21.05.2013

Robert Drakogiannakis

"Die Künstler haben heute das Heft selber in der Hand."

Robert Drakogiannakis
Interview: Stefan Üblacker / Foto: Andreas Müller

Köln. Es ist Gründonnerstag in der Domstadt. Das Wetter ist immer noch sehr bescheiden. Robert Drakogiannakis, Sänger/Produzent/Mastermind der Kölner Indie-Band Angelika Express und nebenbei Maler hat ins Café Schmitz im Agnesviertel zum Gespräch geladen. Das Café ist gut besucht und die Bedienung reicht sogar mehr als einen Keks zum Cappuccino.

Warum treffen wir uns hier?

Es ist eine schöne Angewohnheit von mir geworden, dass ich mich hier gerne von Leuten interviewen lasse. Ich wohne in der Gegend und bin auch früher öfters hier hin gegangen. Leider war das Café eines der Ersten, die das Rauchverbot in Köln sehr ernst genommen haben. Seitdem bin ich etwas seltener hier.

Bist du betroffen vom Rauchverbot?

Ja, aber ich bin eher der Gesellschafts- und Thekenraucher und es stört mich nicht so sehr. Die Stadt Köln will aber angeblich wirklich Ernst machen und überall das Rauchverbot einführen, was ich mir noch nicht so recht vorstellen kann. Wenn das der Fall ist muss ich mir etwas überlegen, vielleicht mündet das in privaten Nikotin-Speakeasy-Parties bei mir zu Hause (lacht).

Im Lied „1970“ deiner Band Angelika Express, erwähnst du die vollen Aschenbecher in damaligen Talkshows.

Das war die Zeit als die Politiker zu ihren großen Reden eine nach der anderen gepafft und dabei auch noch getrunken haben. Die damalige Politikergeneration war auch gezeichneter vom Leben. Heute sieht diese ganze Gilde eher wächsern und glatt aus. Ich habe den Eindruck, dass da weniger gelebtes Leben hinter steckt. Das passt auch zu dem Trend, dass heutzutage alles immer schön clean und frisch wirken muss, wie die Vertreibung der Obdachlosen aus den Innenstädten oder eben das Rauchverbot zeigt. Ich rebelliere gerne dagegen und finde es gut, dass es hier in Köln auch Leute gibt, die ebenso empfinden. Das hat etwas vom kleinen gallischen Dorf.

Kannst du dir vorstellen woanders zu leben?

Ich könnte mir gut vorstellen in Hamburg zu leben. Städte wie Hamburg und Köln sind im Gegensatz zu Berlin sehr teuer. Das hat aber den Vorteil, dass sich hier nicht jeder selbst verwirklichen möchte und einen auf Bohemien macht, denn in Köln kann man nicht so einfach in den Tag hinein leben. Man braucht schon Kohle und das erzeugt wiederum einen Grundstress, mit dem man erstmal klar kommen muss. In Hamburg ist es ähnlich, wenn nicht sogar schlimmer. Dafür ist Hamburg durch den Beatles-Geruch mehr Rock'n'Roll, hier in Köln stinkt's noch immer so ein bisschen nach Zeltinger.

Was magst du an Köln?

Ich mag die Viertel oder auf Kölsch Veedel. Ich finde es schön, dass man hier jedes Gesicht schon mal gesehen hat. In Berlin würde ich mir wohl etwas verloren vorkommen. Da ist allein das Überqueren der breiten Straßen schon eine Riesenentscheidung. Hier in Köln hat das Ganze einen menschlicheren Maßstab, wie ich finde.

Dein Vater ist Grieche, deine Mutter ist Deutsche. Wie viel Grieche steckt in dir?

Ich bin eher deutsch sozialisiert. Dem griechischen Part verdanke ich vielleicht meine Hartnäckigkeit und eine gewisse Sturheit. Dazu muss man sagen, dass mein Vater aus Kreta stammt, deren Bewohner innerhalb Griechenlands den Ruf haben besonders starrköpfig zu sein und sich nicht so leicht unterkriegen zu lassen. Es gibt auch das Bild dieser Ziegen, die auf der Suche nach Nahrung in den kahlen und tristen Berglandschaften Kretas unglaubliche Abgründe überwinden und dadurch irgendwie überleben. Vielleicht hat das ein wenig auf mich abgefärbt (lacht).

Das schreit schon fast nach einem Ziegen-Tattoo.

Ich werde mich hüten meinen Körper durch Tätowierungen zu verunstalten. Das überlasse ich gerne anderen Leuten. Ich könnte mir die Ziege aber mal als Wappentier auf die Fahne schreiben.

Wie nimmst du die derzeitige, schlimme Lage Griechenlands wahr?

Es macht mich sehr traurig, was ich von meinen Verwandten höre. Das Einkommen dort ist auf ein absolutes Minimum zusammengeschrumpft und man versucht sich mit allen Händen und Füßen über Wasser zu halten. Man merkt auch, dass Verbrechen und Gewalttaten zunehmen und ich mache mir natürlich Sorgen, was aus den Leuten wird. Es ist nicht schön.

Die Griechen gelten als Erfinder der Demokratie. Auch du lässt die Fans sehr stark an Angelika Express teilhaben …

Ja, aber ich würde das nicht überbewerten. Wir ziehen eine ziemlich klare Grenze, was z. B. die Einmischung in unsere kreative Arbeit betrifft. Wir wollen unsere Fans eher als private Kulturförderer gewinnen und ihnen Dinge bieten, die sie so von der Stange nicht bekommen. Wir möchten Sie also direkt an unserem Output teilhaben lassen.

Was ist in dieser Hinsicht für dich Mainstream?

Mainstream sind für mich Sachen, die eine Resonanz bei möglichst vielen Leuten hervorrufen sollen. Wir hingegen lieben es Sachen einem kleinen, relativ elitären Kreis anbieten zu können, die aber auch wirklich was mit Angelika Express anfangen können und für die Sache brennen. Ich empfinde uns dahingehend als sehr Indie.

 

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