09.06.2013

Sven van Thom

"Ich habe eine präsente melancholische Seele in mir."

Sven van Thom
Interview: Bine + Stefan Üblacker / Foto: Anna Witzel

Bonn. Es ist Vatertag und die Sonne lacht – eine relativ seltene Erscheinung für den Mai 2013. Sven van Thom und sein Freund und Kupferstecher Martin "Gotti" Gottschild gastieren mit ihrem Programm "Tiere streicheln Menschen" im BLA. Auf den Holzklappstühlen der nahe gelegenen Frittenbude treffen wir Sven van Thom zum Gespräch. Dabei müssen wir aufpassen, dass die Stühle nicht allzu sehr bewegt werden, denn der vorgeschriebene Abstand von Tisch und Stühlen zum Bordstein muss strikt eingehalten werden.

Sven, wir machen uns ein bisschen Sorgen um dich?

Wieso? Abgesehen vom Autobahn-Koma geht's mir eigentlich gut.

Deine Texte hinterlassen oft den Eindruck, dass es dir nicht so gut geht - statt glücklicher Liebe immer nur Tragödie.

Ich möchte auch nicht sagen, dass es mir immer gut geht, denn ich habe eine präsente melancholische Seele in mir. Ich habe schon ein paar positive Liebeslieder geschrieben, doch die gefallen mir am Ende nie so gut wie die Traurigen und kommen deshalb nie auf die Platte.

Hast du Angst beim Schreiben von Liebesliedern ins Schlagerhafte abzudriften?

Was heißt hier Angst? Ich stecke doch mittendrin (lacht). Im Ernst: Ich glaube, dass ich dafür zu sarkastisch bin. Beim heutigen Programm „Tiere streicheln Menschen“ wird es aber sehr wenig Melancholie geben. Das ist schon sehr albern.

Ist es dein Gegenstück zum normalen Sven-van-Thom-Programm?

Das kann man so nicht sagen, da ich dort ebenfalls als Sven van Thom auf der Bühne stehe. Auf meinen Platten wechseln sich die lustigen Stücke auch durchaus mit den melancholischen Nummern ab. Bekanntlich nutzen sich die Lacher bei lustigen Stücken aber schnell ab und am Ende haben die melancholischeren Lieder eine längere Halbwertszeit. Auf der nächsten Platte werden diese Nummern aber eher unterrepräsentiert sein, da wird es mehr unter der Gürtellinie weitergehen.

Kommst du beim Schreiben von Liebesliedern nicht ohne sarkastischen bzw. ironischen Bruch aus?

Ich spiele sehr gerne mit Sprache, Worten und Gegensätzen. Mir gefällt es ein trauriges Lied zu schreiben, dass einen Witz enthält, der einem am Ende aber eher das Lachen im Halse stecken bleiben lässt. Das unterhält mich sehr und ich würde es auch gerne noch mehr von anderen Leuten hören.

Überträgt sich das auch auf deine Fernsehgewohnheiten?

Nur bedingt. Ich habe mit den Simpsons angefangen und bin über South Park inzwischen bei Family Guy gelandet. Es wurde also immer böser und krasser bei mir. Bei Family Guy wird auch kein Wert mehr auf irgendwelche Zwischentöne gelegt, da gibt's nur noch auf die Zwölf und jeder noch so politisch unkorrekte Witz wird auch gebracht. Das finde ich sehr lustig, aber vielleicht bin ich über die Jahre auch etwas abgestumpft, was meinen Humor angeht. Ich glaube vor zehn Jahren hätte ich mit leisem Humor mehr anfangen können. Das liegt wohl auch am Alter, denn irgendwann hat man schon alles in Sachen Humor gesehen und gehört. Dann macht man eher die untere als die obere Schublade auf.

Geht dir das bei der Musik ähnlich?

Ja, es ist schwer geworden mich heutzutage als Musikkonsument noch zu begeistern. Das kommt leider nicht oft vor und dabei höre und kaufe ich viel Musik.

Wir würden mit dir gerne über das Thema Schubladendenken sprechen. Mit deiner ersten Band Sofaplanet warst du ziemlich schnell in der Klingt-wie-Die-Ärzte-Schublade drin. Nerven diese Vergleiche nicht?

Keiner möchte gerne verglichen werden. Wenn man mit jemand verglichen wird, den man gut findet, ist das aber noch leichter zu ertragen, als es andersrum der Fall wäre (lacht). Der Ärzte-Vergleich war bei uns damals auch nur bedingt haltbar, denn unsere lustigen, punkigen Stücke waren eher in der Minderheit. Mittlerweile mache ich mir über Schubladen keine großen Gedanken mehr. Wer mich in eine Schublade stecken möchte, der soll es bitte machen. Mir ist das inzwischen egal.

 

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