24.08.2014

Niels Frevert

"Ich mag Worte, die man nicht zwangsläufig in Popsongs erwartet."

Niels Frevert
Fotos: Erik Weiss / Interview: Stefan Üblacker

Deine erste Band Nationalgalerie hat sich nicht im Guten getrennt. Hast du in dieser Zeit deine Liebe zur Musik verloren?

Interessante Frage. Ich erinnere mich, dass diese Zeit mit sehr viel Druck verbunden war. Wir waren bei einer großen Plattenfirma, der Zeitdruck war immens und der allergrößte Teil der Arbeit ist an mir hängengeblieben. Ich konnte das irgendwann nicht mehr. Bei der letzten Albumproduktion mit der Band habe ich gemerkt, dass ich komplett an meine Grenzen stoße. Das war nicht mehr gesund für mich. Ich musste mich neu aufstellen. Der große Unterschied zu früher ist schnell erklärt. Bei der Nationalgalerie ging es oft um die Frage: "Was machen wir nach dem Konzert, wo startet die Feier?" Bei mir geht es jetzt vor allem darum, wie das Konzert wird. Das ist gut für mich und meine Nerven und bringt mich näher an die Musik heran. Ich mache das ja für die Musik und nicht wegen des Drumherums. Auf das Drumherum könnte ich ganz gut verzichten.

Und schon wieder den Notizblock gezückt ... Wo wir gerade bei Zeilen sind: Deine Songtexte sind sehr bildlastig und du hast scheinbar ein Faible für ungewöhnliche Wörter wie z. B. Pustekuchen. Sind diese Wörter für dich der Einstieg in einen Songtext?

Ich mag Worte, die man nicht zwangsläufig in Popsongs erwartet. Es gibt schon so viele abgedroschene Vokabeln und so versuche ich meine eigenen Trampelpfade zu schaffen. Ich versuche Geschichten zu erzählen, die auf diese Art und Weise noch keiner erzählt hat. Das ist für mich ein großer Reiz beim Songschreiben. Diese sperrigen Worte sind aber inzwischen Teil meiner Stilistik geworden. Es ist auch schon eine Herausforderung für mich, denn ich stelle mir oft die Frage: "Kann man dieses oder jene Wort überhaupt singen und klingt es vielleicht nicht einfach nur dämlich?"

Welche Musik war bei dir in der Kindheit angesagt?

Über meine Eltern habe ich tatsächlich sehr viel Beatles gehört. Die Musik meiner großen Schwester wie Supertramp oder Pink Floyd war ein weiterer Einfluss. Das habe ich aber eher nebenbei gehört, denn es war ja die Musik meiner großen Schwester und eigentlich wollte ich mich von ihr abgrenzen. Solche Sachen habe ich erst später noch mal neu für mich entdeckt. Als nächstes kam schon Punk um die Ecke. Damit funktionierte die Abgrenzung dann bestens (lacht).

Gab es auch gewisse musikalische Vorbilder für dich?

Na klar, hatte ich die. Ich bin zu vielen Konzerten gegangen und habe Stunden vor den Hallen zugebracht um doch noch irgendwie in die erste Reihe zu kommen. Eine meiner ersten Lieblingsbands waren die Replacements. Ich habe auch anfangs versucht mich an denen zu orientieren, habe aber bald gemerkt, dass das nicht funktioniert. Ich habe irgendwann auch aufgehört mir von anderen Leuten etwas abzuschauen, da mich das sonst verrückt macht. Meinen Platten hat es auf jeden Fall gut getan, denke ich.

Hat sich deine Karriere einfach so ergeben oder gab es stets den Wunsch Musiker zu werden?

Ich habe zwar schon mit 13 oder 14 angefangen in Schülerbands zu spielen, aber eher aus Spaß heraus. Erst mit meinem Zivildienst wurde es ernster. Durch meinen Frühdienst hatte ich nachmittags schon frei und bin dann meistens jeden Tag direkt in den Übungsraum gegangen. Da hat es bei mir gefunkt.

Gab es ein gewisses Aha-Erlebnis, dass dich an das eigene Talent glauben ließ?

Das hat bei mir sehr lange gedauert. Ich glaube, dass dies erst eingetreten ist, als ich angefangen habe ganz bewusst Solo-Platten aufzunehmen - so 2003 herum. Da habe ich dann wirklich geglaubt, dass es dem, was ich musikalisch will, nahe kommt.

Die Zeit mit der Nationalgalerie kam dir also eher unwirklich vor?

Nein, das nicht, ich war ja mittendrin. Das ist für mich auch inzwischen lange her und ich habe das Gefühl, dass ich ein neues musikalisches Leben angefangen habe. Ich war damals in verschiedenen Bereichen einfach noch nicht so weit, als dass ich die Zeit mit der Nationalgalerie wirklich genießen konnte.

Ohne diese Erlebnisse würde es den heutigen Niels Frevert aber auch nicht geben, oder?

Klar. Das eine bedingt ja das andere. Darüber hinaus bin ich inzwischen Vater geworden und auch das verändert einen. Ich hatte auch eine Phase, so um das Jahr 2000 herum, wo ich ernsthaft überlegt habe weiter Musik zu machen, denn keine Plattenfirma hatte Interesse an mir. Ich habe mich damit intensiv auseinandergesetzt und mich letztlich dazu entschlossen es so lange zu machen, wie es geht. Meine Art Musik zu machen wird nie die Massen anziehen, das war mir klar, aber es ist das, was ich sagen und machen will. Ich habe mich letztlich für die Musik entschieden und für etwas, hinter dem ich absolut stehe.

 

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