04.05.2014

Marcus Wiebusch

"Man sollte seine Haltung nicht für die Distinktion aufgeben."

Marcus Wiebusch
Interview: Stefan Üblacker / Foto: Andreas Hornoff

Das homophobe Element ist nur eines von vielen negativen Elementen des Fußballs. Die Lust am Fußball haben dir diese Begleitumstände bislang noch nicht vermiest, oder?

Der Fußball kommt wirklich mit vielen negativen Begleitumständen um die Ecke. Das liegt natürlich daran, dass es der Sport schlechthin ist. Er ist extrem populär und wenn etwas sehr populär ist, ist auch immer viel Geld im Spiel. Damit wächst zwangsläufig auch die Kommerzialisierung und das ist mitunter nur schwer auszuhalten. Man kann lediglich versuchen es einigermaßen in Zaum zu halten, aber man wird das Rad nicht mehr zurückdrehen können. Noch gehe ich jedenfalls gerne ins Stadion.

In dem Song "Springen" geht es darum radikale Gedanken, die in jedem Menschen stecken, auch mal durchzuziehen - also wirklich den Job zu wechseln, die Frau/den Mann zu verlassen usw.. Was war bislang dein größter Sprung im Leben?

Die Auflösung von But Alive... im Jahr 1999 war schon ein sehr radikaler Einschnitt in meinem Leben. Die Band hatte mich bis dato sehr beansprucht und als ich gespürt habe, dass es nicht mehr geht, habe ich sie aufgelöst.

Wie lange hat es gedauert bis du ein neues Ziel hattest?

Das hat schon eine Zeit gedauert, denn ich habe immer wieder mit mir gerungen und wusste nicht genau, was ich machen sollte. Ich hatte ja auch Pädagogik für außerschulische Jugendarbeit studiert, aber ich wollte eigentlich weiter Musik machen. Irgendwann ist dann Kettcar entstanden und der Rest ist ja bekannt (lacht).

Auf "Nur einmal rächen" gibt's diesen Ausdruck "Ich habe es geschafft". Hast du das jemals gefühlt?

Es ist natürlich eine unfassbare Bestätigung wenn man merkt, dass man von der Musik, die man spielt, auch leben kann. Dieses Glück ist uns mit Kettcar widerfahren. Ich denke aber nicht in Kategorien wie "Ich habe es geschafft", denn das klingt immer so gemütlich und genügsam und das ist nicht meins.

Ihr habt euch mit Kettcar in Indie-Kreisen ziemlich schnell einen sonderbaren Status erspielt, der schon fast Papst-ähnlich ist.

Ich versuche mich weitestgehend davon frei zu machen. Ich möchte nicht wie eine heilige Kuh behandelt werden. Gerade in der Kunst muss man das ausblenden, sonst ist irgendwann keine Entwicklung oder Veränderung mehr möglich.

Der Entwicklung von Kettcar nach zu urteilen ist euch das gelungen.

Ja, vom ersten zum zweiten Album ist das nicht so klar zu erkennen, was im Nachhinein vielleicht auch ein Fehler war - gleichwohl das zweite Album irre erfolgreich war. Beim dritten und vierten Album haben wir uns aber jeweils ganz anders positioniert. Mit meinem Soloalbum habe ich jetzt wieder andere Register gezogen. Ich weiß aber schon jetzt, dass wieder Leute mit Schaum um Mund darauf warten, dass ich das erste falsche Wort raushaue. Ich weiß nicht, warum das bei Kettcar oder bei mir anders ist als bei anderen. Von daher gebe ich dir bzgl. dieses sonderbaren Status Recht.

Du hast bei dem Album mit sehr vielen Leuten, darunter vielen unterschiedlichen Produzenten, zusammen gearbeitet. Wie kam es dazu?

Ich wollte es mir einfach nicht so gemütlich machen. Ich habe bei Kettcar jahrelang mit einem Produzenten zusammengearbeitet und wollte nun etwas Neues machen. Es war wahnsinnig spannend mit so vielen Produzenten zu arbeiten, denn die Ideen sprudelten förmlich über. Ich hatte dabei oft rauschhafte Momente, die die Songs unglaublich beeinflusst haben. Es war viel Arbeit, aber es hat auch sehr viel Spaß gemacht, denn es war sehr fruchtbar.

Hast du zwischenzeitlich auch die Angst gehabt, dich zu verrennen?

Ja, klar. Dafür hat man aber auch einen guten Produzenten, der einen dann auf Kurs hält. Ich musste aber auch zwei Mal den Produzenten wechseln, als ich merkte, dass wir nicht dahin kommen, wo ich hin wollte.

Kannst du solche Personalentscheidungen gut vermitteln?

Ja, schon, denn es geht ja um die Sache. Natürlich geraten dabei auch immer Egos aneinander. Letztlich ist es aber eine Platte von Marcus Wiebusch, die vor allem mir gefallen muss und nicht meinem Produzenten. Viele Produzenten haben mich auch mit sehr coolen Ideen zugeschmissen, von denen ich aber am Ende wenig umgesetzt habe, denn ich hatte schon ein sehr klares Bild von den Songs im Kopf.

 

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