09.02.2015

SWISS und die Andern

„Hier bin ich geboren und hier werde ich sterben, so viel steht fest.“

SWISS und die Andern
Interview: Bine Üblacker / Foto: Missglückte Welt

Bonn/Hamburg. Ein Schweizer in Hamburg. Da muss doch etwas schief gelaufen sein. Kann sein, muss aber nicht. Bei Swiss ist jedenfalls einiges richtig gelaufen. Sein Album „Große Freiheit“, dass er mit den Andern aufgenommen hat, ist eine wahre Offenbarung. Hier offenbart sich dem Hörer eine unglaubliche Bandbreite an Stilen gepaart mit intelligenten Texten und Swiss hat noch mehr in petto, wie er im Interview verrät.

Swiss: Hamburger mit alpenländischen Wurzeln. Dein Papa ist Schweizer. Gibt es typische Schweizer Eigenschaften, die er dir vererbt hat?

Eher nicht. Ich bin nicht so relaxed und zurückhaltend, wie man es den Schweizern nachsagt - und auch ein miserabler Geschäftsmann. Aber immer wenn ich in den Bergen bin, merke ich schon, dass ich zu meinen Wurzeln komme. Das ist wie so ein Urding, es beruhigt mich und ich merke, dass ein großer Teil von mir daher stammt. Genauso geht es mir an der See - ich glaube, dass diese beiden Orte für mich so etwas wie mystische Orte sind, an denen ich immer zu mir finde, wenn es mir schlecht geht.

Und wer sind denn überhaupt die Andern?

Die beste Band der Welt und wenn nicht die beste, dann aber auf sicher die lauteste!

Platz 44 der Album-Charts mit eurem Debütalbum „Grosse Freiheit". Glückwunsch! Wie fühlt sich das an?

Och, ganz ok. das zeigt auf jeden Fall, dass wir einen sehr eingeschworenen Kern von Zecken haben, die bereit sind ihr Fangeld auch mal in unsere Sache zu investieren. Das freut mich!

„Grosse Freiheit“. Was bedeutet für dich Freiheit?

Freiheit bedeutet für mich eindeutig der Herr über mein Leben zu sein. Der entscheidendste Punkt spielt sich dabei im Kopf ab. Da sind wir oft nicht frei und folgen Stimmen, die gar nicht für uns sprechen. Deswegen heißt Freiheit für mich vor allem auf seine eigene innere Stimme hören zu können. Viele haben das verlernt und deswegen fehlt ihnen die Orientierung, aber wenn man wieder lernt auf seine eigene Stimme zu hören, wird man unabhängig und frei sein!

Würdest du für die Seemannsbraut auch Hamburg verlassen?

Für immer kann ich das nicht. Ich bin mit dieser Stadt eine Ehe eingegangen. Hier bin ich geboren und hier werde ich sterben, so viel steht fest.

Ton Steine Scherben waren grade auf Tour. Warst du da?

Ich wollte so gerne in die Fabrik gehen bei ihrer Hamburg-Show, leider ist mir dann aber etwas dazwischen gekommen, was keinen Aufschub erlaubte. Nächstes Mal! Und bis dahin hör ich mir Rio am Piano auf Schleife an!

"Der Feind ist die NPD“ In Zeiten von Pegida scheint die NPD nur die Spitze des Eisberges zu sein.

Haha - auf jeden Fall. Man muss aber dazu sagen, dass der Begriff "NPD" einfach sehr eindeutig ist. PEGIDA und wie sie alle heißen sind eher so NPD-mäßige Hipsterbewegungen, die versuchen das ganze in ein anderes Licht zu rücken. Am Ende stehen sie alle und allen voran die NPD für all das, was ich verachte, deswegen hab ich die NPD gewählt (Ups, verraten. Haha!). Außerdem ist der Rhyme fett!

Was macht die Menschheit verkehrt, dass Pegida & Co. so viel Zuspruch bekommt?

Hmm, ich glaube es liegt einfach in der Natur des Menschen in einer Gesellschaft, für alles Schuldige zu suchen. Und der nächste Punkt ist, dass die Leute nicht miteinander reden und in Schubladen denken. Wenn Ilse aus Jena den Mohammed aus Hamburg tatsächlich mal kennenlernen würde und merken würde, wie nett und aufrichtig der eigentlich ist, dann würde sie vielleicht nicht mehr zur PEGIDA-Demo gehen, sondern versuchen das Ganze reflektierter zu betrachten. Wenn sie aber ihre Meinung von Zuhause aus mit RTL und der BILD bildet, wird ihr das nicht gelingen. Es ist doch so, in jeder Religion, in jeder Kultur und in jedem Land gibt es Arschlöcher und zwar ne Menge. Aber das hat mit dem jeweiligen Menschen zu tun und nichts mit einem Glauben, einem Pass oder einer Hautfarbe. Die meisten Arschlöcher die ich zum Beispiel kenne sind blaue Schlümpfe.

 

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