

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