12.03.2014

Pascow

"Man kann uns mit Geld nicht locken."

Pascow
Interview: Bine & Stefan Üblacker / Fotos: Kay Özdemir

St. Wendel. Pascow aus Gimbweiler haben zum Interview in die Tante Guerilla nach St. Wendel eingeladen. Der Laden ist so etwas wie die Keimzelle der Band und wird von Sänger und Texter Alex Pascow betrieben. Nach Feierabend machen wir es uns im Ladeninnern im provisorischen Stuhlkreis bequem. Am Tag zuvor erschien das neue Album "Diene der Party" und die ersten Kritiken fallen überaus positiv aus. Entsprechend gelöst ist die Stimmung bei Alex, Ollo, Sven und Flo. Ernst sind hingegen die Themen, um die es sowohl auf der Platte wie auch im Interview geht.

Als ich euch zum ersten Mal gesehen habe, habt ihr im Vorprogramm von Farin Urlaub gespielt, der zu dem Zeitpunkt einen Song über The Smiths im Repertoire hatte. Der Titelsong des neuen Albums handelt nun ebenfalls von The Smiths. Kann das ein Zufall sein?

Alex: Obwohl das eine witzige Parallele ist, hat es nichts mit Farin Urlaub zu tun. The Smiths sind eine der Bands, die ich schon sehr lange verehre und die mit diesem Song nun entsprechend auch mal offiziell von mir gewürdigt worden sind.

Ich hätte dich eigentlich eher zum Joy-Division-Lager gezählt ...

Alex: Die habe ich mit ihrem Gesamtwerk erst sehr viel später für mich entdeckt. The Smiths waren schon viel früher auf meinem Schirm.

In dem Song finden sich viele Zitate aus Smiths-Songs wieder. Aber auch darüber hinaus strotzt die Platte nur so vor Song-Zitaten. Ist das eine Art Spleen von euch?

Alex: Es ist ein Stilmittel, dass eher unbewusst oft von mir benutzt worden ist. Ich musste beim Schreiben der Texte oft an andere Bands denken. Ich fand das smarter zu zitieren als einfach nur zu klauen, was ja auch gegangen wäre. Den Hörern macht es aber, glaube ich, auch großen Spaß diese Zitate zu entdecken und zuzuordnen.
Ollo: Sie sind darüber hinaus ein gutes Mittel um mit wenigen Worten ein komplettes Lebensgefühl oder eine Einstellung zu transportieren.

Wie z. B. beim Zitieren aus "San Francisco". Ein Song, der stellvertretend für die gesamte Hippie-Bewegung steht.

Alex: Ganz genau. Ich weiß noch, dass ich bei dem Song überlegt hatte, ob ich verschiedene Städte nenne, die für eine bestimmte Bewegung und Musikrichtung stehen. Mir sind aber nur San Francisco für die Hippie-Bewegung und Duisburg für die Techno-Szene eingefallen (lacht). Von dem Plan bin ich letztlich abgerückt und so ist nur noch San Francisco übrig geblieben.

Das klingt auch besser als Duisburg.

Alex (lacht): Stimmt. Auf der neuen Goldenen-Zitronen-Platte gibt es aber einen Song über das Duisburg-Unglück, das im wahrsten Sinne des Wortes auch den Tod der Techno-Szene bedeutete.

Wenn man sich eure neue Platte anhört, bekommt man einen textlichen Rundumschlag um die Ohren gehauen. Es geht um Themen wie Frei.Wild, NSU, Angela Merkel oder Lampedusa. Hat sich das im Laufe des Songwriting einfach ergeben oder steckte auch eine gewisse Absicht dahinter?

Alex: Das ist einfach so passiert. Die Songs sind über einem Zeitraum von zwei Jahren entstanden und dieses Mal hatte ich die Texte oft schon ein Jahr bevor wir ins Studio gingen geschrieben. Das erklärt wohl auch die textliche Bandbreite, denn diese Themen waren in den letzten beiden Jahren stark bei mir präsent. Ich habe aber beim Schreiben der Texte nicht unbedingt vermutet, dass solche Themen wie Frei.Wild noch immer so aktuell sind. Das die Ereignisse sich teilweise sogar wiederholen war nicht unbedingt vorherzusehen.

Die Handlungen von Bundeskanzlerin Merkel werden sich wohl schon noch ein paar Mal wiederholen. Ihr habt ihr und ihrem Politikstil mit "Merkel-Jugend" einen Song gewidmet.

Alex: Die Leute haben sich offenbar mit ihr abgefunden und ich habe den Eindruck, dass ihr Politikstil des absolut Unverbindlichen so etwas wie eine generelle Haltung in der Bevölkerung geworden ist. Wahrscheinlich ist sie deswegen auch so erfolgreich.

Im Song gibt es das schöne Zitat: "Habe ich wirklich was getan oder nur laut gedacht?". Wie sind eure Reaktionen auf den Ausgang der letzten Bundestagswahl ausgefallen?

Sven: Ich glaube keiner war von dem Ausgang wirklich überrascht. Ich fand es schön, dass die FDP draußen bleiben musste.

Wer war das denn noch mal?

Alex: (lacht) Eine Partei aus den Neunzigern.
Ollo: Wir kommen aus einer Generation, die fast nur die CDU an der Regierung gesehen hat. Als Gerhard Schröder damals an die Macht gekommen bin ich fast vom Glauben abgefallen.

 

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