22.08.2013

Ralph Goldschmidt

"Viele malen sich ein Leben aus, dass sie gerne leben würden. Sie haben aber nicht den Mut dieses auch zu leben."

Ralph Goldschmidt
Interview: Stefan Üblacker / Foto: Ralph Goldschmidt

Köln. Der Persönlichkeitstrainer und Redner aus Leidenschaft hat in sein Büro zum Gespräch geladen. Ich bin zu früh dran und Ralph Goldschmidt wirkt noch etwas zerknautscht. Ich habe ihm, in Anlehnung an sein Buch, eine Shake-Your-Life-Mix-CD mitgebracht, über die er sich sichtlich freut. Schon nach wenigen Minuten ist er voll bei der Sache und wir reden über Scheitern, Glück und Selbstverantwortung.

Herr Goldschmidt, in Ihrem Buch „Shake Your Life“ mustert der Barmann und Hobby-Coach Bruno jeden Gast der seine Bar betritt und sich zu ihm an den Tresen setzt. Muss ich Angst haben, dass Sie mich auch schon komplett gemustert haben?

Nein, keine Sorge. Bruno gibt zwar viele autobiographische Erfahrungen von mir preis, aber er ist in seiner Art ein anderer Typ als ich es bin.

Eine der häufigsten Lügen in unserem Leben ist die Antwort „Mir geht's gut“ auf die Frage „Wie geht's?“. Warum erzählen wir nicht, wie es uns wirklich geht?

Zum einen ist die Frage „Wie geht's?“ häufig schon eine Floskel hinter der kein echtes Interesse an der Verfassung des Gegenübers besteht, zum anderen wollen wir daraus möglicherweise entstehenden unbequemen Gesprächen aus dem Weg gehen. Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir ständig versuchen unsere Schwächen zu verbergen und Angst davor haben uns zu outen. Es hat einem gefälligst gut zu gehen.

Warum wird ein Scheitern nicht viel mehr als Chance wahrgenommen?

Ich glaube es hängt stark davon ab, wo du scheiterst. Da gibt es große kulturelle Unterschiede. In Amerika gehört es fast zum guten Ton, in Deutschland ist es oft ein Stigma. Wir sehen das Scheitern meist als schlimme Katastrophe und erkennen weniger die damit verbundenen Chancen, es beim nächsten Mal besser zu machen. Die Deutschen sind leider ein sehr auf Sicherheit bedachtes Volk.

Ein Mensch wird bei Rückschlägen schnell zum Gesprächsthema und direkt als Versager abgestempelt.

Ja, das ist auf dem Land noch weitaus schlimmer als in der Stadt. Ich komme vom Land und für meine Eltern war es richtig schlimm als meine Scheidung durch war und ich kurze Zeit später auch noch Privatinsolvenz anmelden musste. Die sind seit über 50 Jahren glücklich verheiratet und wollten das möglichst vertuschen, um unangenehmen Gerede im Dorf zu entgehen.

Andererseits bleiben viele Leute zusammen, die sich viel lieber trennen sollten.

Ja, da wäre eine Trennung häufig für alle Beteiligten, selbst die Kinder, das Beste. Natürlich kommt es heute auch oft vor, dass viele Beziehungen viel zu früh aufgegeben werden, ohne dass ernsthaft versucht worden ist, es besser zu machen. Wenn du jedoch alles versucht hast, um eine Beziehung zu retten, und es nicht geklappt hat, musst du dich eben trennen. Das gehört zum Leben dazu. Viele Leute haben Angst vor einem Scheitern, weil sie befürchten in ein Loch zu fallen, aus dem sie nicht mehr rauskommen. Die machen es sich lieber in dem Elend, das sie bereits kennen, gemütlich.

Warum reagieren wir erst, wenn es meist schon zu spät ist?

Die Dinge, die wir präventiv erledigen könnten, sind meistens zeitlich zu weit weg von uns und erscheinen uns überflüssig: Warum soll ich denn zum Arzt gehen? Mir geht's doch gut. Hinzu kommt, dass der Mensch viel mehr vom Unterbewusstsein als vom Verstand gesteuert wird. Jeder der raucht weiß, dass er eigentlich aufhören sollte, da er sonst Gefahr läuft bestimmte Krankheiten zu erleiden. Diese Gefahren sind aber für uns zu weit weg. Das Unterbewusstsein freut sich hingegen diebisch über alles, was es im Moment an positiven Dingen erhaschen kann, also stecken wir uns eine an, da wir Schmacht haben. Das langfristige Denken mit dem Kurzfristigen in Einklang zu bringen ist nicht so einfach.

Wie definieren Sie Selbstverantwortung?

Selbstverantwortung ist für mich eine Haltung, mit der man durch das Leben geht. Du solltest mit der Gewissheit durch das Leben laufen, dass du jeden Tag selbst entscheiden kannst, was du machen möchtest. Du muss nur bereit sein den entsprechenden Preis dafür zu zahlen.

Der Mensch nimmt in seinem Leben verschiedene soziale Rollen an: Kollege, Elternteil, Ehepartner, Freund usw. Kann man diese Rollen wirklich strikt voneinander trennen?

Ja, das geht. Es gibt aber große Unterschiede zwischen den jeweiligen Persönlichkeitsprofilen. Manchen Menschen fällt es nicht schwer, diese unterschiedlichen Rollen zu spielen. Andere kommen damit nur schwer zurecht oder verstellen sich und das ist natürlich mit einem hohen Energieaufwand verbunden. Es ist für die Psychohygiene am besten, wenn du dich überall so verhalten kannst, wie es deinem persönlichen Naturell entspricht. Es wird umso beschwerlicher, je weiter das Rollenverhalten von dem eigenen Ich entfernt ist, denn entweder musst du etwas unterdrücken oder auf mühsame Weise hervorholen. Das ist auf Dauer sehr schwer aufrecht zu erhalten.

 

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