25.12.2013

Thomas D

"Ich bin ein Getriebener."

Thomas D
Interview: Stefan Üblacker / Foto: Christoph Köstlin

Es ist der Freitag und der D ruft an. Über eine Stunde sprechen wir über sein neues Soloalbum "Der Aufstieg und Fall des Tommy Blank", das Geheimnis der Fantastischen Vier und sein Leben als Landei. Zum Ende stockt mir bei seinen Schilderungen über seine Nahtod-Erfahrung bei dem dramatischen Tsunami in Thailand 2004 kurz der Atem. Ansonsten ist Thomas bestens gelaunt und sehr sympathisch.

Thomas, es ist Freitag. Freut man sich als Künstler eigentlich auch auf das Wochenende?

Als Künstler ist mir das eigentlich egal, da ich am Wochenende oft arbeite und dafür unter der Woche frei habe. Als Familienvater sind die Wochenenden natürlich heilig. Da genieße ich es dann, dass die Kleinen nicht zur Schule oder zum Kindergarten müssen und wir mehr Zeit für uns haben. Derzeit bin ich aber in Berlin und wenn ich heute Abend nach Hause komme sind meine Kinder mit meiner Frau über das Wochenende bei ihrer Oma. Das ist wieder ein ganz anderes Wochenende. Es kommt selten vor, dass ich das Wochenende mal komplett alleine zu Hause verbringe. Ich werde diesen Luxus an Zeit jedenfalls nutzen, um weiter an meinen Texten für die neue Fanta-4-Platte zu feilen.

Ist es nicht ein komisches Gefühl auf einmal ganz alleine zu Hause zu sein?

Ja, das ist in der Tat komisch. Im ersten Moment denkt man noch „Yeah, Freiheit!“, schnell stellt sich aber schon das Gefühl der Einsamkeit ein. Ich liebe meine Kinder und meine Frau. Man träumt natürlich als Elternteil davon endlich mal wieder Dinge zu tun, zu denen man sonst nicht kommt - nackig über den Hof rennen zum Beispiel. Nach einer Runde merkt man aber doch, dass es reicht und eigentlich auch zu kalt dafür ist (lacht).

Ich bin ebenfalls Familienvater und finde es sehr seltsam, wenn die Kinder mal aus dem Haus sind.

Die Freiheit von früher kriegt man nie ganz wieder. Selbst wenn man sie mal kurz wieder hat, so ist man einfach jemand anderes. Die eigenen Kinder sind immer präsent, selbst wenn sie nicht in der Nähe sind.

Würdest du diese Freiheit von früher wieder haben wollen?

Ich würde um nichts in der Welt tauschen wollen. Man weiß ja außerdem nicht, was man ohne Kinder verpasst hätte. Ich finde es schon erstaunlich wie verschwenderisch manche Leute ohne Kinder mit ihrer Zeit umgehen. Ich denke mir oft, dass ich in dieser Zeit wohl schon zig Songs geschrieben hätte.

Trotz deiner familiären Pflichten hast du von allen Fantas noch immer den meisten Output.

Das ist wirklich erstaunlich. Die Familie gibt mir aber auch viel Inspiration. Interessant ist auch der Umstand, dass ich mit Familie mehr Soloplatten veröffentlicht habe als ohne. Ich schaffe es mittlerweile meine Kreativität auf die wenigen Momente, in denen ich an neuen Stücken arbeite, zu konzentrieren.

Das klingt nach harter Arbeit.

Rap-Texte zu schreiben empfinde ich schon als intensive Arbeit. Der Sänger stöhnt wahrscheinlich, dass es für ihn so schwierig ist ein Gefühl mit wenigen Worten auszudrücken. Ich, als Rapper, muss viele Worte dafür finden und finde das auch schwierig (lacht). Es bedarf sehr viel Aufwand einen Rap-Text zu schreiben. Obwohl es mir nicht leicht fällt, empfinde ich es doch als schöne Arbeit. Es ist ein unglaubliches Gefühl ein Werk zu erschaffen, dass am Ende, nach dem es mir nicht mehr alleine gehört, auch vielen anderen Leuten etwas bedeutet.

Siehst du dich in der Beziehung als Handwerker?

Max Herre hat einmal gesagt: Zu einem guten Lied gehören fünf Prozent Inspiration und der Rest ist harte Arbeit. Beim Rest kommt es darauf an den Funken dieser Inspiration am Glühen zu halten und ein Lied daraus zu machen.

Verspürst du während des kreativen Prozesses auch Druck?

Ich spüre den persönlichen Druck besser zu sein als ich es beim letzten Mal war. Ich will anders sein, kein Schema verfolgen und mich am besten neu erfinden. Ich finde z. B., dass uns das mit den Fanta 4 über alle Platten hinweg immer wieder gelungen ist. Wir müssen als Band das Gefühl haben, dass wir Fortschritte machen und Neuland betreten. Das ist der Druck, dem wir uns aussetzen. Wir haben auf jedenfalls nicht gedacht: „„Die da?!“ hat super funktioniert, jetzt machen wir genau damit weiter!“. Das wäre tödlich gewesen.

 

 weiterlesen 

 
 





 
Beatsteaks
"Milk & Honey"

"Wer eigenverantwortlich handelt, kreiert sich sein Leben vollkommen unabhängig von strikten Glaubensmustern."
Nena

Kraftklub
Nena
Jonny Two Bags
Donots
SWISS und die Andern
Jan Plewka
Farin Urlaub
Dr. Ring Ding
Niels Frevert
Bela B