08.05.2015

Jonny Two Bags

"Eine Band, die nach klaren demokratischen Regeln agieren will, kann auf Dauer nicht funktionieren."

Jonny Two Bags
Interview: Stefan Üblacker / Fotos: Neil Kanal & Brandise Danesewich

Köln. Im Palladium sind wir mit Jonny "Two Bags" Wickersham zum Interview verabredet. Seit dem tragischen Tod des ehemaligen Gitarristen Dennis Danell im Jahr 2000 ist er der zweite Gitarrist der amerikanischen Rock'n'Roll-Institution Social Distortion um Frontmann und Mastermind Mike Ness. Obwohl das Palladium recht riesig ist, sind die Garderoben eher klein. Tourmanager Greg Dean richtet uns sein improvisiertes Büro schnell für das Interview her. Aus einem Interview entsteht mit Jonny schnell ein gutes Gespräch über die wichtigen und unschönen Dinge im Leben und natürlich kommt man auch bei ihm an der Frage nicht vorbei: "Ist das noch Punkrock?"

Jonny, heute Abend spielt ihr hier im Kölner Palladium – eine recht große Halle. Wie viele Leute kommen zu einer Social Distortion Show in den USA?

Das hängt natürlich von der Stadt ab, aber generell ist es schon vergleichbar mit den Besucherzahlen hier in Europa.

Du bereist mit Social Distortion viele Länder der Erde. Wo sind die Leute am verrücktesten?

In Brasilien oder Italien sind die Leute schon sehr verrückt und laut. Das Publikum dort ist immer sehr enthusiastisch. Wenn wir in den USA touren gibt es aber auch laute Städte, jedoch gibt es schon starke regionale Unterschiede.

Hier in Deutschland gibt es diese Unterschiede auch. Das Publikum in Köln ist beispielsweise anders als in Hannover. In welcher amerikanischen Stadt sind die Leute denn am zurückhaltendsten?

Wirklich still ist es in keiner Stadt, denn ständig ruft immer jemand irgendetwas dazwischen, so etwas wie "Spielt doch mal den und den Song ...". Da geht wohl die Cowboy-Mentalität mit den Leuten durch (lacht). In manchen Städten hört man hingegen zwischen den Stücken gar nichts von den Leuten. Da fragt man sich manchmal, ob den Leuten das Konzert überhaupt gefällt. Nach dem letzten Song kommt dann aber der Orkan und dann wollen sie gar nicht, dass wir von der Bühne gehen. Es ist schon verrückt (lacht).

Du hast auch einige der letzten Social-Distortion-Songs mitgeschrieben. Kannst du dich noch an den ersten Song erinnern, den du jemals geschrieben hast?

Ja (lacht), das kann ich. Der erste Song, den ich geschrieben habe, war für ein Mädchen. Ich muss 19 Jahre alt gewesen sein und habe den Song nach ihr benannt: Farrel.

Hat Farrel ihn gemocht?

Sie hat ihn niemals gehört, denn sie hat mich nie so toll gefunden, wie ich sie. Wir sind aber immer noch befreundet.

Im letzten Jahr hast du deine erste Soloplatte veröffentlicht. Darauf ist viel Americana-Musik zu hören. Dies ist auch genau die Musik, an die ich denken muss, wenn ich über amerikanische Musik nachdenke. Was wiederum verbindest du mit deutscher Musik?

UFO – auch wenn das keine reine deutsche Band ist, sondern nur Michael Schenker von den Scorpions dort mitgespielt hat. Sonst fällt mir noch die Terrorgruppe ein – und natürlich die Toten Hosen, mit denen wir auch befreundet sind. Das sind großartige Jungs.

Vor ein paar Jahren hast du im Vorprogramm von den Hosen gespielt.

Ja, Dave Hidalgo Jr., unser Schlagzeuger bei Social Distortion, und ich haben hier zusammen mit CJ Ramone ein paar Shows gespielt. Das war eine tolle Erfahrung, die ich gerne wiederholen würde. Ich finde es großartig wie CJ mit dem Erbe der Ramones umgeht. Er macht das mit viel Stil und Stolz und schreibt auch selber tolle Songs. Kennst du seine Sachen?

Leider nicht, aber ich war überrascht als ich davon hörte, dass er einst nach dem Ausstieg von Jason Newsted beinahe der neue Bassist von Metallica geworden wäre.

Ja, das ist echt verrückt. Wir haben noch gestern nach der Show darüber geredet. Er hat in meinen Augen das Richtige gemacht als er Metallica abgesagt hat. Sein damals kleiner Sohn Liam, der autistisch ist, brauchte ihn einfach. Ich habe eine Menge Respekt vor dieser Entscheidung.

Wenn er bei Metallica eingestiegen wäre, wäre er mit Sicherheit heute Millionär.

Ja, ganz sicher sogar. Das wusste er natürlich auch. So eine Offerte schlägt man normalerweise nicht aus, aber er hat sich für die richtige Sache entschieden.

 

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