22.01.2015

Jan Plewka

„Diese Welt ist leider nicht für die Schwachen gemacht.“

Jan Plewka
Interview: Stefan Üblacker / Foto: Sven Sindt

Köln/Berlin. Jan Plewka ist die Stimme von Selig, die seit den 1990ern mit ihren Songs für Furore sorgen. Nach der zwischenzeitlichen Trennung feierten sie 2009 ein Comeback. Zum 20. Geburtstag erschien mit „Die Besten“ ein Best-Of-Album der Band, auf dem sie ihre besten Songs noch mal neu eingespielt haben. Jan Plewka ist ziemlich erkältet, hält aber tapfer das Gespräch durch. Gegen Ende merkt man ihm die Erkältung kaum noch an, denn sein ansteckendes Lachen verdrängt jede Spur von Erschöpfung.

Jan, nach langer, langer Zeit habt ihr mal wieder eine Platte in Hamburg aufgenommen. Seid ihr damit wieder nach Hause gekommen?

Ja, es war wirklich wie ein Nach-Hause-Kommen. Wir haben gemerkt, dass wir Hamburger sind und uns mit dieser Stadt eben etwas mehr verbindet als mit anderen Städten. Wir sind auch wieder abends in Hamburg ausgegangen und hatten einfach eine gute Zeit.

Anlässlich eures Best-Of-Albums „Die Besten“ habt ihr eure größten Erfolge noch mal neu aufgenommen. Wie kam es zu der Idee?

Es war letztlich ein Geschenk an uns selbst. Als die Idee zu einer Best-Of-Platte aufkam, wollten wir nicht einfach nur unsere Lieder aneinanderreihen. Das kann jeder Fan selbst vor seinem Rechner machen. Wir wollten unsere Stücke noch mal neu für uns erschließen und ihnen auf den Grund gehen.

Wurden dabei auch überraschende Momente zu Tage gefördert?

Ja, es gibt das Lied „Die Besten“. Da geht es eigentlich um den Zusammenbruch einer Freundschaft, den Wegfall von Träumen. Früher haben wir das Stück immer ironisch rübergebracht. Jetzt spielen wir es in Moll und man hat den Eindruck, dass es erwachsener geworden ist und der Text dadurch noch viel tiefer geht.

Viele eurer Songs gehen unter die Haut. Ich hatte vor einiger Zeit das zweifelhafte Vergnügen einen meiner früheren besten Freunde beerdigen zu müssen. Auf der Trauerfeier lief die Hurts-Version eures Songs „Ohne dich“.

Oh Gott, da haben bestimmt alle geweint.

Ja, es war schon ein Tränenzieher, wie man so sagt. Dabei war der Song für mich bislang immer positiv besetzt. Aber ist es nicht irre, wie unterschiedlich Emotionen zu solchen Songs ausfallen können?

In der Tat und wir erhalten dazu viel Post. Unser Stück „Wir werden uns wiedersehen“ wird auch gerne bei Beerdigungen gespielt. „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ ist wiederum ein Favorit bei Hochzeiten. Wir haben da schon Fotos bekommen, wo sich Paare diese Worte in die Ringe graviert oder auf ihren Körper tätowiert lassen haben. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man auf diese Weise mitbekommt, dass man mit einem Song oder Text solche Emotionen trifft. Dafür sind wir einst angetreten.

Warum fällt es dann Männern so schwer Emotionen zu zeigen?

Diese Welt ist leider nicht für die Schwachen gemacht und Emotionen werden oft als Zeichen der Schwäche angesehen - das ist natürlich Blödsinn. Männer geben aber trotzdem gerne an, um von ihren Schwächen abzulenken. Das hat sich zwar schon ein bisschen geändert, aber wird noch lange so bleiben.

Ein Stück, dass ihr für eure Best-Of-Platte neu aufgenommen habt ist „High“. Wovon werdet ihr heutzutage high?

Es gibt gewisse Momente auf Konzerten, wo sich dieses Gefühl einstellt. Wenn man merkt, dass man zusammen auf einer Welle reitet. Das ist ein wahnsinnig schöner Rauschzustand, der meiner Meinung nach, von keiner Droge getoppt werden kann.

 

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