25.12.2013

Thomas D

"Ich bin ein Getriebener."

Thomas D
Interview: Stefan Üblacker / Foto: Christoph Köstlin

Dein aktuelles Soloalbum heißt „Der Aufstieg und der Fall des Tommy Blank“. Mit dem Aufstieg kennst du dich persönlich gut aus. Hast du jemals Angst vor dem Fall gehabt?

Als junge Band haben wir uns in unseren Träumen den Aufstieg ganz anders vorgestellt, als er sich später wirklich angefühlt hat. Das Ausmaß des damaligen „Die da?!“-Wahnsinns wurde schnell sehr unangenehm - es war Fluch und Segen zugleich. Wir schienen für die meisten Leute nur noch aus zwei Worten zu bestehen. Die wenigsten kannten den Bandnamen, geschweige denn unsere persönlichen Namen. Unser ganzes Schaffen wurde nahezu ausgeblendet und nur auf diesen Song reduziert. Wir waren sehr schnell frustriert davon und ich persönlich fand es ganz schlimm. Mein tatsächliches Gefühl und das Gefühl, dass man eigentlich von mir erwartet hätte, klafften meilenweit auseinander.

Was hast du für Schlüsse daraus gezogen?

Ich habe mich trotzdem dazu entschieden weiterzumachen und die Leute nicht in dem Glauben zu lassen, dass ich nur der D mit „Die da?!“ bin. Einen großen Fall gab es nach dieser Entscheidung dann nicht mehr, aber mehrere kleine „Zwischenfälle“ - wie das so ist im Leben.

Wie habt ihr es schließlich geschafft euch von „Die da?!“ zu emanzipieren?

Wir haben uns als Band dazu entschieden den Pfad, den wir mit „Die da?!“ eingeschlagen hatten, ganz schnell zu verlassen. Wir wollten nicht mehr als die bunten Vier gelten und haben mit „Die 4. Dimension“ dann ein eher psychedelisches Nachfolge-Album aufgenommen. Wir wollten uns nicht anbiedern und das abliefern, was die Öffentlichkeit von uns erwartet hätte. Seitdem gehen wir diesen Weg konsequent weiter, was uns als Band auch sehr gut bekommt. Spätestens mit der „Lauschgift“ haben wir uns völlig emanzipiert und unseren Weg als Band auch gefunden. Den Meisten wird aber wohl erst mit der „Unplugged“-CD so richtig aufgefallen sein, dass wir auch passable Musiker sind (lacht).

Da du gerade das „Unplugged“ erwähnst. Ich habe festgestellt, dass viele Künstler durch diese „Unplugged“-Aufnahmen noch mal einen gewaltigen Push bekommen haben. Das war bei euch der Fall, aber auch bei den Ärzten oder bei Lindenberg. Wie erklärst du dir das?

Das liegt zum einen daran, dass die Künstler, die bei „Unplugged“ spielen oft einen großen Schatz an Hits präsentieren und zum anderen eben an dieser besonderen Atmosphäre und Akustik, die viele tolle Songs in einem noch schöneren Glanz strahlen lässt.

Du hast auf deinem Soloalbum, ähnlich wie damals bei deiner ersten Soloplatte „Solo“, wieder viele Gaststars mit an Bord. Welche Kollaborationen haben dir bisher am meisten gegeben?

Das ist schwer zu sagen. Auf der ersten Platte denke ich sehr gerne an die Aufnahmen mit den Ärzten zurück. Die machen das ja nicht so oft und das war schon ein großer Moment für mich. Auf der aktuellen Platte bin ich sehr von Cäthe gefesselt. Das ist eine unglaubliche Künstlerin mit einer Wahnsinnsstimme. Sie hat sich „Aufstieg und Fall des Tommy Blank“ als Song ausgesucht und mal eben in 10 Minuten einen geilen Refrain dafür geschrieben und den als Demo unglaublich gut eingesungen. Diese Version haben wir bis heute nicht mehr angefasst. Wir haben ihr es auch verboten noch mal neu einzusingen (lacht).

Der Gesang von ihr geht tatsächlich unter die Haut.

Auf jeden Fall. Ich würde aber den anderen Leuten auf der Platte Unrecht tun, wenn ich nur sie herausheben würde. Alle haben einen verdammt guten Job gemacht - sei es z. B. Maxim, Samy Deluxe oder Nicholas von Jupiter Jones.

Der Part von Herbert Grönemeyer bei „Brüder“ gefällt mir auch sehr gut.

Ich war knapp zwei Jahre deswegen an ihm dran. Er hat mir irgendwann gesagt, dass ich ihm einfach einen passenden Text dafür schreiben soll und er singt es dann ein. Ich meine: „Ich? Für Herbert Grönemeyer einen Text schreiben? Einfach? Sonst noch Wünsche?“. Ich habe dann eineinhalb Jahre überlegt bis ich einen passenden Text gefunden habe, der schließlich auch ihm gefallen hat. Seine Art zu Singen ist einmalig in Deutschland und darum ging es mir letztlich auch bei der Platte. Ich wollte Leute dabei haben, die einen eigenen Stil und eigenen Ausdruck haben. Ob sie singen können, war eigentlich eher zweitrangig.

Hast du denn die Künstler während der Aufnahmen auch persönlich getroffen oder eher nur virtuell?

Leider habe ich die wenigsten während der Aufnahmen auch persönlich gesehen. Das Meiste ist am Rechner entstanden, wo wir uns die Arbeiten gegenseitig hin und her geschickt haben.

Was zeichnet Menschen aus, mit denen du gut klarkommst?

Ich komme mit den meisten Leuten klar. Ich habe nur etwas gegen Stargehabe und Arroganz. Ich habe dabei aber die Erfahrung gemacht, dass die Größten im Geschäft niemals von sich behaupten würden, dass sie auch die Größten sind. Das ist den Meisten fremd. Da ist viel Respekt mit im Spiel. Ich persönlich feiere auch Künstler gerne ab, wenn sie mir etwas geben. Ein gutes Beispiel dafür ist Moses Pelham. Das Rödelheim Hartheim Projekt und die Fantas waren sich bekanntlich nicht besonders grün in der Vergangenheit, doch irgendwann habe ich sein letztes Soloalbum „Geteiltes Leid 3“ gehört, das mich unglaublich berührt hat. Ich habe dann bei seiner Plattenfirma 3P in Frankfurt angerufen und wollte das gerne an ihn weitergeben. Die haben mir direkt seine Handynummer gegeben und ich habe ihn tatsächlich auch angerufen …

… und das Kriegsbeil begraben?

Ja, während des Gesprächs haben wir festgestellt, dass die alten Zeiten vorbei sind und wir uns ruhig noch mal auf einer anderen Ebene neu begegnen können. Mittlerweile mag ich ihn sehr und so ist es jetzt auch zu seinem Beitrag auf meinem Album gekommen.

 

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