22.04.2006

Slim Jim Phantom

"Ich bekomme einen Anruf und schon stehe ich wieder auf irgendeiner Bühne."

Slim Jim Phantom
Interview: Stefan Üblacker / Foto: Slim Jim Phantom

Düsseldorf. Der legendäre Drummer der Stray Cats ist in Deutschland unterwegs und hat Station im alt-ehrwürdigen Ratinger Hof gemacht. Aufmerksamen Lesern der die ärzte-Biographie dürfte nicht entgangen sein, dass Slim Jim Phantom nicht ganz unschuldig ist, dass Bela B. heute im Stehen spielt. Im Interview plauderte er aus einem ereignisreichen Leben.

Wie bist Du zu Deiner ersten Band gekommen?

Eigentlich auf ganz natürliche Weise - so wie viele andere Leute auch. Ich hatte einige Freunde auf der High-School, mit denen ich irgendwann dann eine Schülerband gegründet habe …

... und warum hast Du Dich für das Schlagzeug entschieden?

Ehrlich gesagt: keine Ahnung. Es hat mich wohl irgendwie angezogen. Warum fangen einige an Gitarre zu spielen oder Saxophon zu lernen - man weiß es oft nie genau. Ich kann mich nur erinnern, dass ich auf jeden Fall Schlagzeug spielen wollte und das habe ich ja mittlerweile auch ganz gut geschafft (lacht).

Haben Deine Eltern Dich dabei genauso unterstützt, wie Du es heute mit Deinem Sohn tust?

Nein, nicht auf die Art und Weise, wie ich es mit meinem Sohn tue. Sie waren ja keine Musiker. Irgendwann haben sie aber gemerkt, dass ich es ernst mit der Musik meine und mich dann darin unterstützt. Ich bin aber auch schon sehr früh von zu Hause weg - so mit 17, 18 Jahren. Die letzten Sachen, die ich gemacht habe, fanden sie aber alle gut.

Ende der 70er haben Brian Setzer, Lee Rocker und Du die Stray Cats gegründet, 1980 Euer Debüt-Album veröffentlicht und damit eine Neo-Rockabilly-Welle losgetreten. Wie war die Atmosphäre in diesen Tagen und unter welchen Umständen ist Euer Debüt-Album entstanden?

Die Umstände für die Album-Aufnahmen waren hervorragend. Wir hatten vorher einen fetten Major-Plattenvertrag abgeschlossen, denn wir waren schon vor der Aufnahme zu dem Debüt-Album mit unseren ersten Singles sehr erfolgreich. Wir haben die Platte in einer Zeit aufgenommen, wo es in England hoch her ging - politisch wie gesellschaftlich. Wie waren gut mit The Clash und einigen Mitgliedern von den Sex Pistols befreundet, die darin stark involviert waren und uns sehr mochten und freundlich zu uns waren. Letztlich ist unser Song "Rumble In Brighton" dieser Zeit geschuldet.

Wenn man die Stray Cats als Band betrachtet, dann kann man feststellen, dass es jeder von Euch an seinem Instrument zu einem wahren Experten gebracht hat. Wenn man an Gretsch-Gitarren denkt, dann verbindet man sie direkt mit Brian. Wenn man an Steh-Drummer denkt, dann fällt einem automatisch Dein Name ein. Was denkst Du, ist der Grund dafür?

Wir waren einfach anders. Wenn man uns bei unseren ersten TV-Auftritten gesehen hatte, dann kamen wir einfach anders daher als jede andere Standard-Rock'n'Roll-Band. Sogar The Clash oder die Sex Pistols kamen dabei noch normal rüber, denn sie hatten ganz normale Gitarren, Verstärker und einen regulären Drummer - halt ein normales Rock-Equipment. Wenn man es jetzt aber nur auf die visuelle Ebene herunter bricht, dann tut man uns sicher unrecht, denn wir konnten natürlich auch allesamt hervorragend spielen und jeder hatte seinen eigenen Stil dabei. Das zusammen hat einfach geflasht.

Nach dem Split der Stray Cats hast du in verschiedensten Bands gespielt und spielst auch heute noch in den unterschiedlichsten Bands. Zur Zeit bist du z. B. mit dem Slim Jim Phantom Trio auf Tour. Kannst du dir ein Leben ohne Live-Erlebnisse vorstellen?

Oh ja, ich kann mir das vorstellen. Aber das Touren passiert dann einfach so bei mir - es ist halt auch mein Job. Ich bekomme dann meist einen Anruf und schon stehe ich wieder auf irgendeiner Bühne. Ich liebe es aber zu Hause sein und ich freue mich nach den Tourneen immer wieder zu Hause anzukommen.

Farin Urlaub hat einmal gesagt. "Der einzige Grund für ihn ein Album zu machen ist damit auf Tour zu gehen.". Würdest du dem zustimmen?

Oh ja. Wenn du ein Album machst, dann willst du es auch spielen und die Songs entwickeln sich während der Live-Shows auch immer weiter und verändern sich gegenüber dem Album-Original. Wenn du eine Platte machst, dann gehst du damit auf Tour und willst es unter die Leute bringen - insofern stimme ich ihm vollkommen zu.

 

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