01.12.2013

Graham "Suggs" McPherson

„Ich bin über 50 und finde es blöd, wenn ich noch die gleichen Songs wie mit 18 schreiben würde.“

Graham
Interview: Bine + Stefan Üblacker / Foto: Stuart McClymont

Was waren damals die Gründe für eure Trennung?

Wir waren einfach müde. Wir haben in den 1980ern wie Bands in den 1960ern gearbeitet - Album, Tour - Album, Tour - und das für fünf bis sechs Jahre. Wir waren einfach ausgebrannt. Zudem hat es uns zugesetzt, dass jeder von uns immer lustige Dinge erwartet hat.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass so etwas sehr an den Nerven zerrt.

Oh ja ! Der Funke, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat fand übrigens hier in Deutschland in einer grauenvollen TV-Show statt. Wie hieß die noch? Die hatten eine unfassbar peinliche Deko und eine grausame, vollbusige, blonde Moderatorin, die nur Mist erzählt hat …

Ach, du meinst "Bananas"?

Ja, genau. Danach waren wir uns einig, dass wir genug davon hatten. Unsere Platten waren zum damaligen Zeitpunkt schon nicht mehr so lustig wie am Anfang. Trotzdem wollte jeder, dass wir etwas Lustiges machen. Diese Zeiten sind aber Gott sei Dank vorbei und jetzt fühlt es sich gut an. Es geht zwar nicht mehr die ganze Zeit bei uns um Spaß, trotzdem haben wir mehr Spaß als jemals zuvor (Währenddessen kommt übrigens Vom Ritchie von den Hosen vorbei und grüßt freundlich).

Wenn man auf die Texte eurer aktuellen Platte achtet könnte man meinen, dass ihr die Altersweisheit für euch entdeckt habt. Ist das so?

Ja, kann sein (lacht). Wir sind aber nicht zurückgekommen um Dinge zu predigen. Wir haben nun mal mittlerweile einen anderen Blickwinkel auf manche Dinge. Ich bin über 50 und finde es blöd, wenn ich noch die gleichen Songs wie mit 18 schreiben würde. So entstand z. B. unser Song „My Girl 2“ als Fortsetzung zum Klassiker aus den 1980ern.

Da gibt's übrigens eine schöne Gemeinsamkeit zu der deutschen Ska-Band The Busters. Auch sie haben zuerst im Jahr 2000 einen Song namens „My Girl“ veröffentlicht und 2007 dann „My Girl 2“ hinterher geschoben. Jetzt kamt ihr mit der gleichen Idee.

Oh! Erzähl bitte keinem, dass die Idee geklaut ist (lacht).

Euren ersten Song „The Prince“ spielt ihr bis heute noch. Was denkst du, wenn du heute beim Spielen in die Gesichter deiner Bandkollegen schaust?

Ich denke oft an die vielen Dinge, die wir als Band bereits erlebt haben. Wir schwelgen gerne in alten Erinnerungen wenn wir unterwegs sind. Es ist unglaublich, was uns alles bereits widerfahren ist.

Ihr hattet mehrere Top-20-Hits, habt zum Thronjubiläum der Queen auf dem Dach des Buckingham Palace gespielt und inzwischen sogar eine eigene Biermarke. Was soll da noch kommen?

Ich weiß es nicht. Wir wollen auf jeden Fall im nächsten Jahr eine neue Platte aufnehmen. Die Dinge laufen im Moment sehr gut. Die letzte Platte „The Liberty of Norton Folgate“ war für uns ein sehr wichtiger Schritt. Davor befanden wir uns in einer Art kreativen Loch aus dem wir uns wie in Star Trek mit Warp-Geschwindigkeit wieder herausholen mussten. Das „Norton Folgate“-Album hat dies bewirkt. Unsere aktuelle Platte „Oui Oui Si Si Ja Ja Da Da“ ist auch ein gutes Album geworden, wenn auch nicht unser Bestes. Die Leute da draußen merken aber wieder, dass wir neue Platten machen. Für uns ist es heute auch nicht mehr eine Pflicht, wie in den 1980ern, sondern purer Spaß an der Freude.

Ihr habt heute auch sicher nicht mehr den Druck wie früher.

Nein, es ist schon sehr seltsam. Wir müssten eigentlich gar nichts tun. Wir haben dieses Jahr auch nicht viele Konzerte gespielt, da wir 2012 viel unterwegs waren. 2014 wird wohl wieder ein großes Jahr für uns.

Unter welchen Bedingungen wollt ihr weitermachen?

Wir wollen gute Musik machen. Es wäre nicht schlecht, wenn wir sie billiger herstellen können, denn wir verschwenden während der Aufnahmen oft viel Geld und Zeit. Wir wollen nicht die Weltherrschaft an uns reißen, dies wäre zwar nett, aber nicht unser vorrangiges Ziel.

 

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