01.12.2013

Graham "Suggs" McPherson

„Ich bin über 50 und finde es blöd, wenn ich noch die gleichen Songs wie mit 18 schreiben würde.“

Graham
Interview: Bine + Stefan Üblacker / Foto: Stuart McClymont

Düsseldorf. Die Toten Hosen spielen ihr Tourfinale vor ausverkauftem Haus in der Düsseldorfer Esprit-Arena. Als spezielle Gäste haben sie sich Madness eingeladen, die sie schon seit den ersten Konzerten in Deutschland kennen, wie Campino später auf der Bühne verraten wird. Wir trafen Madness-Sänger und Tausendsassa Graham „Suggs“ McPherson vorher zum kurzen Interview in den Umkleideräumen des Stadions. In unmittelbarer Nähe zum Entmüdungsbecken entstand ein Gespräch über das Älterwerden, grausame deutsche Fernsehsendungen und die zweiten Flitterwochen von Madness.

Ihr spielt gleich im Vorprogramm von den Toten Hosen. Welche Beziehung habt ihr zu Deutschland?

Wir sind die letzten Jahre immer wieder gerne hierher gekommen. Madness an sich ist ein lustiger Organismus. Wir sind sieben Leute und machen nichts worauf einer von uns nicht Lust hat. Wobei - das gilt nicht für alle - wir übersehen gerne unseren Gitarristen und Bassisten. Ich hatte damals z. B. gar nicht gemerkt, dass unser Bassist Baggers zwei Jahre nicht in der Band war (lacht).

Wie läuft es für euch in Deutschland?

Die Dinge laufen wieder sehr gut, seitdem wir in den letzten Jahren wieder öfters hier gespielt haben. Wir sind ansonsten leider sehr faul und verlassen England nur ungern. Wir wollen aber generell gerne wieder mehr in ganz Europa spielen.

Mögt ihr das Reisen nicht?

Mich stört das Reisen selbst nicht. Ich möchte nur einfach ungern länger als ein Drittel des Jahres weg von zu Hause sein. Als wir jünger waren sind wir fünf oder sechs Jahre am Stück getourt. Heute haben wir alle Familien und es ist uns einfach zu anstrengend geworden. Es ist aber auch gleichzeitig ein Statement von uns, dass wir uns den üblichen Mechanismen entziehen. Wir spielen ja auch keine übliche Musik (lacht). Darf ich auch eine Frage stellen?

Gerne.

Ich habe länger nichts von den Toten Hosen gehört. Sie sind immer noch Punk, oder?

Ja, im Grunde schon. Bei der Musik kann man mit Sicherheit darüber streiten. Von ihrer Einstellung sind sie es aber immer noch - getreu dem Motto „Do Anything You Wanna Do“. Letztes Jahr haben sie z. B. zu ihrem Bandjubiläum eine Tournee durch die Wohnzimmer ihrer Fans veranstaltet.

Oh, das gefällt mir (lacht). Sie haben auf jeden Fall eine tolle Energie.

Die Toten Hosen treten immer noch als „Opel-Gang“ auf. Auch Madness haben diesen Gang-Charme mit Markenzeichen wie dem „Nutty Train“ immer versprüht. Ist der Gang-Charakter noch präsent bei euch?

Ja, definitiv. Einer der Hauptgründe für unseren Erfolg war und ist, dass wir schon Freunde waren bevor wir eine Band wurden und wir sind es immer noch. Wir haben vor kurzem unseren Film „Take It Or Leave It“ wieder veröffentlicht, der von unseren Anfängen handelt. Es war großartig den Film nun 30 Jahre später wieder zu sehen. Es geht uns immer noch darum Spaß und eine gute Zeit zu haben.

Ihr seht euch also auch noch im privaten Rahmen?

Ja, in der Tat - zu viel sogar, wenn du mich fragst (lacht). Natürlich gab es aber auch bei uns, wie in jeder Beziehung, Hochs und Tiefs - aber das ist ja normal.

Wenn man Madness mal mit einer Beziehung zwischen Mann und Frau vergleicht, in welchem Stadium seid ihr gerade?

Ich glaube wir sind im Moment in den zweiten Flitterwochen. Wir lieben uns, machen eine Kreuzfahrt, trinken Cocktails und tanzen Limbo bis sechs Uhr morgens.

Klingt sehr romantisch. Ihr wirkt immer wie ein Haufen Leute, die viel Spaß haben. Welche Momente in eurer Karriere waren nicht so lustig?

Da gab es einige. Anfangs hatten wir ziemlich viele Probleme mit Skinheads und Gewalt auf unseren Konzerten. Wir selber waren auch nicht die Mauerblümchen und die Leute hatten teilweise echt Angst vor uns. Das war kein großer Spaß. Wir waren jung und hatten noch kein ausgeprägtes Gespür für die Folgen des Ganzen. Heute würden wir uns sicher nicht mehr so benehmen (lacht). Dieses ganze Skinhead-Problem war für ein bis zwei Jahre ziemlich außer Kontrolle geraten. Eine andere Schande war unsere Auflösung 1986. Ich denke aber, dass uns diese acht Jahre, in denen wir nicht zusammen waren, insgesamt gut getan haben.

Du meinst, um die Köpfe frei zu kriegen?

Ja, genau. Ich war seit meinem 18. Lebensjahr in der Band und brauchte etwas Neues. Ich wollte auch kein Popstar mehr sein. Die acht Jahre ohne Madness haben mir sehr gut getan. Als wir später wieder zusammengefunden haben hat es sich für uns alle großartig angefühlt.

 

 weiterlesen 

 
 





 
Thees Uhlmann
"Am 7. März"

"Wer eigenverantwortlich handelt, kreiert sich sein Leben vollkommen unabhängig von strikten Glaubensmustern."
Nena

Kraftklub
Nena
Jonny Two Bags
Donots
SWISS und die Andern
Jan Plewka
Farin Urlaub
Dr. Ring Ding
Niels Frevert
Bela B